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Halbe Million Euro Defizit im Forst

BUTZBACH. Bei Bodenrod ist das Ausmaß der Waldschäden in Folge der langen Trockenperiode deutlich sichtbar.

Butzbacher Waldwirtschaftsplan für laufendes Jahr im Ausschuss mit knapper Mehrheit befürwortet

BUTZBACH (thg). Mit vier Ja-Stimmen bei drei Ablehnungen und zwei Enthaltungen erhielt der Waldwirtschaftsplan für dieses Jahr im Haupt- und Finanzausschuss unter Leitung des Umweltausschussvorsitzenden Rainer Michel am Donnerstag im Butzbacher Bürgerhaus nur eine knappe Mehrheit. Jörg Deutschländer-Wolff von Hessen Forst, Forst-amtsleiter in Weilrod, stellte das Papier vor. Es weist ein Defizit von fast 450 000 Euro aus. 

Besonders die Baumart Fichte, aber auch die Buche leiden unter Schädigungen wegen Trockenheit. Daher sei Hessen Forst bemüht, Fichten intensiv einzuschlagen – und zu vermarkten. Damit sollen unter anderem Borkenkäfer-Vorkommen aus dem Wald entfernt werden. 2000 Festmeter seien seit Jahresbeginn geschlagen worden, die entsprechend intensive Holzabfuhr hinterlasse Spuren, räumte der Forst-amtsleiter ein. Er geht aber davon aus, dass auch dieses Jahr der Käfer weiter ein Problem darstellen wird. 67 000 Festmeter Fichte seien Schadholz. 8000 Festmeter seien so geschädigt, dass sie nicht zu vermarkten seien. 

Die Buche hat laut Deutschländer-Wolff erheblich unter der Trockenheit der vergangenen drei Jahre gelitten. Auch bei grünen Kronen zeigten sich Pilzbefall und Schleimfluss als Anzeichen. Im weiteren Verlauf werde Rinde abgeworfen. Die Entwicklung sei so rasant wie nie zuvor. 

Vor allem alte, exponiert stehende Buchen seien betroffen. Eine Kettenreaktion werde ausgelöst. Denn es entstünden große Löcher in den Beständen, die Innenräume erwärmten sich, weil weniger Schatten entstehe, die Bäume stürben eher ab. Das Holz sei teils nicht mehr verwertbar, vom äußeren Anschein allein sei das aber schwer zu kalkulieren. 

Beim Hiebsatz zeigt sich nach Worten des Forstamtsleiters, dass bereits mehr Fichte gefällt wurde als vorgesehen war. Bei der Buche sei das Potential noch nicht ausgeschöpft. Eingeschlagen werde aber nur so viel, wie etwa für die Pflege der Bestände und zur Aufarbeitung des beschädigten Holzes nötig sei. „Beim Einschlag dominiert das Schadholz“, sagte er auf Nachfrage. 

„Sehr kostenintensiv“ ist laut Deutschländer-Wolff die Verkehrssicherung unter anderem entlang der Wege. Dabei würden die Bäume von Hand, „motormanuell“ bearbeitet. Für die Arbeitssicherheit komme auch Spezialtechnik zum Einsatz. Der Forstamtsleiter erwartet, dass in Kürze eine finanzielle Förderung in Höhe von 80 Prozent vom Land für solche Maßnahmen geleistet werde. Im Inneren von Beständen könnten Bäume stehenbleiben, unter anderem aus naturschutzfachlicher Sicht. Dort wo aber auch Pflegemaßnahmen in Folgejahren erforderlich seien, müsse die Arbeitssicherheit bedacht werden. 

Die Wiederbewaldung sei im Gegensatz zu den Schäden im Wald gut planbar, so Deutschländer-Wolff. Die Waldentwicklungsziele orientierten sich unmittelbar am Standort, was unter anderem die Wasserversorgung angeht. Dank Erkenntnissen aus der Zusammenarbeit mit der nordwestdeutschen Versuchsanstalt hoffe man auf „klimastabilere Wälder“. Auch dafür sind Fördermittel erhältlich. 

Aus dem Bericht zur Beschlussvorlage ergeben sich die Zahlen: Im laufenden Wirtschaftsjahr sollen in den Revieren Butzbach und Wiesental rund 26 000 Festmeter Holz geerntet und vermarktet werden. Davon entfallen allein 18 000 Festmeter auf die Baumart Fichte. Es sollen im Laubholz 2500 als Hauptnutzung und in der Pflegenutzung 3100 Festmeter eingeschlagen werden. In der Baumart Kiefer ist in Haupt- und Pflegenutzung eine Holzmenge von 2300 Festmeter vorgesehen.

Der Holzverkauf für den Stadtwald Butzbach erfolgt in der Holzagentur Taunus. Die Holzagentur berechnet für die erbrachte Leistung des Holzverkaufs den Betrag von 2,50 Euro je Festmeter. Insgesamt sollen unter anderem aus Holzverkauf, forstlichen Nebennutzungen und Jagdverpachtungen Gesamteinnahmen in Höhe von 514 000 Euro erzielt werden.

Neben den laufenden Kosten für unter anderem eigenes Personal, Betriebsfahrzeuge, Grundbesitzabgaben und Beförsterungskosten muss in waldbauliche Maßnahmen wie die Aufforstung investiert werden. Die Förderquoten sind bei der Anlage eines klimastabilen Laub-
mischwaldes am höchsten. 

Für den Einsatz von Unternehmen (Holzernte, Rückeleistung, Wegeunterhaltung, Pflanzung) werden Kosten in Höhe von 366 000 Euro veranschlagt. Die Materialkosten schlagen mit rd. 144 000 Euro zu Buche.

Bei Ausgaben in Höhe von insgesamt 959 900 Euro wird ein Defizit in Höhe von 445 900 Euro erwartet. Auch in den folgenden Jahren werde der Waldhaushalt wegen geringerer Holzgeldeinnahmen und erhöhter Kosten für Neukulturen geprägt sein.

BUTZBACH. Bei Bodenrod ist das Ausmaß der Waldschäden in Folge der langen Trockenperiode deutlich sichtbar.

   

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