„Guter Lösslehm wird weggespült“

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„Guter Lösslehm wird weggespült“

GEWÄSSER – Gottfried Lehr berichtet Butzbacher Politikern über Renaturierung und Förderung

BUTZBACH (thg). Begradigt, verrohrt und eingeengt – dieses Schicksal teilen Fließgewässer in der Region wie der Lattwiesengraben, der Riedgraben und der Fauerbach. Gewässerökologe Gottfried Lehr beschäftigt sich mit den drei genannten Bächen. Ziel ist die „Renaturierung“. 

Als Beispiel für solche Erfolge nannte er im Umweltausschuss der Stadt Butzbach Teilbereiche der Nidda, unter anderem auf Frankfurter Stadtgebiet. Von den Umgestaltungen profitierte nicht der Fluss allein, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. 

Von einem Bachforellenbestand sei nur zu träumen, betrachte man die drei Bäche in Butzbach und Rockenberg. Der Fauerbach sei in den 80er Jahren mit Beton ausgebaut worden. Der „Ureinwohner“-Fisch solcher Gewässer, die Groppe, sei dort nicht mehr zu finden. Auf einem Bach-Abschnitt in Ober-Mörlen sei jedoch die Meerforelle angekommen. Hintergrund sei das Projekt, die Durchgängigkeit von Fließgewässern bis hin zur Nordsee zu schaffen, und dazu gehört auch die Nidda. Der Lachs sei aus der Landschaft verschwunden. 

In Ostheim fließt der Lattwiesengraben quasi „hinter Gittern“, ein Zugang zum Bach ist dort zumindest damit abgesperrt. Er verläuft streckenweise unterirdisch. Am Ortsausgang befinde sich aber „ein schöner Bereich“. Die Tierwanderung werde von Querbauten unterbrochen. Ein Vorschlag sei, Zugangsplätze zum Graben am Ortsrand zu schaffen. Dafür gebe es die Möglichkeit über die Förderung des Landes bis zu 95 Prozent Zuschuss zu erhalten. 

Bodenerosion ist ein großes Thema. Der „gute Lösslehm“ werde weggespült. Dieser ließe sich in den Untersuchungen der Wasserqualität feststellen. Mit Blick auf die Landwirtschaft sagte Lehr, dass auch „Spritzmittel und Antibiotika“ zu finden seien. Unter anderem seien an Fischen in der Nidda Fehlbildungen festgestellt worden, fügte er an. Zum Thema Bodenerosion sollte die Landwirtschaft in eine Umgestaltung eingebunden werden. 

Der Riedgraben sei teils verrohrt und nicht sichtbar. Er ist gesäumt von landwirtschaftlich stark genutzten Flächen. 

Als Maßnahmen empfahl Lehr grundsätzlich den Bodenschutz, um dem Feinsediment von Ackerflächen in Bächen entgegenzuwirken. Sofortmaßnahmen an nicht natürlichen Bachläufen nannte er, die Steinbefestigung zu entfernen und die Strömung vielfältiger zu machen. Auch Fischwechsel-Hindernisse müssten entfernt werden. Über eine entsprechende Bewirtschaftung von Flächen sei die Bodenerosion „besser in den Griff“ zu bekommen. Eine Flurbereinigung am Fauerbach zwischen dem Butzbacher Stadtteil Fauerbach und Ober-Mörlen sei einzuleiten. Das Land stellt über das Programm „naturnahe Gewässer“ Fördergelder zur Verfügung. 

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