„Hilfe für andere bedeutet auch immer Gefahr für einen selbst“

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„Hilfe für andere bedeutet auch immer Gefahr für einen selbst“

OBER-MÖRLEN. Im ökumenischen Blaulichtgottesdienst in St. Remigius Ober-Mörlen für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste wurden die neuen Notfallseelsorger eingeführt von Pfarrerin Christine Zahradnik und Pfarrer Bernd Richard. Fotos: dom

200 ehrenamtliche und professionelle Helfer beim „Blaulichtgottesdienst“ in St. Remigius Ober-Mörlen 

OBER-MÖRLEN (nns). Einmal im Jahr lädt die Notfallseelsorge Wetterau die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten zum „Blaulichtgottesdienst“ ein. Dieses Mal kamen in der Ober-Mörler Pfarrkirche St. Remigius rund 200 ehrenamtliche und professionelle Helfer zu einem bewegenden ökumenischen Gottesdienst zusammen. Abseits ihrer herausfordernden Einsatzorte tankten sie Kraft und nahmen Gottes Segen entgegen.

Ein Löschfahrzeug der Ober-Mörler Feuerwehr steht vor der beleuchteten St.-Remigius-Kirche, ein weiteres im Schulgässchen neben der Kirche. Menschen in blauen, roten und gelben Uniformjacken strömen in das Gotteshaus. Aus der ganzen Wetterau kommen an diesem außergewöhnlichen Abend Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei, vom Deutschen Roten Kreuz, von der Johanniter-Unfall-Hilfe, der DLRG-Wasserrettung, vom Technischen Hilfswerk, dem Arbeiter-Samariter-Bund, vom Fachdienst Gesundheit und Gefahrenabwehr des Wetteraukreises zusammen, um gemeinsam mit den Wetterauer Notfallseelsorgern Gottesdienst zu feiern.

Zur Veranstaltung, die in Anbetracht der zahllosen Stunden im Einsatz für Menschen in Not tief unter die Haut ging, hatte die Notfallseelsorge Wetterau eingeladen. Dankbarkeit war zu spüren, dass man sich nach zwei Jahren coronabedingter Pause wieder treffen durfte, um in der Gemeinschaft Kraft zu tanken für die alle Anwesenden verbindende Herzenssache: Menschen zu helfen, die in Not geraten sind.

Im Namen der katholischen Pfarrei St. Remigius hatte Pfarrer Ryszard Strojek die Gäste willkommen geheißen und ihnen für ihren uneigennützigen Einsatz am Nächsten gedankt. Die festliche Musik trugen Hansjörg Weckler an der Orgel und Felix May an der Trompete bei. Gern hieß Landrat Jan Weckler die „Blaulicht-Familie“ in seiner Heimat- und Kirchengemeinde willkommen und erinnerte an eine von Corona, Krieg und Naturkatastrophen gezeichnete Zeitenwende, in der Wertschätzung und Verbundenheit eine besondere Rolle spielten. Sein Dank galt allen Helfern.

Hilfe für andere bedeute immer auch Gefahr für einen selbst, sagte Pfarrerin Christine Zahradnik in ihrem Dank an die große „Blaulicht-Gemeinde“. Besonders dankbar sei sie, dass Gregor Rettinghaus nach schwerer Krankheit am Gottesdienst teilnehmen könne – unter großem Beifall begrüßte die Pfarrerin ihren katholischen Kollegen von der Leitung der Notfallseelsorge. Nur zusammen seien sie hundert Prozent. Die Pandemie habe gezeigt, dass alle (system-) relevant seien, unterstrich Pfarrerin Zahradnik in ihrer Ansprache und in Anlehnung an die von Pfarrer Bernd Richard vorgetragene Lesung vom einen Körper mit vielen Gliedern (Korinther 12). „Eins greift ins andere“, sagte die Gottesfrau, „jeder in seinem Amt mit so unendlich vielen Gaben“.

Den feierlichen Rahmen nutzte die Notfallseelsorge auch, um mit dem evangelischen Pfarrer Gerrit Boomgaarden (ehemals Rosbach, jetzt Schlitz) und Andreas Münster vom katholischen Dekanat Wetterau West zwei langjährige Weggefährten zu verabschieden. In ihren Dienst als Notfallseelsorger eingeführt wurden Bernhard Brandner, Kathrin Haase, Wiltrud Ritter, Hans-Peter Schäfer und Nadine Scheibke sowie die Hospitanten Falk Dorgathen, Michael Dorsel, Dr. Annette Fischer, Claudia Geiß, Stefanie Geißler, Marius Hürtgen und Gudrun Müller-Brang.

Die Ober-Mörler Feuerwehr, begleitet von Bürgermeisterin Kristina Paulenz, hatte einen geselligen Abend mit Gelegenheit zum Gedankenaustausch in der Usatalhalle für die Aktiven aus den Wetterauer Feuerwehren, von Polizei und Rettungsdiensten vorbereitet. 

Zurzeit arbeiten rund 20 Menschen in der Notfallseelsorge Wetterau und stehen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Zu den Voraussetzungen gehören die Bereitschaft, den seelsorgerischen Auftrag der Kirchen mitzutragen, Menschen respektvoll und offen zu begegnen und monatlich 48 Stunden zuverlässig Dienst zu übernehmen. 

Die Diözese Mainz und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau tragen die Personal- und Ausbildungskosten. Einmalige und laufende Kosten der Ausrüstung wie Einsatzjacken, Mobiltelefone oder Funkmeldeempfänger werden ausschließlich aus Spenden finanziert. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Oberhessen hat die IBAN: DE46 5185 007900400038 86

Andreas Münster und Pfarrer Gerrit Boomgaarden wurden nach vielen Jahren in der Notfallseelsorge verabschiedet von Pfarrerin Zahradnik und Pfarrer Richard im Beisein von Pfarrer Ryszard Strojek und Prädikant Hans-Peter Schäfer. 

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