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Grundlage in Butzbach gelegt

WÖLFERSHEIM. Geballte Frauenpower im Vorstand des Turngaus Wetterau-Vogelsberg (v.l.): Julia Metzger, Katja Reutzel, Rosel Schleicher und Heike Schnoor. Foto: Schneider

FESTKOMMERS –Turngau Wetterau-Vogelsberg feiert 125-jähriges Bestehen / 30 000 Mitglieder stark

WÖLFERSHEIM (fs). Ein Original-Zeitungsausschnitt aus dem Oberhessischen Anzeiger belegt, dass der heimische Turngau Wetterau-Vogelsberg am 4. März 1894 in Butzbach aus der Taufe gehoben wurde. Das 125-jährige Bestehen wurde mit einem Festkommers gefeiert und an Höhen und Tiefen einer bewegenden Sportgeschichte erinnert. Vertreter von 26 Gau-Vereinen waren neben den Ehrengästen der Einladung des Turngau-Vorstands in die Mehrzweckhalle Berstadt gefolgt. 

Nach dem feierlichen Einmarsch mit den historischen Fahnen des Turngaus und des Hessischen Turnverbandes in die in den Verbandsfarben rot und weiß dekorierte Halle leitete der Turngau-Vorsitzende Ulrich Riemer die akademische Feier ein. In den vergangenen 125 Jahren gab es laut Riemer nicht nur Zeiten des Sonnenscheins, sondern auch Zeiten mit Schatten. Dazu gehören die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die Haltung der Turner zum Nationalsozialismus. „Der turnerische Gedanke wurde in dieser Zeit auf eine harte Probe gestellt. Die turnerische Gesinnung unterlag dem politischen Druck und wurde ein Teil der Propaganda der Nationalsozialisten. Darauf sind wir nicht stolz, doch auch Tiefpunkte gehören genauso zu unserer Geschichte wie Höhepunkte“, sagte Riemer. Nachzulesen sind die umfassenden historischen Eckdaten in einem 180 Seiten dicken Festbuch, das der Turngau Wetterau-Vogelsberg anlässlich seines Jubiläums auflegte. Riemer dankte den Vorstandsmitgliedern Katja Reutzel und Rosel Schleicher, die in Zusammenarbeit mit dem historisch bewanderten Stammheimer Rolf Lutz mit viel Akribie und Zeitaufwand das Werk auf die Beine stellten. 

Die hessische Turnbewegung nahm in Butzbach mit Friedrich Ludwig Weidig, dem hessischen Turnvater seinen Anfang. „Konsequenterweise erfolgte auch die Gründung des Hessischen Turnverbandes dann in Butzbach“, ging Riemer auf die Anfänge des Turngaus ein. Die Festrede oblag seiner Stellvertreterin Katja Reutzel (Kefenrod). Sie zeigte auch Bilder zur Geschichte des Turngaus. „Turnen ist eine Lebenseinstellung“, betonte Reutzel. „Wer einmal ein deutsches Turnfest oder ein Landesturnfest miterlebt hat und Teil der großen Turnerfamilie war, der weiß, was ich meine“, ergänzte sie. Beim Turnen stünde im Gegensatz zum Sport nicht der Leistungs-, Konkurrenz- und Rekordgedanke im Mittelpunkt. „Die Grundlage für unsere Leidenschaft, uns zu bewegen und Sport zu treiben, wird im Kinderturnen geschaffen.“ Nicht von ungefähr genießen die traditionellen Gau-Kinderturnfeste im über 30 000 Mitglieder starken Sportverband einen hohen Stellenwert.

Landrat Jan Weckler, Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung, erinnerte sich daran, dass er früher als Kind selbst an den Gau-Kinderturnfesten teilnahm. Auf die aktuelle Zeit bezogen lobte Weckler die engagierte Vorstandsarbeit des Turngaus. Die gesellschaftliche Aufgabe sei es, sich für Sport treibende Vereine stark zu machen, denn, so der Landrat: „Sport ist im Verein am Schönsten.“ Weitere Grußworte sprachen Wölfersheims Bürgermeister Eike See, Sportkreis-Chef Jörg Wulf, Ulrich Müller vom Präsidium des Hessischen Turnverbandes und Helmut Reith für die hessischen Turngau-Vorsitzenden. Die Moderation der Feier lag in den Händen von Kathrin Storck (TV Berstadt). 

Für den feierlichen Rahmen des Kommersabends sorgten Musikstücke durch eine Gruppe des TV Berstadt unter Leitung von Florian Bayer.

Die Disziplin in den Anfängen der Turnerzeit demonstrierte die Gymnastikgruppe der SG Stammheim, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, in Turnerpracht vergangener Zeiten. 

 

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