Herzinfarkt in Folge von Covid-19: Betroffener berichtet über Spätfolgen 

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Herzinfarkt in Folge von Covid-19: Betroffener berichtet über Spätfolgen 

BAD NAUHEIM. Besucht die Notaufnahme heute nur als Gast: Erhard Roth hatte nicht nur einen schweren Covid-19-Verlauf, sondern als Folge einen Herzinfarkt. Foto: rohde

Erhard Roth hat für Corona-Leugner kein Verständnis / Lungenfacharzt beschreibt monatelange Folgen

BAD NAUHEIM (HR). Erhard Roth hat die Abenteuerlust im Blut. Zeit seines Lebens bestimmte die Suche nach neuen Herausforderungen die Entscheidungen des gelernten Drehers. Im Dezember 2020 erkrankte der heute 72-Jährige an Covid-19 – mit gravierenden Spätfolgen. Inzwischen ist er wieder einigermaßen fit. Zu denen, die alles für nicht so schlimm halten, hat er eine klare Meinung: „Ich rege mich nicht auf über die Corona-Leugner, aber die sollten’s mal bekommen.“ 

Der gebürtige Anspacher war unter anderem deutscher Angestellter der US-amerikanischen Militärpolizei, fuhr Motocross-Rennen mit Seitenwagen, arbeitete beim Sicherheitsdienst für die US-amerikanischen Fluglinien TWA und AA am Frankfurter Flughafen, wechselte in den Personenschutz und vermittelte Abchasien Kontakte zu europäischen Unternehmen in den Bereichen Indus-
trie und Tourismus und überführt nun Autos. Richtig sesshaft wurde Roth erst mit seiner Heirat 1997. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem einjährigen Erstgeborenen wurde er 2000 in einen schweren Unfall verwickelt: Zwischen Maintal und Bad Vilbel raste ein entgegenkommender Fahrer frontal in das Auto der Familie. Alle drei erlitten schwerste Verletzungen, überlebten mit Glück. Roth selbst konnte erst nach fünf Jahren wieder ohne Gehstock laufen.   

Krankheitsbedingt ausgeknockt zu werden, kennt Roth daher. Covid-19 war für ihn allerdings eine völlig neue Erfahrung. Angesteckt wurde er im Dezember 2020 von seiner in der Pflege tätigen Ehefrau. „Mitte Dezember wurde meine Frau positiv getestet und nach Hause in Quarantäne geschickt. Nach einigen Tagen hatte sie mich und unsere beiden Söhne angesteckt“, erzählt Roth und drückt seinen Unmut über die Quarantäne-Regelung aus. „Warum macht man es nicht wie in China und bringt positiv Getestete in Hotels unter? Dann würden die Familien nicht angesteckt und wir hätten nicht eine so hohe Dunkelziffer, denn glauben Sie mir: Kaum einer meldet infizierte Familienmitglieder, weil keiner Lust auf eine Verlängerung der Quarantäne hat.“

Roth selbst erwischte Covid-19 schwer. Mit Fieber und Schwindel kam er ins Bürgerhospital Friedberg, hatte zwar keine Lungenentzündung, aber eine virusbedingt verschleimte Lunge und niedrige Sauerstoffsättigung, zehn Tage lang keinen Appetit, verlor Gewicht. Schließlich schlug die Behandlung an, er durfte nach Hause. „Nach vier Tagen hatte ich samstagmorgens Schmerzen in Händen und Fingern, im Ober- und Unterkiefer. Ich konnte ganz normal atmen, schlief wieder ein. Danach waren die Schmerzen noch stärker.“

Seine Frau sorgte dafür, dass er sich in der Notaufnahme des Bürgerhospitals untersuchen ließ. Die Ärztin schickte ihn nach mehreren Untersuchungen weiter in die Kerckhoff-Klinik, wo sich ihr Verdacht bestätigte: Infolge einer von Covid-19 ausgelösten Herzmuskelentzündung hatte Roth an diesem Morgen einen Herzinfarkt erlitten. Noch in der Nacht wurde eine Katheteruntersuchung angesetzt und bei der Gelegenheit gleich zwei Stents, einige Tage später ein dritter gesetzt.  

Inzwischen haben sich die anfänglichen Herzrhythmusstörungen gelegt, eine Nachuntersuchung vor einigen Tagen verließ Roth mit dem Gefühl, „jetzt wieder gesund zu sein“. Dass nun, Wochen nach der Covid-19-Erkrankung, plötzlich sein Geschmackssinn versagt, allerdings nur gelegentlich, stört ihn das kaum. Der Infarkt hat auf seine Psyche einen stärkeren Eindruck hinterlassen, „und wenn der linke Arm schmerzt, dann kriege ich schon wieder Alarm“, gibt er zu. Den Ärzten und dem engagierten Pflegepersonal in Bürgerhospital und Kerckhoff-Klinik, die ihn bei seiner „Extrem-Grippe“ und dem folgenden Herzinfarkt erfolgreich behandelt haben, ist Roth außerordentlich dankbar. Er freut sich inzwischen auf die nächsten Fahrten: Mehrere Fahrzeuge warten darauf, überführt zu werden.

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