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28. September 2017
Johannes Napp
28. September 2017

Harmonisch ergänzt zum Gotteslob

Konzert „Te Deum laudamus“ bei den sechsten Wetterauer Kammermusiktagen in der Markuskirche

BUTZBACH (win). Einer der Höhepunkte der sechsten Wetterauer Kirchenmusiktage war das große Kantoreikonzert „Te Deum laudamus“, das am Sonntag in der Markuskirche stattfand. Die musikalische Veranstaltungsreihe ist in diesem Jahr thematisch verbunden mit Luther und dem Reformationsjubiläum. Im Mittelpunkt steht das Te Deum, ein altkirchlicher Gesang, den Luther in die deutsche Sprache übersetzt hat. Unter der Leitung von Kantorin Nilani Stegen intonierten die Dekanatskantorei und Jugendkantorei Butzbach zusammen mit der Kammerphilharmonie Bad Nauheim Musik von Bach, Charpentier und Jommelli. Die Solopartien waren mit Marina Unruh und Rebekka Meister (Sopran), Simone Garnier (Alt), Florian Löffler (Tenor) und Timon Führ (Bass) bestens besetzt.

Johann Sebastian Bach, Komponist, Kantor sowie Orgel- und Cembalovirtuose des Barock, komponierte die Kantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ für den zweiten Sonntag nach Trinitatis Sie entstammt dem Choralkantatenzyklus und wurde am 18. Juni 1724 uraufgeführt.

Mit dem „Marche de timbales“, einem Trommelmarsch von Pierre Danican Philidor (1681-1731), wurde auf das „Te Deum laudamus“ eingestimmt. Philidor entstammt einer Musikerfamilie und war ein französischer Komponist am Hofe von Ludwig XIV.

Die Eurovisions-Hymne

Der Komponist Marc-Antoine Charpentier wurde um 1643 in Paris geboren. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren hohe Beamte am französischen Hof und beim Pariser Parlament, sodass seine Karriere als Musiker eher ungewöhnlich war. Zu seinen Werken gehören neben den Theatermusiken eine Vielzahl kirchlicher Werke wie Oratorien, Messen, Psalmen, ein Magnificat und die vier Te Dei. Darüber hinaus komponierte er eine Anzahl weltlicher Werke wie Opern, Divertissements, Pastoralen und Sonaten. Das Werk „Te Deum“ gehört zu seinen berühmtesten Werken und ist einem breiten Publikum seit Jahrzehnten als „Eurovisions-Hymne“ bekannt. In diesem Werk wird eine glanzvolle Instrumentalbesetzung aufgeboten. Sie umfasst neben Streichern und einem Basso Continuo aus Orgel, Bässen und Fagotten noch Flöten, Oboen, Trompeten und Pauken.

Niccolò Jommelli (1714-1774) fiel schon früh durch sein musikalisches Talent auf, das sich in der Kirchenmusik und hauptsächlich auf dem Gebiet der Oper widerspiegelte. Es folgte 1753 die Berufung als Kapellmeister an den württembergischen Hof durch Herzog Carl Eugen und eröffnete ihm neue Perspektiven. 16 Jahre blieb er in diesem Amt, und der württembergische Hof erlebte die wohl glanzvollste Periode seiner Kulturgeschichte. Das „Te Deum“ in D-Dur ist in seiner Stuttgarter Zeit entstanden und wurde anlässlich des Geburtstages des Herzogs Carl Eugen im Jahre 1763 zum ersten Mal aufgeführt.

Die Dekanatskantorei widmet sich anspruchsvoller Kirchenmusik verschiedener Epochen. Die Jugendkantorei verfügt ebenfalls schon über ein beachtliches Repertoire, zu dem unter anderem auch die „klassische“ Chormusik gehört. Seit 1999 wird die Kammerphilharmonie Bad Nauheim von Karin Hendel (HR-Sinfonieorchester Frankfurt) und Kantor Uwe Krause geleitet und hat sich mit seinen engagierten und stilsicheren Interpretationen weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht.

Vielleicht lag es am Wahlsonntag, dass nicht mehr Menschen den Weg in die Markuskirche fanden. Die Zuschauer erlebten ein anspruchsvolles Konzert, bei dem sich Chor, Solisten und Orchester unter der souveränen Leitung von Kantorin Stegen harmonisch ergänzten.

Fotos: win

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