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Herpes-Virus EHV-1 Gefahr für Pferde

KREIS GIESSEN. „Distancing“ ist das Gebot der Stunde, um eine Ansteckung mit dem für Pferde gefährlichen EVH-1 Virus zu verhindern.

Leiterin der Gießener Klinik für Pferde informiert über aggressive Viruskrankheit und rät zur Vorsicht

KREIS GIESSEN (ikr). Der Ausbruch einer Variante des Herpesvirus EHV-1 hält Pferdebesitzer in diesem Winter in Atem. Denn in seiner besonders aggressiven Form kann das Virus bei den Vierbeinern durchaus zum Tode führen. Auf einem Pferdehof im Kreisgebiet gab es kürzlich einen Verdachtsfall, der sich aber als harmlos herausstellte.Was ist das Gefährliche am Herpesvirus EHV-1? Darüber informiert Professorin Dr. Kerstin Fey, Fachtierärztin für Innere Medizin und Leiterin der Klinik für Pferde, Innere Medizin, an der Universität Gießen

Ist denn dieses Virus ganz neu? „Nein, dieses Virus ist seit langem bekannt. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass es aktuell genetisch etwas anders ist als zuvor nachgewiesene EVH-1 Stämme, das wird sich durch entsprechende genetische Untersuchungen noch zeigen. Leider muss man bei rund zehn bis 15 Prozent der betroffenen Pferde, die davon Fieber bekommen, auch damit rechnen, dass das Virus so schwere Lähmungen hervorruft, dass sie eingeschläfert werden müssen“, sagt die Tiermedizinerin. Das sei für alle Pferdebesitzer selbstverständlich eine extrem kritische Situation, zumal viele heute ihre Tiere wie ein Familienmitglied sehen. „Es ist zwar keine neue Erkrankung, aber es gibt nach wie vor viel zu viele tragische Verläufe!“

Woran erkennt man, dass ein Pferd erkrankt ist? „Ganz entscheidend ist zunächst das Fiebermessen, am besten täglich beim Putzen. Betroffene Pferde müssen gar nicht krank wirken und können trotzdem eine erhöhte Körpertemperatur haben“, weiß Fey. Das kann auch bei Pferden ganz unterschiedliche Ursachen haben, so dass bei Fieber auf jeden Fall ein Tierarzt gerufen werden sollte. „Ganz wichtig ist die frühe Isolation des Pferdes und das Testen: So schnell wie möglich müssen Proben genommen werden zur virologischen Diagnostik. Leider gibt es gerade in den frühen Stadien keine spezifischen Krankheitsanzeichen.“

Was ist über dieses aggressive Herpes-Virus bekannt?

„Wir wissen, dass ein überwiegender Teil der Pferde das Virus in sich trägt. Es gibt eigentlich in jedem Jahr zwischen November und April Ausbrüche in einzelnen Ställen. Das passiert durchaus auch mal, ohne dass Kontakte zu fremden Pferden nachvollziehbar sind. Es ist so: In bestimmten Situationen überlisten die Viren das Immunsystem des Tieres und lösen die Symptome aus“, weiß die Expertin und verweist auf ein vergleichbares Beispiel beim Menschen, das allseits bekannt ist: „Beim klassischen Lippenherpes trägt der menschliche Körper das Virus die ganze Zeit in sich, ab und zu bricht es dann einfach aus.“ 

In der Vergangenheit, als es noch keine Impfungen gab, sei das Virus dafür bekannt gewesen, reihenweise Fehlgeburten verursacht zu haben, man habe seinerzeit vom „seuchenhaften Stutenabort“ gesprochen. Heute werden die Tiere entsprechend geimpft und die gefürchteten „Abortstürme“ lassen sich dadurch verhindern.

„Die equinen Herpes-Viren stellen für die menschliche Gesundheit überhaupt keine Gefahr dar“, beruhigt Kerstin Fey. Allerdings kann der Mensch aktiv dazu beitragen, diese Erreger von Pferd zu Pferd zu übertragen. Der Infektionsweg verläuft in der Regel über Tröpfchen und Nasensekrete.

Erkrankte Pferde müssen vom Tierarzt intensiv betreut werden, allerdings kann man nur die Symptome behandeln wie beispielsweise das teils enorm hohe Fieber, weiß Fey. Wenn das Tier nicht mehr stehen könne, komme aber oft jede Hilfe zu spät. Feys Einschätzung nach seien die aktuellen Verläufe wohl nicht anders als in den vergangenen Jahren, auch wenn keine Meldepflicht besteht.

Pferdebesitzern in der Region rät sie: „Distancing“ sollte auch bei Pferden das Gebot der Stunde sein! „Nur das eigene Pferd an den Nüstern streicheln, Hände zwischen dem Berühren verschiedener Pferde ordentlich mit Seife waschen und vor allem tägliche Temperaturkontrolle: geht die über 38 Grad hinaus rasch testen lassen! Und auch wenn die bisher zugelassenen Impfstoffe leider nicht in jedem Fall Herpes-bedingte Lähmungen verhindern können, sollte geimpft werden: die Pferde bekommen ganz klar weniger Symptome und scheiden viel weniger und kürzer das Virus aus!“

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