Hexentreiben mit Historie, Klamauk und leiblichen Genüssen erfreute

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Hexentreiben mit Historie, Klamauk und leiblichen Genüssen erfreute

BUTZBACH. Bürgermeister Michael Merle eröffnete als Schirmherr mit mittelalterlicher Kopfbedeckung das 6. Hexentreiben. Text + Foto: hwp

BUTZBACH (hwp). Was für ein Erfolg für die Besucher, die auftretenden Künstler, die sorgsam ausgewählten Beschicker des mittelalterlichen Hexenmarktes und die ehrenamtlichen Organisatoren. Das mittlerweile 6. Butzbacher Hexentreiben am Wochenende erfreute zwischen Hexenturm, Stadtmauer, Weidighaus und Kirchplatz mit einem unterhaltsamen Spektakulum seine Gäste aus nah und fern,  bot ein munteres Markttreiben und war für Butzbach mit seiner malerischen Altstadt zudem eine hervorragende Werbung. 

Am Samstag gab es wieder ein gefeiertes Konzert – zum Zuhören, aber auch zum beschwingten Tanz mit der Formation „Spielleut’ Ranunculus“, die bei ihrer gelungenen Premiere in Butzbach unter Beweis stellte, wie man mittelalterliche Musik präsentieren kann und zudem das Publikum vollauf in ihr Spiel miteinbezogen, sei es beim Tanz oder den lustigen Gauklereinlagen. 

Eröffnet hatten das Spektakel Schirmherr Bürgermeister Michael Merle mit „Butz“ Patrick Kempf, begleitet von Dudelsackklängen und Trommeln, von Bürgern, Hexen samt Henker im mittelalterlichen Ambiente in der Altstadt mit der Überreichung des Hexenordens an das Stadtoberhaupt samt Darstellung eines Schirms für ihn als den Schirmherrn der Veranstaltung. „Butz“ Kempf, auch als Kabarettist auf den Bühnenbrettern zu Hause, gab dem „Schultheis“ und „Meister aller Bürger“ einige gut gemeinte politische Ratschläge mit auf den Weg – „Jubel und Handgeklapper“  beim Publikum und Michael Merle nahm es sichtlich amüsiert an. Beide Redner freuten sich über die sicherlich noch zu steigernde Resonanz für das Hexentreiben, das sich aber zunehmend mehr Butzbacher Bürgern wie auch den willkommenen Gästen der Stadt erschließe und bei allem Vergnügen ganz beiläufig die Geschichte der historisch bedeutsamen Wetteraustadt und der Region erlebbar näher bringen soll. 

Eine private Lagergemeinschaft war 2016 erstmals hier mit aktiv und aus diesem losen Zusammenschluss von Freunden des Mittelalters resultiert eine ansehnliche Zahl von Marktständen samt gastronomisch ausgerichteten Anbietern, die fast bis zur Griedeler Straße ihr Publikum mit interessanten Angeboten zu einem Bummel einluden: feinstes Handwerk der Lederschmiede, Gewänder und Kleider, Druidenstöcke, Holzskulpturen, Felle, Trinkhörner, Schmuck und Silberschmuck aus altem Besteck, Kristalle und Glas aber auch Hexenkräuter und leckerer Käse samt Wurst  – alles in bester Qualität.  

Die netten Vertreterinnen der Hexenkunst, des Hand- und Kartenlesens, des Auswertens geworfener kleiner Knochen (Runen werfen) und der Erzählkunst fanden reichlich Zuspruch. Die Kinder hatten ebenfalls ihren Spaß, um wie die Erwachsenen ihre ruhige Hand beim Langbogenschießen auszuprobieren Besonders talentierte Kids gestalteten bei Goldschmiedemeister Bales aus Groß-Umstadt sogar eigene Zinn-Amulette selbst im Wikingerzelt und groß der Andrang auch bei der Märchen-Lesung mitten auf dem Hexenplatz. Neben den Zelten der Händler, Hexen und Wahrsager gab es natürlich viel mehr zu sehen und zu erleben.  

In der urigen Taverne wurde edler Rebensaft, Met und Bier oder Erfrischungsgetränke ausgeschenkt. Vor dem Hexenplatz reichte man im Zeichen einer
„ … in Bier eingelegten Sau“ verhext gute Fleischspieße, Grillwürste und seitlich davon lockten Kaffee, heißer Kakao und frisch gebackene Apfelringe im Teig und knusprig-leckere Churros. Niemand musste hungrig nach Hause gehen, aber öfters Schlange stehen, so groß war der Andrang – es war alles einfach schön zu erleben und entspannt anzusehen.

Von der Eröffnung bis zum abendlichen Ausklingen des Hexentreibens begleitete das Duo „Donnersack“ als Musikanten und Gaukler am Samstag und Sonntag das Programm – immer unterwegs zwischen den Besuchern in mittelalterlichen Kostümen, mit ihren historischen Instrumenten. Dazu in alter Sprachform herrliche Sprüche und feiner Gesang – der Applaus war ihnen sicher und so brachte man beste Stimmung unter das „Butzbacher Volk“, bei dem man etliche Damen und Herren in ebenfalls mittelalterlicher Kleidung ausmachte.  Dazu passte aber auch als Kontrast zu aller Freude der vor stattlicher Zuhörerschaft  an beiden Nachmittagen gehaltene und keineswegs amüsante Vortrag über eben diese Hexerei und die Hexenverfolgung in Butzbach und anderswo. Ulrike von Vormann (Museum Butzbach) ist eine profunde Kennerin Butzbacher Stadtgeschichte. In die für die betroffenen Menschen  überhaupt nicht lustigen und eher düsteren Zeit der drei Jahrhunderte lang dauernden und fast immer tödlich endenden Verfolgung von zumeist weiblichen Mitmenschen als Hexen führte ihr Vortrag „Hexenverfolgung in der geschichtlichen Entwicklung wie auch in Butzbach“ der auf dem Hexenplatz gehalten  wurde. 

Das Schießen mit Pfeil und Langbogen auf bestens abgesichertem Terrain nahe dem Hexenturm unter fachkundiger Anleitung war eine sportliche Herausforderung für alle Generationen und ein willkommenes Angebot. Ganz großes Feiluftkino im Zusammenspiel mit dem Publikum bot am Sonntag „Kasper der Gaukler“ gleich mehrmals – Unterhaltung vom Feinsten. 

Damit das Hexenfest so bleibt und 2019 noch ein Stück perfekter wird, sucht Elke Geyer vom ehrenamtlichen Organisationsteam weitere Damen und Herren als Mitstreiter in welcher Funktion auch immer, die sich gerne bei ihr melden dürfen (06033-7968641). Dichtung und Wahrheit – das fröhliche Stelldichein auf Butzbachs Hexenplatz hatte viel zu bieten dank des Einsatzes der engagierten Akteure, schicker Kostüme und Requisiten, interessanter Marktstände und kulinarischer Spezialitäten, toller Ideen und edler Sponsoren in ein attraktives, kunterbuntes  Familienvergnügen unter freiem Himmel gepackt.  

 

BUTZBACH. Beim 6. Hexentreiben sorgte das Duo „Donnersack“ für schöne Musik und viel Freude beim Publikum. – Zur Märchenlesung auf dem Hexenplatz kamen viele Zuhörer. – Am Samstag war ein abendliches Tanzvergnügen angesagt. – Tolle Musik aus alten Zeiten und viel Spaß hatten die „Spielleut‘ Ranunculus“ mitgebracht. Text + Fotos: hwp

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