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Hess Natur vor Personalabbau

Gespräche Geschäftsführung verhandelt mit Betriebsrat / Schlechtes Wintergeschäft: Rote Zahlen

BUTZBACH (thg). Im Herbst-Winter-Geschäft 2016 des Butzbacher Ökomode-Händlers Hess Natur ergaben sich rote Zahlen. Die Folge: Die Geschäftsleitung führt Gespräche mit dem Betriebsrat, wie es personell weitergehen soll. „Die Gespräche haben gerade erst begonnen“, sagte Unternehmenssprecher Sven Bergmann auf Anfrage der BZ. Erst in den nächsten Wochen sei das Ergebnis klar. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte die Zahl von 25 Vollzeitstellen, die wegen „verfehlter Umsatzziele“ gestrichen werden könnten, ins Spiel gebracht. „Wie man auf diese Zahl kommt, ist mir ein Rätsel“, sagte Bergmann. „Leider werden sich Einsparungen bei den Personalkosten nicht ganz vermeiden lassen“, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung.

„Nach einer sehr schwierigen Saison im Herbst/Winter 2016 ist das vergangene Geschäftsjahr hinter den Erwartungen zurück geblieben“, beschreibt Bergmann die Lage. Die letzte Saison Frühjahr/Sommer 2017 sei zwar deutlich besser gelaufen. Allerdings wiege der Umsatz-
anteil im Herbst/Winter mit etwa 60 Prozent deutlich schwerer. Laut Bergmann war die zurückliegende Herbst-Saison für die gesamte Branche schwierig.

Das Geschäftsjahr schließt zum 31. Juli ab. Die bereits intern vorliegenden Zahlen sind noch nicht abschließend geprüft. „Wir werden die Zahlen nach Abschluss der Bilanzprüfung berichten“, kündigte der Sprecher an.

Wenn es zu einem Stellenabbau kommt, wäre der Hauptstandort Butzbach am stärksten betroffen. Die Läden an den fünf Standorten Butzbach, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und München bleiben erhalten. Der „Pop-up Store“ in Berlin diente seit Dezember 2015 ohnehin nur als Test-Geschäft und ist seit Mitte des Jahres wieder geschlossen. 370 Mitarbeiter beschäftigt Hess Natur. 2012 waren es noch 320, das Wachstum erfolgte in unterschiedliche Bereichen, sei es in den neuen Läden, im Digitalen und im Design. Die Mehrzahl der derzeit Beschäftigten arbeitet in Teilzeit für das Unternehmen. Der Vertrieb über Katalog und Onlineshop gehen weiter.

Hess Natur habe bereits Sparmaßnahmen zur Konsolidierung ergriffen, erklärt die Geschäftsleitung schriftlich. Und sie setzt auf den Vertriebsweg Internet. „Immer mehr Verbraucher interessieren sich für nachhaltig produzierte Mode und bestellen häufiger online. Deshalb haben Digitalisierung von Kommunikation und Vertrieb klare Priorität für unsere Unternehmensausrichtung“, sagt Vivek Batra, Vorsitzender Geschäftsführer der Hess Natur-Textilien GmbH.

Keine Änderungen gibt es hinsichtlich der Vereinbarungen mit den Partnern in aller Welt. „Wir werden in keinster Weise Lieferanten austauschen“, unterstrich Bergmann. Diese Zusammenarbeit sei ein besonderes Merkmal von Hess Natur. Mit 40 Prozent der Lieferanten arbeite man zehn Jahre  und länger zusammen.

Für Hess Natur sei Nachhaltigkeit Kernelement der Unternehmensphilosophie. Diese fuße auf den drei Dimensionen Soziales, Ökologie und Ökonomie. „Einnahmen und Ausgaben müssen daher in einem ausgewogenen Verhältnis gehalten werden. Das ist aktuell nicht der Fall.“ Um einen einvernehmlichen und ausgewogenen Interessenausgleich mit allen Betroffenen zu erreichen, habe die Geschäftsführung Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.

Im vergangenen Jahr feierte das von Heinz Hess gegründete Unternehmen das 40-jährige Bestehen. 1999 kaufte Neckermann Hess Natur, später gehörte es durch Arcandor zum Karstadt-Konzern, bis 2012 mit Capvis ein Schweizer Finanzinvestor, eine so genannte Private-Equitiy-Gesellschaft Eigentümer wurde. Im Geschäftsjahr 2014/15 verzeichnete das Unternehmen eine Steigerung des Umsatzes auf 68 Millionen Euro, der 2015/16 auf 61,4 Millionen Euro zurückging.

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