Verein für Kulturcafé und Begegnung der Generationen
16. September 2020
Keine Windräder in unmittelbarer Nähe der Burg Münzenberg
17. September 2020

Gespür für die Schönheit von Formen

BUTZBACH. Werke von Rudolf Lindenthal stellt das Museum Butzbach ab dem 20. September aus, darunter ein Werk ohne Titel, Bronze um 1980. Fotos: Rüdiger Fanslau

Last Updated on 16. September 2020 by Martina Hofmann

Plastiken aus Metallguss und Bilder von Rudolf Lindenthal aus Wiesental im Museum der Stadt Butzbach

BUTZBACH (thg). Unter dem Titel „Kunst aus Metall – ein heißes Abenteuer“ zeigt das Museum der Stadt Butzbach Werke des Wiesentaler Künstlers Rudolf Lindenthal. Die Ausstellung wird in zwei Veranstaltungen am Sonntag, 27. September, um 14.00 Uhr und 16.30 Uhr im Museum eröffnet. Sie läuft bis zum 21. Februar. Zur Teilnahme an der Ausstellungseröffnung ist eine Anmeldung unter Tel. 06033/995215  oder per E-Mail an christine.borchers-fanslau@stadt-butzbach.de unbedingt erforderlich.

Kunsthistorikerin Christine Borchers-Fanslau vom Butzbacher Museum hat den Künstler getroffen und die Ausstellung zusammengestellt und erläuterte im Gespräch mit der BZ das Werk. Der gelernte Betriebsschlosser arbeitet mit Eisen, Stahl, Aluminium und Bronze. Seine Gussarbeiten sind sowohl figürlich als auch abstrakt. Der Autodidakt, Jahrgang 1944, baute mangels Gießereien in der Umgebung, seinen eigenen Ofen selbst in der Werkstatt, in der schon sein Großvater und sein Vater arbeiteten. 2007 schloss er die Werkstatt und widmete sich nur noch der künstlerischen Arbeit. 

Der Teil eines Treppengeländers mit dem Titel „Vom Vier- zum Zweifüßler“ etwa von 1980 bis 1990 entstanden.

Borchers-Fanslau bescheinigt Lindenthal ein besonderes Gespür für Formen und Ästhetik. Und der Künstler bringe die notwendige Geduld auf und nehme sich Zeit für ein Werk, bis es nach seinem Verständnis tatsächlich vollendet ist. „Beginne ich ein Kunstwerk, so sehe ich mich auf dem Weg, ich wähle einen Lösungsansatz, probiere aus, bin nicht zufrieden, wähle einen anderen Weg und es geht weiter. Es gibt immer eine Möglichkeit ein Problem zu lösen. Man muss sich aber die Zeit nehmen. Ich arbeite so lange an dem Kunstwerk bis es mir gefällt“, berichtet Lindenthal aus der Praxis.

Seine Plastiken regen zum Nachdenken und zum Gespräch an, sie lassen Raum für Interpretationen. Nicht alle haben einen Namen, nicht alle sind datiert. In der Ausstellung wird eine Auswahl der Werke gezeigt, die Lindenthal sonst in seinem Haus oder auch im Garten aufbewahrt. 

„Lindenthal ist schon lange, bevor das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in unser Denken Eingang findet, interessiert an der Wiederverwertung von Material“, so Borchers-Fanslau. Diese Haltung ist mit der Achtung und Wertschätzung des Materials verbunden, „mit der Achtung und seiner ausgeprägten Liebe zur Natur mit ihren großen und kleinen Schätzen und Kostbarkeiten“.

Letztlich sei Lindenthal auch ein Sammler, der Weggeworfenes – beispielsweise Blechschrott – zu seinen Restmaterialien aus der Werkstatt einordnet und manchmal erst nach Jahren verarbeitet. Metall, aber auch Holz oder Steine, und viele Dinge, für die andere keine Wertschätzung mehr hegen, hebt er auf,  um später etwas daraus zu gestalten. 

Die zweidimensionalen Arbeiten – Federzeichnung, Aquarell, Acryl- Malerei – runden das künstlerische Wirken ab und zeigen sein zeichnerisches Talent. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der plastischen Umsetzung und Gestaltung. 

Lindenthal wurde am 24. April 1944 in Hohen-Seibersdorf im Sudentenland geboren. Im Alter von zwei Jahren wurde er mit seiner Familie, Eltern und Großeltern, aus seinem Heimatort vertrieben. Kurz kam die Familie im Vogelsberg unter, aber schon bald siedelte sie nach Münster um, wo man einen Schmied  und Schlosser brauchte, und in seinem Großvater den geeigneten Handwerker erkannte. 

Ab 1957 machte er erste Erfahrungen in der Schlosserwerkstatt seines Vaters und Großvaters. Er lernte in der Landmaschinen-Fabrik A.J. Tröster in Butzbach. Als Lehrling arbeitete er unter anderem an Modellen für Maschinen, an komplizierten Zahnrädern und erstellte Kopfteile für Sämaschinen. Die Arbeit macht ihm Spaß und sein besonderes Interesse gilt der Trösterschen Gießerei. 1963 arbeitete Lindenthal für vier Monate in der Kunstschlosserei Georg Lang in Friedberg, danach in der elterlichen Schlosserei, bis er 1969, am 15. Juni, seine Meisterprüfung ablegte. 

In den 70 er Jahren nahm Lindenthal an Zeichenkursen in der Volkshochschule teil und unternahm Studienreisen nach Neuseeland, Nord- und Südamerika. Ab Mitte der 80er Jahre belegte er die Metallgießkurse am Polytechnikum bei Professor Brand in Friedberg, außerdem belegte er Modellierkurse. 

Es können keine Kommentare abgegeben werden.