Gnadl will SPD-Erneuerung fortsetzen 

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Gnadl will SPD-Erneuerung fortsetzen 

WETTERAUKREIS. Von der SPD-Vorsitzenden Lisa Gnadl erhält Bardo Bayer für seine Verdienste um die SPD die höchste Auszeichnung der SPD, die Willy Brandt-Medaille. Rechts Christine Jäger. Text + Foto: jwn 

PARTEITAG – Wetterauer Vorsitzende wiedergewählt / Wieczorek-Zeul plädiert für Bekämpfung von Hunger

NIDDATAL (jwn). Keine Überraschungen bei den Wahlen zum neuen Vorstand des Wetterauer SPD-Unterbezirks, denn ohne Gegenkandidat wurde die bisherige Vorsitzende Lisa Gnadl mit einem guten Ergebnis in ihrem Amt bestätigt. 

95 der 110 Delegierten stimmten am Samstag in Niddatal für die 37-jährige SPD-Politikerin Gnadl, die dem Landtag seit 2008 angehört. Zehn votierten mit Nein und vier enthielten sich der Stimme. „Es ist ein ehrliches Ergebnis, mit dem ich nach meiner bisher nur kurzen Amtszeit sehr zufrieden bin“, freute sich Gnadl. Die zweifache Mutter, die am Samstag mit ihrem jüngsten Baby auf dem Arm oftmals durch die Reihen der Delegierten zog, hatte 2017 nach einer Kampfabstimmung gegen den damaligen Wölfersheimer Bürgermeister Rouven Kötter den Vorsitz der Wetterauer SPD übernommen, nachdem der bisherige Amtsinhaber Joachim Arnold in die Privatwirtschaft gewechselt war. Nach ihrem Sieg hatte sie damals die Erneuerung der Wetterauer SPD angekündigt, weil ihr die Glaubwürdigkeit ihrer Partei verloren gegangenen schien. 

Mit der Erneuerung sei sie zwar noch nicht am Ziel, doch erste Veränderungen ließen sich schon deutlich erkennen. Mit Diskussionsforen, Arbeitskreisen und politischen Zirkeln habe sie eine Streitkultur wieder eingeführt, die für eine lebendige Partei so wichtig sei. 

Gar nicht zufrieden hingegen zeigte sie sich mit dem Ergebnis der Landtagswahl. Den Grund für das schlechte Abschneiden sah sie in den bundespolitischen Themen wie dem Dieselproblem oder den AfD-Erfolgen, die den Wahlkampf beherrscht hätten. Mit ihrem neuen Sozialstaatskonzept habe die SPD nun aber wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Und mit ihm sei sie auch wieder in der Lage für gesellschaftliche Veränderungen beispielsweise in der Arbeitswelt mit höheren Mindestlöhnen oder in der Familie mit besserer Kinderbetreuung zu sorgen. Gnadl forderte auch die Einführung der Grundrente und wandte sich in diesem Zusammenhang scharf gegen die Forderung der Unionsparteien nach einer Bedürftigkeitsprüfung in diesem Zusammenhang. Die sei nicht nur systemwidrig, sondern auch unanständig, so Gnadl. Für die Wetterau forderte sie unter anderem mehr bezahlbaren Wohnraum, bessere Kinderbetreuung, verstärkte Entwicklung des ländlichen Raums, mehr Umweltschutz und weniger Flächenversiegelung. 

Gerade der letzte Punkt veranlasste den jetzigen Wölfersheimer Bürgermeister Eike See zu einer eindeutigen Stellungnahme zu der umstrittenen Ansiedlung des Logistikzentrums in seinem Bereich. Sicherlich werde dort landwirtschaftliche Fläche versiegelt, aber im Gegenzug würden dadurch viele Hundert Arbeitsplätze gesichert. Und dies dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, machte See deutlich. 

Dass sich die Partei in letzter Zeit wirklich gewandelt oder zumindest geöffnet hat, zeigt auch die Einberufung der neuen Arbeitsgruppe SPD-queer, in der die SPD für die Akzeptanz und Gleichstellung von Schwulen und Lesbischen einsetzt. 

Neben den Vorstandswahlen, in denen Rouven Kötter (Wölfersheim), Christine Jäger (Nidda), Natalie Pawlik (Bad Nauheim) auch der Florstädter Dieter Richter zu stellvertretenden Vorsitzenden, Gerhard Weber (Wölfersheim) zum Schatzmeister und Marion Götz (Friedberg) zur Schriftführerin gewählt wurden, standen eine Reihe von Anträgen zur Diskussion und Abstimmung auf der Tagesordnung. Beispielsweise zum Thema Europa oder zu den Themenbereichen Bildung, Arbeit, Wohnen, Steuerpolitik und Sterbehilfe. 

Zum Thema Europa war die ehemalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) eingeladen, die ausführlich auf die Bedeutung der Europäischen Union im Wandel unserer Zeit einging. Die EU bedeute nicht nur Sicherheit, sondern stehe auch für das Wohlergehen der Bevölkerung in ihrem Bereich. Auch auf die aktuelle Diskussion der Nachrüstung ging Wieczorek-Zeul ein. An ihre dürfe sich die EU weder beteiligen und mit ihr Geld verdienen. „Zwei Prozent des Haushaltes für Rüstungsausgaben heiße, 68 Milliarden Euro für Waffen auszugeben. Mehr Frieden schafft dagegen mit dem Geld Hungersnöte in der dritten Welt zu bekämpfen. Zumal das auch das Flüchtlingsproblem lösen würde“, so die SPD-Politikerin. 

Neben den Delegierten für die unterschiedlichen Parteitage wurden auch die 13 Beisitzer für den Wetterauer SPD-Unterbezirksvorstand gewählt: Karl-Otto Waas (Wölfersheim, 81 Stimmen), Reimund Becker (Nidda , 65 Stimmen), Manfred Scheid-Vaisco (Büdingen, 61), Monika Eckhardt (Nidda, 59), Rolf Gnadl (Glauburg, 59), Mirjam Fuhrmann (Bad Vilbel, 52), Kristina Paulenz (Ober-Mörlen, 51), Lukas Dittrich, (Niddatal, 50), Brigitte Dietz (Limeshain, 46), Johannes Giar (Ortenberg, 40), Lothar Herrmann (Florstadt, 35), Markus Herrmann, (Münzenberg, 35) und Sven Franz (Ortenberg, 31). 

 

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