Hauptbelastungszeuge des Ex-Gefängnis-Seelsorgers erschien nicht vor Gericht

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Hauptbelastungszeuge des Ex-Gefängnis-Seelsorgers erschien nicht vor Gericht

Richterin lehnte Gutachten zu Aussagen von Zeugen ab

ROCKENBERG (KA). Wie glaubwürdig sind die Zeugen? Diese Frage stand beim zweiten Verhandlungstag gegen einen früheren Seelsorger der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rockenberg im Raum. Ihm wird sexueller Missbrauch von jugendlichen Strafgefangenen vorgeworfen. Er steht deshalb vor Gericht (die BZ berichtete bereits). Am Dienstag beantragte die Rechtsanwältin des Angeklagten ein Glaubwürdigkeitsgutachten bezüglich der Aussagen der Zeugen. Das aber wurde abgelehnt. 

Zur Verhandlung geladen war ein ehemaliger Häftling. Jedoch erschien er, ebenso wie der Hauptbelastungszeuge, der auch Nebenkläger ist, nicht zu seiner Vernehmung. 

Die Zeit, in der der Zeuge eigentlich hätte angehört werden sollen, nutzten Richterin de Neve, Staatsanwältin und Verteidigung, um deren Antrag, ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen, zu erörtern. Die Anwältin sieht das durch „die Beweislage, wie sie hier vorliegt und eine Hauptverhandlung mit Öffentlichkeitswirkung“ als erforderlich an. Sie macht in den protokollierten Aussagen des Nebenklägers „eklatante Widersprüche“ aus. 

Vehement widersprach vor allem die Staatsanwältin. Auch dass die Verteidigerin umfangreiche Gefangenenakten der Häftlinge in das Verfahren einführen will, um deren Glaubwürdigkeit, Verhalten in der Haftzeit und mögliche Gruppendynamik zu ergründen, lehnte die Staatsanwältin ab. Dieser Auffassung schloss sich auch Richterin de Neve an. „Das Gericht verfügt selbst über die zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit erforderliche Sachkenntnis.“ Auch den Antrag, ein durch die Verteidigung beauftragtes Glaubwürdigkeitsgutachten einer Essener Psychologin in den Prozess einzuführen, lehnte die Richterin ab. Den darauf folgenden Antrag der Verteidigung, die Verhandlung auszusetzen, damit diese Psychologin Gelegenheit habe, an den Anhörungen der ehemaligen Häftlinge teilzunehmen, lehnte die Richterin ab. Die Termine seien einen Monat vor Prozessbeginn bekannt gegeben worden. Damit hätte die Psychologin genügend Zeit gehabt, diese einzuplanen. 

Ein zweiter ehemalige Häftling, der an diesem Tag angehört wurde, beteuerte, dass der Angeklagte sich ihm gegenüber in den Gruppenme- ditationen nie unkorrekt verhalten habe. „Wenn ich ehrlich war, hab ich‘s gar nicht ernst genommen“, be- wertete er die Meditationen. „Für mich war es nur Ausgang aus der Zelle.“ Der Zeuge zeichnete ein sehr positives Bild des Seelsorgers. Dabei bestätigte er, dass der Kontakt zu dem Mann Vorteile gehabt ha- be. So habe man in dessen Büro telefonieren können, was er vor allem für Kontakte zu seiner Freundin genutzt habe. Grundsätzlich seien solche Telefonate auch über die Sozialarbeiter möglich gewesen. „Wenn sie nicht gut drauf waren, ließen sie einen nicht“, erläuterte er. „Er war so gutherzig“, beschrieb der Zeuge, warum die Häftlinge lieber den Seelsorger um Telefonate baten. 

Er berichtete auch von den Gerüchten, die unter den Häftlingen kursierten, dass der Angeklagte sich von einigeln jugendlichen habe befriedigen lassen oder dieses umgekehrt bei manchen Häftlingen getan habe. „Die meisten, die so Sachen gesagt haben, waren so komische Leute“, schilderte er. „Leute, die dafür bekannt sind, in der JVA, Mist zu erzählen.“ Vor allem unter Häftlingen marokkanischer und arabischer Abstammung seien die Gerüchte herumgegangen. Man habe sich zwar über den Seelsorger lustig gemacht, aber die Behauptungen durchaus ernst gemeint. Auch habe es Überlegungen gegeben, den Angeklagten zu erpressen. Und zwar mit dem Inhalt von Gesprächen über solche Ereignisse, die mit einem Diktiergerät aufgenommen werden sollten. 

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