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23. September 2020
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Gemeinde beauftragt Dachdecker

LANGENHAIN-ZIEGENBERG. Blick auf die Stirnseite der Kita „Sonnenstrahl“ mit Relikt der statischen Voruntersuchung. Das Giebelfenster würde bei einem Ausbau vergrößert. Text + Foto: nns

Eltern sorgen sich um Kinder in der Kita Langenhain-Ziegenberg / Diskussion in Ortsbeiratssitzung

LANGENHAIN-ZIEGENBERG (nns). Eltern in Langenhain-Ziegenberg stellen sich die Frage, ob sie ihre Kinder mit Bauhelm in die Kita „Sonnenstrahl“ gehen lassen sollten. Seit dem letzten Sturm fallen regelmäßig Teile von Dachziegeln hinab. Die Eltern sind besorgt und fordern die umgehende Umsetzung einer seit langem geplanten Dachsanierung. Auch an den Dachgeschossausbau erinnern sie in einem Brief an die Gemeinde als Eigentümer, ans evangelische Dekanat Wetterau als Träger, an den Wetteraukreis als Aufsichtsbehörde und an die BZ.

„Es ist sicher nur eine Frage der Zeit bis der erste komplette Ziegel vom Dach fällt“, schreiben die besorgten Eltern. Das Problem des maroden Daches sei seit vielen Jahren bekannt, heißt es weiter. Für die Kinder und das Personal bestehe akute Gefahr. 

Um nicht nur den Dachverfall zu stoppen, sondern „gleichzeitig wertvolle neue Kinderbetreuungsplätze zu schaffen, wurde daher schon vor über drei Jahren von der Gemeinde ein Dachgeschossausbau beschlossen“, heißt es in dem Elternschreiben. Bis heute sei nichts passiert. Die Wartelisten für Kindergartenplätze seien in der gesamten Gemeinde gut gefüllt. Durch Neubaugebiete werde der Bedarf weiter steigen. 

Viele besorgte Eltern besuchten am Donnerstag die Ortsbeiratssitzung im Langenhain-Ziegenberger Dorfgemeinschaftshaus (DGH) und stellten Fragen. Der Dachdecker sei vor Ort gewesen und habe das Dach geprüft, berichtete Bürgermeisterin Kristina Paulenz. Seiner Meinung nach müsse ein Neuntel der Dachziegel erneuert werden, das seien rund 40 Quadratmeter. 

Sie habe den Dachdecker am Donnerstag mit den Arbeiten beauftragt und gehe davon aus, dass er sie zeitnah erledigen werde, ergänzte Paulenz. Als „völlig inakzeptabel“ und viel zu vage beschrieb ein Kita-Vater diese Aussage. Es müsse einen verbindlichen Termin geben, schließlich bestehe eine konkrete Gefährdung. „Im Moment ist keine Gefahr in Verzug“, konstatierte Paulenz. Sie könne nur die Arbeiten beauftragen. Für eine eventuelle Schließung aufgrund akuter Gefahr wäre das Dekanat als Einrichtungsträger zuständig. 

Im Gespräch mit der BZ am Freitag nannte die Bürgermeisterin nach einem Telefonat mit der beauftragten Firma einen konkreten Termin: „Der Dachdecker wird diesen Dienstag kommen (also gestern, Anm. d. Red.) und alle defekten Ziegel austauschen“, sicherte die Bürgermeisterin zu. „Die akuten Mängel werden behoben“, sagte Paulenz. Im Übrigen habe es nie hineingeregnet, das Dach sei also dicht, wenn auch nicht das neueste (das Gebäude stammt aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, Anm. d. Red.). 

Bedauerlich sei, dass mit der Dachreparatur so lange gewartet worden sei, hatten die Eltern in der Ortsbeiratssitzung ins Feld geführt. Seit Jahren sei der schlechte Zustand bekannt gewesen. Auf den Vorschlag, nun regelmäßige Qualitätskontrollen am Dach durchzuführen, ging die Bürgermeisterin zustimmend ein: „Das gebe ich gerne so weiter.“

„Wir haben das Gefühl, an der Kita in Langenhain wird nichts mehr gemacht“, zeigten sich die Eltern enttäuscht. Der Dachausbau für eine dritte Gruppe und einen Personalraum werde augenscheinlich nicht vorangetrieben. Sie verwahre sich gegen solche Gerüchte, betonte Paulenz. Im Rathaus werde sehr wohl nach einer guten Lösung gesucht, aber nicht für utopische Summen. Derzeit seien ihre Mitarbeiter damit befasst, Details zum Ausbau des Dachgeschosses mit den übergeordneten Behörden abzuklären. Dabei gehe es auch um den Brandschutz und die Unfallkasse. 

Unterdessen hätten die Kinder schon ihren Bewegungsraum im Erdgeschoss verloren, bemängelten die Eltern. In dem Raum war nach den Sommerferien eine dritte Gruppe untergebracht worden –„für eine Übergangszeit von zwei Jahren“ wie die Bürgermeisterin unlängst dem Parlament erklärt hatte und sich dabei auf eine Mitteilung aus dem Dekanat bezog. Paulenz wiederholte im Ortsbeirat ihr Angebot, den Kindern das DGH für Bewegungsstunden zur Verfügung zu stellen. Sie hoffe, dass die Arbeiten am DGH-Dach bald abgeschlossen seien und das Gerüst im Saal entfernt werden könne. 

Die dritte Gruppe sei ja jetzt bei den anderen Räumen im Erdgeschoss, schloss Paulenz. Dann könne man unter dem seit Jahren aus statischen Gründen gesperrten Dach einen Bewegungsraum, Toiletten und einen Personalraum einrichten. Die derzeitigen Untersuchungen liefen in diese Richtung. Im BZ-Gespräch ergänzte die Bürgermeisterin, dass die Baugenehmigung aus dem Jahr 2000 von einem Mehrzweck-, Ruhe- beziehungsweise Bewegungsraum unterm Kita-Dach spreche. Größere Fenster könnten mehr Licht bringen, für eine Fluchttreppe werde ein Platz gesucht. Die Raumverteilung mit allen drei Gruppenräumen im Erdgeschoss mache auch aus pädagogischer Sicht Sinn. 

Elisabeth Kessler, Geschäftsführerin im Dekanat für die Kindertagesstätten, bestätigte die Ausführungen der Bürgermeisterin. Das Dekanat unterstütze die Pläne für den Ausbau.

Von dieser Wendung zeigten sich die Eltern am Rande der Ortsbeiratssitzung sehr überrascht. Nicht zuletzt hatten sich Eltern wie Bürgermeisterin im Laufe der Auseinandersetzung eine offenere und direkte Kommunikation gewünscht. „Wenden Sie sich an mich und nicht gleich an übergeordnete Stellen, Funk und Fernsehen“, hatte die Bürgermeisterin gebeten. Der Elternbeirat um Vorsitzende Carina Mörler bedauerte, auf eine Reaktion aus dem Rathaus oder offizielle Informationen zuletzt eine Woche vergeblich gewartet zu haben.

Zum Hintergrund: 

Seit Jahren laufen bei der Kommune als Gebäudeeigentümerin Planungen für Dachsanierung und -ausbau, um die Voraussetzungen für eine weitere Gruppe und einen Personalraum zu schaffen. Das Dachgeschoss ist aus Sicherheitsgründen seit Jahren gesperrt. Im vergangenen Jahr fanden statische Voruntersuchungen für Sanierung und Ausbau statt. Die Kommune schrieb die Gewerke aus. Ende letzten Jahres strich der Gemeindevorstand aus dem Haushaltsentwurf die für den Dachausbau vorgesehenen Gelder von ursprünglich angedachten 440 000 Euro und ließ 10 000 Euro für das Notwendigste stehen. Im Januar machten sich die Fraktionen zusammen mit Kita-Leitung, Eltern, Kirchenvorstand und Dekanat vor Ort ein Bild und sprachen sich für eine schnelle Besserung aus. 

Wie Paulenz Ende Januar auf BZ-Anfrage erklärte, habe der Gemeindevorstand aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Notbremse ziehen müssen, veranschlagte Kosten seien laut Handwerker-Angebot auf das Zweieinhalbfache in die Höhe geschnellt. Zuschuss-Töpfe seien leer. In Zusammenarbeit mit dem kommunalen Bauamt und dem Architekturbüro sei man unter Hochdruck bemüht, eine Lösung zu finden, so Paulenz Ende Januar. 

Im Kommunal-Haushalt wurden im April 600 000 Euro für Dachsanierung und -ausbau eingestellt. Ein Nachtragshaushalt in Corona-Zeiten wurde zugleich für sehr wahrscheinlich erachtet. Wie Paulenz aktuell zu bedenken gibt, seien alle Fördertöpfe erschöpft, sodass die zugesagten 250 000 Euro wohl nicht ausgeschüttet werden könnten.

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