„Geschäftsführung und Belegschaft ziehen gemeinsam an einem Strang“

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„Geschäftsführung und Belegschaft ziehen gemeinsam an einem Strang“

BUTZBACH. Elisabeth Wissler unterstützt Unternehmen in Mittelhessen dabei, fit für die Zukunft zu werden.

Butzbacherin Elisabeth Wissler berät Betriebe im Programm „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“

BUTZBACH (thg). Eigentlich wäre Elisabeth Wissler dieser Tage in Berlin gewesen. Aber wegen der Corona-Pandemie sagte das Arbeitsministerium die Urkundenübergabe an die teilnehmenden Firmen des Programms „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ zunächst ab. Die Butzbacherin gehört zu den deutschlandweit nur 50 Prozessbegleitern, die das Ministerium für die „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (Inqa) überhaupt einsetzt. 

Mit 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich Personal ist Wissler seit fünf Jahren selbständig. Die Arbeit in dem Bundesprogramm mit Firmen in der Region Mittelhessen – möglichst in „E-Bike-Nähe“ – ist „genau das, wofür mein Herz schlägt“. Ihr Ideal ist nicht der Berater, der in eine Firma kommt und dann auch schnell wieder raus ist. „Das ist oft nicht nachhaltig.“ Das Bundesprogramm hat den Ansatz, dass die Belegschaft vor Ort ihre eigenen Experten sind. Ihre Aufgabe sei dabei, den Prozess zu moderieren. 

Es habe sich herauskristallisiert, dass sich die „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ am besten für den „eigentümergeführten Mittelstand“ eigne. Dabei komme es nicht auf die Branche an. Zehn Mitarbeiter sollte ein Unternehmen haben, allein wegen des Datenschutzes. Denn zum Programm gehört auch eine anonyme Befragung. Im teilnehmenden Betrieb wird eine Projektgruppe gebildet. Ziel ist es, im Sinne des gesamten Unternehmens erfolgreich zu arbeiten. 

Oft gehe es um ganz pragmatische Lösungen. Manchmal reiche das Aufstellen eines Flipcharts mit Informationen. Aber auch die Einrichtung eines Rückzugsraums für stressfreies Arbeiten sei ein Beispiel. Wichtig sei es, dass Wissen über eine Tätigkeit oder Abläufe auch anderen zugänglich gemacht werden können, falls ein Mitarbeiter ausfällt. Die Maßnahmen könnten im kleinen Rahmen erprobt werden. Im weiteren Verlauf sehe man, ob dies funktioniert oder angepasst werden müsse. 

Nach Wisslers Beobachtung arbeiten die Gruppen stets motiviert, denn es zeige sich oftmals, dass Belegschaft und Geschäftsführung in die gleiche Richtung möchten. Die hohe Akzeptanz, die sie bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern feststellt, führt sie auf die breite Basis des Programms zurück. Die Inqa ist eine Plattform, auf der sich Verbände und Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungsträger, Kammern und Stiftungen gemeinsam mit der Politik „für eine neue, nachhaltige Arbeitskultur einsetzen“. 

Teilnehmende Firmen können von einer Dreifach-Förderung profitieren. Neben dem Grundprogramm „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ baut das Element „Unternehmens-Wert Mensch“ auf. Es bietet Unterstützung und Beratung in den Themenfeldern Führung, Chancengleichheit, Gesundheit und/oder Wissen und Kompetenz. Der dann folgende Baustein „UnternehmensWert Mensch plus“ bietet Unterstützung bei Maßnahmen im Kontext Digitalisierung unter Mitwirkung der Beschäftigten. Der Vorteil seien die hohen Förderquoten und der im Vergleich zu sonstigen Beratungen geringe Eigenanteil der Firmen, betonte Wissler. Zwei Jahre dauere die „Audit“-Phase, Wissler ist etwa anderthalb Jahre in diesem Prozess dabei, damit am Ende auch gesteckte Ziele erreicht werden. Dann erhalte der Betrieb die entsprechende Urkunde. Sie gilt zwei Jahre. Um sie zu verlängern, ist ein erneuter Baustein notwendig. 

Zu den aktuellen Themen in der Berufswelt gehört die Digitalisierung. So weiß die Beraterin, dass das Homeoffice, das nun für viele Alltag wurde, eine andere Art der Zusammenarbeit bedeutet. Aber auch eine andere Art der Führung werde notwendig. 

Ein wichtiger Bereich sei der Fachkräftemangel. „Nichts ist teurer, als wenn ein Mitarbeiter kündigt“, sagt die Fachfrau. Zufriedene Mitarbeiter gingen nicht, stellt sie die Beziehung zur „guten Unternehmenskultur“ her. Schon bei der Rekrutierung von Azubis könne man ansetzen. 

Ferner gebe es in den Firmen einen Wandel. „Das patriarchalische System funktioniert oft nicht mehr“, hat Wissler beobachtet. Die Zukunft könne man nur gemeinsam als Geschäftsführung und Belegschaft gestalten. „Unternehmen, die diesen Weg gehen, sind mutig. Und sie sind oft nicht die schlechtesten.“ 

Unter www.inqa-audit.de finden interessierte Unternehmen weitere Informationen.

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