„Gedankenaustausch zwischen Politik und Kirche ist wichtig“

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„Gedankenaustausch zwischen Politik und Kirche ist wichtig“

WETTERAUKREIS. Die SPD-Politikerinnen Lisa Gnadl (l.) und Natalie Pawlik (r.) kamen zum Gespräch mit Dekan Volkhard Guth. Foto: Hortien

SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl und Natalie Pawlik besuchten Evangelisches Dekanat Wetterau

WETTERAUKREIS (pd). Die Wetterauer Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl und die Bundestagsabgeordnete Natalie Pawlik (beide SPD) waren zu Gast im Evangelischen Dekanat Wetterau, um sich mit Dekan Volkhard Guth über aktuelle Themen auszutauschen.

Was beschäftigt die Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Wetterau? Mit welchen gesellschaftlichen Herausforderungen sieht sich das Dekanat konfrontiert? Und wie ist die Situation der Mitarbeitenden und der Familien in den Kitas des Dekanats? Mit diesen und weiteren Fragen waren Lisa Gnadl und Natalie Pawlik zum Gespräch ins Dekanatsbüro des Evangelischen Dekanats Wetterau in Friedberg gekommen.

Dekan Guth berichtete von der aktuellen Situation der Kirche in der Wetterau. Vom Transformationsprozess ekhn2030 und der Entwicklung der Nachbarschaftsräume, vom Mitgliederschwund und dem wertvollen Engagement der Ehrenamtlichen.

Gemeinsam wurde die Individualisierung der Gesellschaft als ein Punkt ausgemacht, der die politische Landschaft ebenso wie die Kirche in der Wetterau beschäftigt. Damit verbunden ist die Frage, wie man bestimmte Personengruppen, die man aktuell kommunikativ nicht erreicht, wieder ansprechen kann. Eine zunehmende „Demokratiemüdigkeit“ der Gesellschaft, die sich zum Beispiel bei den Kirchenvorstandswahlen im Dekanat gezeigt hat, nehmen auch die Wetterauer Abgeordneten wahr. „Hier spiegelt sich der zunehmende Prozess der Individualisierung in unserer Gesellschaft wider. Unsere Gemeinschaft lebt aber davon, dass wir uns mit anderen zusammentun, uns gegenseitig helfen und unterstützen und die Augen und Ohren für unsere Mitmenschen offen halten. Gerade in Krisenzeiten brauchen wir den sozialen Zusammenhalt. Es ist wichtig, dass wir die Menschen „mitnehmen“, sie überzeugen, zur Beteiligung zu motivieren und so direkte Demokratieförderung betreiben. Es macht einen großen Unterschied, ob man wählen geht oder nicht. Und jede und jeder Einzelne, der sich in unserer Gesellschaft einbringt und engagiert, macht einen direkten Unterschied“, erklärt die Bundestagsabgeordnete Natalie Pawlik, die sich unter anderem als Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten für eine stärkere gesellschaftliche und demokratische Teilhabe für alle Menschen einsetzt. „Ein besonderer Fokus liegt für mich auch auf der jungen Generation, der wir mit einem Wahlrecht ab 16 Jahren zeigen können, dass wir sie und ihre Anliegen ernst nehmen und sie noch besser einbinden wollen. Denn ohne das gesellschaftliche Engagement von jungen Menschen ist ein besseres Morgen nicht zu realisieren“, so Pawlik weiter.

Ein weiteres Thema, das Politik wie Kirche beschäftigt, ist die Flächennutzung in der Wetterau. Hier berichtete Wolfgang Dittrich, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, vom Engagement im Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau, das sich gegen das geplante Rewe-Logistikzentrum in Berstadt engagiert. „Vor dem Hintergrund der Nahrungsmittelknappheit und dem Wassermangel sind solche Projekte auf bestem Ackerboden nicht mehr hinnehmbar“, so Dittrich. „Wir sehen unseren Auftrag in der Bewahrung der Schöpfung, im Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit“, betonte Guth. „Dazu gehört zum Beispiel auch das Engagement für die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum.“

„Als Wetterauer SPD teilen wir die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Frage nach Wohnraum ist die soziale Frage der heutigen Zeit. Das wird nicht allein mit einer Ortsinnenentwicklung und Verdichtung zu schaffen sein. Wir sehen Regionalentwicklung immer in einem Dreiklang aus der Schaffung von nachhaltiger Infrastruktur, wohnortnaher Arbeit und bezahlbarem Wohnen. Für jeden Eingriff bedarf es eines Ausgleichs vor Ort, um Natur- und Umweltschutz und Lebensqualität zu bewahren. Wie wir insgesamt das Ziel erreichen, keine weiteren Flächen für Siedlung und Verkehr zu verbrauchen, bedarf auch neuer Antworten. Neben einer deutlichen Reduktion der neuversiegelten Flächen müssen wir in Hessen für Maßnahmen zur Entsiegelung sorgen. Hier gibt es allein in Frankfurt noch viele ungenutzte Flächen, die aufgrund von aufwendigen und teuren Verfahren bisher nicht entsiegelt werden“, erklärte Lisa Gnadl die Zielsetzung der hessischen SPD für die nächste Landtagswahl 2023.

Auch zur Situation der Geflüchteten im Wetteraukreis – aus der Ukraine wie aus anderen Teilen der Welt – tauschten sich die Gesprächspartner aus. Das Dekanat engagiert sich maßgeblich in der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlingshilfe, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die örtlichen Runden Tische, Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Flüchtlingshilfe zu vernetzen. „Das eigene Zuhause unfreiwillig verlassen zu müssen, oder sogar vertrieben zu werden, ist eine schreckliche Erfahrung. Es ist elementar, dass wir zu uns geflüchteten Menschen in Deutschland und im Wetteraukreis Sicherheit bieten und sie unterstützen“, erklärte Natalie Pawlik.

Lobend erwähnte Dittrich die Schaffung eines Sozialindex für alle Wetterauer Kommunen, als gute Daten-Grundlage für eine Sozialplanung. Eine solche Grundlage hatte das Dekanat früher schon gegenüber der Politik eingefordert. Die Erstellung eines Sozialindexes sei auch für die Wetterauer SPD ein wichtiges Anliegen gewesen, das sie im Kreis vorangetrieben habe.

Lisa Kessler, Geschäftsführerin im Bereich der Kindertagesstätten in Dekanatsträgerschaft, berichtete von dem durch Corona und Fachkräftemangel immer schwierigeren Alltag in den Kitas und äußerte konkrete Bedarfe und Handlungsaufforderungen an die Politik. So müsse aus ihrer Sicht zum Beispiel die Nachqualifizierung von pädagogischen Aushilfskräften vereinfacht werden.

„Es ist wichtig, weitreichende Reformen im Bereich der Kinderbetreuung anzugehen, um den Fachkräftemangel wirksam zu bekämpfen“, bekräftigt die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Gnadl. Gemeinsam mit ihrer Fraktion habe sie in den letzten Jahren immer wieder gefordert, endlich die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Erzieherinnen und Erzieher zu verbessern, Ausbildungskapazitäten zu erhöhen und die Bedingungen während der Ausbildung zu verbessern. Aktuelle Lösungen dürften nicht grundsätzlich zum Qualitätsabbau in der Kinderbetreuung führen. „Unsere Kitas brauchen Bedingungen, unter denen Fachkräfte arbeiten wollen. Dafür setze ich mich weiter im Hessischen Landtag ein“, so Gnadl.

Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass ein regelmäßiger Austausch auf dieser Ebene wertvoll und wichtig ist und in regelmäßigen Abständen fortgeführt werden soll.

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