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Gute-Laune-Musik auf Flaschen

BUTZBACH. Sie holten aus leeren Flaschen so einiges raus: die vier Musiker von „GlasBlasSing“ in der Alten Turnhalle. – Das rechte Foto zeigt Daumen-Tetris. Text + Fotos: win

LIVE IN BUTZBACH – Flaschenmusik mit GlasBlasSing aus Berlin

BUTZBACH (win). Vier Musiker und ihre umfangreiche Flaschensammlung sorgten am Freitagabend in der Alten Turnhalle für Furore. Mit ihrem „Flashmob – Liedgut auf Leergut“, einem bunten Mix aus Musik und Comedy, begeisterten Frank, Fritze (Jan), Endie (Andreas) und Möhre (David) alias GlasBlasSing das Butzbacher Publikum. Kleine Flaschen, große Flaschen, Plastik, Glas, Blech, grün, braun, weiß, durchsichtig – der Instrumentenpool der Berliner Leergutverwerter war beachtlich. Getreu dem Motto „keine Macht den Dosen“ demonstrierten sie, wie man mit klopfen, ploppen, schütteln und klimpern oder zupfen, klappern, ritschen und scheppern auf faszinierende Weise Musik hervorzaubern kann. Das brachte so manchen Zuschauer zum Staunen. 

Seit 2003 treten GlasBlasSing mit ihrer Flaschenmusik in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Ihre Bühnenshow ist unkonventionell und unterhaltsam zugleich. Der Auftritt der vier Recycling-Spezialisten macht augenblicklich gute Laune. Das liege an den 150 beats per minute (bpm), die automatisch gute Laune machten, versucht es Endie mit ein wenig Tiefstapelei. In den Händen von GlasBlasSing werden leere Flaschen zu faszinierenden Musikinstrumenten. Der Fundus beinhaltet so ziemlich alles, was der Getränke-, ähm Verzeihung, Instrumentenmarkt so zu bieten hat. Dazu gehört natürlich auch ein Stimmschlüssel, der sich als Flaschenöffner entpuppt. 

Zur Ausstattung gehören auch die Fender Cokecaster Seitenflaschen Doppelhals-Gitarre, ein Riesenbass, ein Bass mit Minischnapsflaschen und eine Ukulele. Fast schon ein wenig bedrohlich klingen die Bassdrums – recycelt aus Kunststoff-Wasserspendern – auf denen Möhre den Takt zum etwas anderen Weihnachtslied „Personal Jesus“ von Depeche Mode schlägt. Auch wenn es nicht den Anschein habe, die Musik sei frisch zubereitet, erklärte Endie. Zur Unterstützung arbeitet die Band mit dem sogenannten Live-Looping, einer Art Tonband mit Endlosschleife, mit dem man zuvor gespielte Sequenzen aufnehmen und direkt wiedergeben kann, während man auf seinem Instrument weiterspielt.

Die akustische Performance war stark, aber auch die Texte und die vielen kleinen Wortspielereien hatten es in sich. Aufmerksame Zuhörer erfuhren bereits in der ersten Zeile eines umgedichteten Liedes, wie der betreffende Täter, das Opfer und der Tatort heißt: „Sven Hanna Wald“. Oder, dass „automatisch alt“ das Gegenteil von „Manuel Neuer“ ist. Dezent zweideutig wurde es inhaltlich beim Amy-Winehouse-Song „Valerie“, der kurzerhand in „Sellerie“ umbenannt wurde. „Das persönliche Stimmen der Instrumente gehört zur vornehmsten Pflicht des Musikers“, erklärte Endie und nahm erst einmal einen kräftigen Schluck aus einer Bierflasche. „Es muss flutschen“, fand Fritze und schleckte seine Fingerkuppen ab, um eine Reihe kleiner Saftflaschen ploppen zu lassen. 

Nach der Pause ging es weiter mit einem Medley zum Thema „Halleluja“. Dabei schlugen GlasBlasSing gekonnt die Brücke von Leonard Cohen zu Josef Haydn und Dr. Alban. Aber auch die Kurve von „Dadada“ zu den „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ – am Schluss ganz ohne Vokale – muss man erst einmal kriegen. „Mission Impossible“, „Popcorn“ oder „Summer of 0,33“: Die Flaschenmusiker machten, sehr zur Freude der Zuschauer, vor nichts Halt. Auch nicht vor der Klassik. 

Andreas „Möhre“ Möhring gab mit 190 bpm beim „Rondo Alla Turca“ auf dem „Flachmanninoff“ so richtig Gas. Lautstarke Begeisterungsrufe und tosender Applaus waren die Folge. Beim Flaschenmusik Memory Butzbach 2000 traten die Zuschauer Sabine und Dieter gegeneinander an. Auf einer Tafel von eins bis zwölf mussten sie raten, wo sich dieselben Musikstücke versteckten. Am Ende machte Sabine das Rennen. „Ich liebte ein Mädchen in Butzbach, die hatte mit ihrem Lutz Krach“ war Teil der hessischen Version des Insterburg-Songs „Ich liebte ein Mädchen in Pankow“, für die es viel Beifall gab.

Der Abend näherte sich dem Höhepunkt, als die Musiker mit Bierkästen und Sprühflaschen Pharrell Williams’ „Happy“ interpretierten. Das Praktische an diesen Instrumenten sei, dass man mit ihnen auch die Pflanzen besprühen könne, erklärte Endie. Zum Abschluss des rund zweistündigen Konzerts ließen die Musiker ihr Publikum mit den bedeutsamen Zeilen „Wer Abschied nimmt, muss auch Abschiede geben können“ zurück – jedoch nicht ohne Hinweis auf ein baldiges Wiedersehen. Es folgte der heitere Werbeblock und eine Zugabe mit Ukulele, bei der die Glasbläser die Zuschauer zum Mitschunkeln, Mitsingen und Transzendieren aufforderten. Der Abend war eine gelungene Mischung aus Comedy und Musikshow, für den sich die Besucher mit lang anhaltendem Klatschen und Standing Ovations bei den Künstlern bedankten.

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