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Gedenken an französische Kriegsopfer

Städtepartnerschaftsverein Butzbach zu 100 Jahre Grab des unbekannten Soldaten am Triumphbogen in Paris

BUTZBACH (pm). Es mag nach außen den Anschein haben, dass die Beziehungen zu den Partnerstädten ruhen, das ist jedoch nicht der Fall, wie der Butzbacher Städtepartnerschaftsverein mitteilt. Die Austausche per Video, per Messenger und auch per Telefon sind lebhaft, aber wohl jeder vermisst die jährlichen physischen Begegnungen. Dass die Anteilnehme an der jeweiligen Situation rund um Corona groß ist, zeige letztlich die Spendenaktion für Collecchio (die BZ berichtete). 

In der nächsten Woche steht bei den französischen Freunden ein Gedenktag ins Haus, an den der Städtepartnerschaftsverein erinnert. Eine Videokonferenz ist geplant.  

Der 11. November ist in Frankreich ein Feiertag, der an den Waffenstillstand des „Grande Guerre“ von 1918 erinnert, also des Ersten Weltkriegs. Die zentralen Feiern finden in Paris statt. In diesem Jahr sind genau 100 Jahre verstrichen, seit man in Paris, unter dem Arc de Triomphe im Zentrum des Charles-de-Gaulle- Platzes, den Leichnam eines unbekannten Soldaten bestattete. Dieser Soldat steht für die unzähligen, nie identifizierten Opfer, die der Erste Weltkrieg auf den Schlachtfeldern bei Verdun forderte. Seit 1923 wird in einer täglichen Zeremonie die Ewige Flamme gewartet und das Gedenken an die Toten gepflegt. Am 9. Januar 2015 projizierten die Franzosen „Paris est Charlie“ auf den Triumphbogen. Diese Parole, eine Abwandlung von „Je suis Charlie“ ist das Bekenntnis der Pariser zu den demokratischen Werten der Meinungs- und Pressefreiheit und eine Solidaritätsbekundung mit den Opfern der terroristischen Verbrechen mit dem Satiremagazin Charlie Hebdo. In diesem Jahr wird dem Gedenken nach den zahlreichen Attentaten in Frankreich und dem 100-jährigen Bestehen des Grabmals besondere Bedeutung zukommen. 

Der Gedanke, den gefallenen Soldaten ein Denkmal zu setzten und sie zu ehren, entstand schon 1916 als die Schlachten in Verdun wüteten und circa 1,4 Millionen französische Soldaten das Leben kostete. Nach vielen Diskussionen 1919/20 traf man in Frankreich letztlich doch sehr schnell eine Entscheidung. Die Briten gaben den entscheidenden Anstoß. Dort wurde Ende Oktober 1920 beschlossen, die sterblichen Überreste eines unbekannten britischen Soldaten, in der Kathedrale von Westminster neben den Gräbern der Monarchen zu bestatten. Man wollte in Frankreich nicht zurückstehen. So fanden die Franzosen für ihre gefallenen Soldaten eine vergleichbare Lösung. 

Für die Wahl des unbekannten Soldaten hatte die französische Armee die sterblichen Überreste von acht Soldaten ausgewählt, die unter französischer Uniform auf den wichtigsten Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs im Kampf gefallen waren. Welcher der Leichname letztlich nach Paris überführt werden sollte, diese Wahl sollte 1920 der 21 Jahre alte Gefreite Auguste Thin auswählen. Thin hatte sich im Januar 1918 im Alter von 18 Jahren zum Militärdienst gemeldet, war der jüngste Freiwillige in seinem Regiment und hatte die Gasangriffe in Verdun überlebt. 

Für die schwierige Wahl kam Thin ein einfacher Gedanke: Er selbst gehörte dem 6. Korps an, sein Regiment trug die Zahl 123. Zählt man die Zahlen seines Regimentes zusammen, kommt man auf die Zahl sechs und damit war seine Entscheidung getroffen, aus den aufgereihten Soldatensärgen wurde der sechste ausgewählt und am nächsten Tag unter den Triumphbogen in Paris überführt. 

Thin gehört heute zu den Namen der bekannten Franzosen und wurde später, kurz vor seinem Tod im Jahr 1982, von François Mitterrand mit dem Kreuz der Ehrenlegion am Triumphbogen ausgezeichnet. Als im Oktober 2018 eine partnerschaftliche Begegnung von Bürgern aus Saint-Cyr und Butzbach in Verdun stattfand, erzählte der damalige Bürgermeister von Saint-Cyr-l’École, Bernard Debain, diese Geschichte rund um den unbekannten Soldaten.

 

 

 

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