Heute vor 230 Jahren wurde Friedrich Ludwig Weidig geboren

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Heute vor 230 Jahren wurde Friedrich Ludwig Weidig geboren

Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837).

Alle festlichen Veranstaltungen fallen der Corona-Pandemie zum Opfer

BUTZBACH (vk). Am 15. Februar 1791, heute vor 230 Jahren, wurde Friedrich Ludwig Weidig in Oberkleen geboren. Angesichts der herrschenden Corona-Pandemie wird es keine großen Feierlichkeiten geben. Im Gegensatz zu Weidigs 200. Geburtstag, als in Oberkleen und Butzbach, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, eine Fülle von Veranstaltungen stattfand.

Weidigs Leben bewegte sich „zwischen zwei Polen“, wie der Butzbacher Weidig-Forscher Hans-Joachim Müller anlässlich des 200. Geburtstages Weidigs in einer Festveranstaltung im Butzbacher Bürgerhaus formulierte. Auf der einen Seite steht der Literat, Pfarrer, Schulmann und Turner Weidig und auf der anderen Seite der politische Weidig, der als oppositioneller Geist, als Macher und „Drahtzieher“ einer Bewegung, die sich nicht nur mit Worten gegen die bestehende Ordnung wendet, agiert. Die Grenzen sind dabei durchaus fließend, denn die Bereiche, in denen Weidig tätig war, waren zumeist übergreifend. 

Eine hundertprozentige politische Einordnung des „politischen Integrationsriesen des Vormärz“, wie er einmal genannt wurde, ist nur schwer möglich. In allen Bereichen kam seine Haltung, seine Einstellung, sein Gedankengut zum Ausdruck. Zahlreiche Schriften (Flugschriften, Predigten, Artikel und Gedichte) und Aktivitäten liefern dafür immer wieder Beweise. Weidig stand nicht in vorderster Linie bei den oppositionellen Bewegungen mit revolutionärem Charakter, und doch war er wohl nicht nur für den Raum des heutigen Oberhessen der entscheidende Mann, von dem die Impulse, die Ideen ausgingen. 

Politische Richtung umstritten 

Weidig also ein Revolutionär? Wenn Revolutionär hier meint, gegen die bestehende feudale Ordnung zu sein, dann ist die Frage klar zu bejahen. Doch was wollte Weidig? Natürlich die bestehende Ordnung verändern und durch eine Ordnung ersetzen, die sehr viele demokratische Momente beinhaltet. In der Forschung ist die politische Richtung Weidigs umstritten und unklar. Natürlich strebte er eine Auflösung der zersplitterten Nation an. Presse- und Redefreiheit sind für Weidig und seinen Kreis unverzichtbare Bestandteile in einer sich wandelnden Zeit, um seine Ziele und Ideen durchzusetzen. In dieser Zeit entstehen seine bedeutendsten Flugschriften, die die Missstände im Staat aufzeigen. Die bekannteste Flugschrift „Der Hessische Landbote“ hat er mit Georg Büchner verfasst. Auch hier ist die Diskussion um die Anteile, welcher Part von wem geschrieben wurde, unklar. Klar scheint nur, daß Büchner wohl das Hauptmanuskript erstellt hat und Weidig zum Teil gravierende Änderungen in der Formulierung vorgenommen hat. 

Von Oberkleen nach Ober-Gleen

Seine politische Agitation hat er stets fortgesetzt, auch als er in das Vogelsbergdörfchen Ober-Gleen (heute Ortsteil von Kirtorf) strafversetzt (5. April 1834) und ihm die vakante Pfarrstelle übertragen wurde, weil er den Behörden aufgefallen war und bereits einige Vernehmungen über sich ergehen lassen musste.

Es zählt zu den spezifischen Eigenheiten Weidigs, dass man ihm (wenigstens zunächst) nichts nachweisen konnte. Vermutlich hat er sich nur kurzfristig von der „politischen Bühne“ zurückgezogen und sich ganz der Wissenschaft gewidmet, wofür der Erwerb des Doktortitels 1822 sprechen würde. 

Verhaftung nach Verrat 

Von 1812 bis 1823 nimmt Weidig die Konrektorstelle in Butzbach ein. Von 1823 bis 1826 verwaltet er lediglich die Stelle eines Rektors. Erst am 28. Dezember 1826 wird Weidig zum Rektor der Schule in Butzbach befördert – eine Position, die er bis ‚1834 innehat. In diesen acht Jahren wird Weidig gewissermaßen zur Zentralfigur der republikanisch-demokratischen Bewegung hierzulande. Im Jahr 1835 verschärfen sich die Verhaftungswellen gegen die oppositionellen Demokraten. Weidig, der zunächst noch zuversichtlich ist, wird durch Verrat, am 22. April 1835 zwischen vier und fünf Uhr morgens in Ober-Gleen vom Alsfelder Kreisrat verhaftet. Die lange Leidenszeit in den Gefängnissen von Friedberg und vor allem Darmstadt endet am 23. Februar 1837 mit dem Tod Weidigs, der sich in seiner Zelle das Leben nimmt. Auch hier bleiben Fragen offen. 

Eine Einordnung fällt schwer 

Keine einheitliche Linie zeichnet auch die Forschung beim Bild des politischen Weidig. Die Kontroverse zentriert sich um die Begriffe „Volkskaisertum“ (in einer Predigt ließ er für den Kaiser beten) und „revolutionärer Demokrat“ bis hin zu einem „Frühkommunisten“. 

Eine Einordnung Weidigs fällt schwer. Er hatte sicher von allem etwas und dürfte politisch dazwischen anzusiedeln sein. Weidig in eine Schablone zu pressen, wird dem „unruhigen Geist“ nicht gerecht. Der Demokrat war offen für einige Richtungen, ohne allerdings Opportunist zu sein.

OBERKLEEN. Heute vor 230 Jahren wurde Friedrich Ludwig Weidig in diesem Haus in der Hauptstraße 45/Ecke Talstraße geboren. Die 1702/1707 erbaute Hofreite ist auch als „Ferschter´sches Haus“ (Försterhaus) bekannt.

Am historischen Rathaus ließ der Hessische Turnverband diese Erinnerungstafel anbringen.

BUTZBACH. In dem links abgebildeten Haus neben der Markuskirche wohnte Weidig in den Jahren 1824-1826.

Im historischen Verlagshaus der Butzbacher Zeitung in der Langgasse 20 wohnte Weidig und dessen Familie von 1827-1834 im ersten Stock zur Miete.

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