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BUTZBACH. Obwohl Henni Nachtsheim zum Lesen seit einem traumatischen Erlebnis mit Puh, dem Bär, ein ambivalentes Verhältnis hat, las er dem Publikum Geschichten vor.Text + Foto: win

BENEFIZ-ABEND Henni Nachtsheim in der Alten Turnhalle Butzbach / Publikum macht begeistert mit

BUTZBACH (win). Er ist (nicht nur) die eine Hälfte von Badesalz, und er hat ein großes Herz: Henni Nachtsheim. Als Carmen Stengel, Vorsitzende des Vereins Help for Boa Vista, ihn anrief und fragte, ob er sie bei ihrem Herzensprojekt mit einer Benefizveranstaltung unterstützen will, hat er einfach ja gesagt. Unter dem Motto „Null, null, sibbe oder warum wir Hessen so wahnsinnig bescheiden und so unfassbar schlau sind“ bescherte Nachtsheim am Samstag den Zuschauern in der ausverkauften Alten Turnhalle einen hessisch-heiteren Abend. Und das auch noch für den guten Zweck. Denn alle Einnahmen gehen komplett an den Verein, der sich gegen die große Kinder- und Jugendarmut auf der Kapverden-Insel Boa Vista einsetzt.

Bekleidet mit Lederhut und Peitsche betrat er die Bühne und sinnierte über seinen Auftritt mit der passenden Musik und seiner Regieanweisung ans männliche Publikum: „Wow, Indiana Jones“ oder an die weiblichen Gäste „Den wollt ich schon immer mal sehen, toll!“ gab es dann doch keinen Zweifel mehr. Er ist es – „Indiana Henni Jones“. Um seine Gluckergeräusche beim Trinken aus der Flasche zu übertönen, bat er wiederum das Publikum um Unterstützung. So tönte jedes Mal der Männerchor „Ich hab den Flur gestrichen“, während die Frauen unisono antworteten „Ja, aber die falsch Farb, Du Depp!“ Die Zuschauer machten begeistert mit und warteten förmlich darauf, dass er wieder die Flasche ansetzte.

Als eingefleischter Eintracht-Fan mit obligatorischem „Freu Dich net zu früh“-Tattoo ließ er lässig und bescheiden sein „Angeber-Wissen“ über Spieler, Spiele und Tore seit den 1970er Jahren einfließen. Gerne erinnerte er sich an den Schokocreme-Werbespot von Kevin Kurányi oder als Uwe Seeler pfeifend Rasierwasser anpries. Die Fangemeinde in der Alten Turnhalle johlte vor Vergnügen, besonders als Henni in einem Filmchen einen Einblick in seine große Karriere als Fußballspieler gab – freilich mit ein wenig „frisierten“ Fußballszenen, in denen sein Konterfei auftauchte.

Obwohl er zum Lesen seit einem traumatischen Erlebnis mit Puh, dem Bär, ein ambivalentes Verhältnis hat, las er „Berlin – an der Kinokasse“ vor. Das Publikum lachte sich kaputt und applaudierte heftig. Zu den Klängen von „Der weiße Hai“ kehrte er nach der Pause zurück auf die Bühne – im Schlepptau ein gefährliches „Gummitier“. 

Das Kopfkino kam auf Touren als er von seinen Erfahrungen im Volkshochschule-Kurs „Wunderwaffe Handkäs“ erzählte. Da lerne man, Duftkerzen aus gegorenem Handkäs zu gießen, künstliche Gelenke oder gar eine Brustvergrößerung zu basteln. „Ach herrlich“, tönte es ein ums andere Mal aus dem Publikum. Denn auch hier durften sich die Zuschauer wieder akustisch einbringen. Am Ende schwärmte Henni vom Helden seiner Kindheit, dem Kioskbesitzer Kurt Veith, bei dem er immer für fünf Pfennig „rote Teufel mit schwarzen Köpfen“ kaufte. Autobiografisch wurde es mit seiner Geschichte zum Vatertag, in der seine Kinder Lucy, Max und Jascha eine Rolle spielen.

Zwei Stunden großartigste hessische Comedy bescherte den Gästen einen lustigen unbeschwerten Abend, an dem herzhaft gelacht wurde. Aber auch Henni war begeistert und schrieb auf seiner Internetseite: „Was für ein sauschöner Benefiz-Abend in Butzbach! Danke für die ausverkaufte Hütte, die dadurch zusammen gekommenen Einnahmen für das ‚Boa Vista‘-Projekt …“

„Henni ist ein unkomplizierter und humorvoller Mensch. Wir waren sofort auf gleicher Wellenlänge“, erinnert sich Carmen Stengel an das erste Gespräch. Und Nachtsheim ist nicht der einzige Unterstützer des Abends. Weitere Sponsoren sind die Bücherei Bindernagel, Metzgerei Bier, Bäckerei Steinmüller, Bauzentrum Gerhardt, Sparkasse Oberhessen oder das Rewe-Center Butzbach. Die kompletten Einnahmen kommen dem Verein für die geplanten Projekte zugute. 

Carmen und Andreas Stengel haben den gemeinnützigen Verein im September 2017 gegründet, um die Bevölkerung in Boa Vista mit Sach- und Geldspenden zu unterstützen. „Nachdem wir 2013 das erste Mal auf Boa Vista waren, war uns klar, dass man hier helfen muss“, sind sich die beiden einig. Am 26. Mai geht wieder ein Seecontainer auf die Reise nach Boa Vista“, freut sich Carmen.

Die Bevölkerung auf Boa Vista hat in manchen Dörfern weder Strom noch fließendes Wasser. Leider macht auch der Klimawandel vor solchen Inseln nicht Halt und aus diesem Grund wird die Insel immer trockener. Und: „Mit 30 bis 40 Euro pro Kind kann man für eine Schulausstattung sorgen, die bei der „finalista“-Feier für die Schulanfänger übergeben wird“, berichtet Carmen Stengel. „Im Moment werden ganz dringend Kinder-Rollstühle gebraucht“, sagt Stengel. 

Gebraucht werden aber auch Sachspenden wie Kleidung für Babys, Kinder und Jugendliche, Turnschuhe, Fußballschuhe, Schulmaterial, Ranzen, Rucksäcke, Stifte, Spielsachen, Puzzels, Stofftiere, Fahrräder, Roller, Laufräder, Bobbycars, Hygieneartikel, Zahnbürsten, Zahnpasta, Blockseife und vieles mehr. 

Das Spendenkonto lautet IBAN: DE09 5185 0079 0027 1610 73, Sparkasse Oberhessen. Unter www.help-for-boavista.com oder telefonisch unter 06033/796618 oder per E-Mail unter info@help-for-boavista.com gibt es Informationen. 

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