„Ich profitiere von Gelerntem bis heute“

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„Ich profitiere von Gelerntem bis heute“

BUTZBACH. Das Foto zeigt die früheren Tröster-Lehrlinge (vorne v.l.): Dieter Hölkeskamp, Hans Becker, Eberhard Wetz, Jürgen Scharscha, Alois Fischer, Manfred Haub, Wolfgang Wissig  und (hinten v.l.): Herbert Bartholmai, Ottmar Becker, Peter Bierau, Manfred Daudert und Joachim Röhrich.  Foto: tröster

ERINNERUNG  – Ehemalige Lehrlinge der Landmaschinenfabrik Tröster und ihr Ausbildungsstart vor 50 Jahren

BUTZBACH (pi). „Es war ein bewegendes Treffen, glücklicherweise hatte ich noch viele alte Fotos, die beim Erinnern helfen, aber nichts ist besser, als sich direkt wiederzusehen“, sagte Ottmar Becker. Anlass war ein Treffen ehemaliger Lehrlinge der Landmaschinenfabrik Tröster in Butzbach. Es fand im Birkenhof in Fauerbach statt. „Ich bin froh, dass fast alle kommen konnten. Nach 50 Jahren prägende Jugenderinnerungen aufzufrischen, gepaart mit interessanten Lebensgeschichten und einem Stück regionaler Industriegeschichte, das lag mir am Herzen. Wir haben vereinbart, es zu wiederholen“, sagte Hans Becker.

„1969 begann unsere Lehre bei der damaligen Landmaschinenfabrik Tröster in Butzbach“, sagte Hans Becker, der Initiator des Treffens. „Ich habe lange im Ausland gearbeitet, und oft, wenn ich auf dem Weg zu meinen Eltern war, fuhr ich in Butzbach ab, um meine alte Firma nochmal zu sehen. Das ist jetzt nicht mehr möglich.“   

Die Gebäude wurden 2011 abgerissen und mussten einem Supermarkt weichen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft, außereuropäische Konkurrenz setzte dem 1878 gegründeten traditionsreichen Unternehmen schwer zu und führte 1991 zum Konkurs, Übernahme, letztendlich zur endgültigen Schließung.  Einzig die denkmalgeschützte Industriefassade des ehemaligen Magazins an der Taunusstraße blieb übrig. 

„Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Wenn ich heute über den Parkplatz der ehemaligen Fabrik laufe, meine ich noch immer, durch die Werkshallen zu laufen, hinüber zur Lehrlingswerkstatt, die direkt hinter dem Magazin lag mit dem davorliegenden Werkzeugbau“, so Manfred Daudert, der bis zum Ende bei Tröster beschäftigt war. 

Dieter Hölkeskamp, der Meister, freut sich, seine ehemaligen Lehrlinge wiederzusehen. „Die Lehrlingswerkstatt war wie eine Minifabrik organisiert. Jeweils zwei Lehrlinge teilten sich eine Werkbank, jeder hatte seine eigene Schublade mit Werkzeug und einen Schraubstock für die Bearbeitung der Werkstücke, die im ersten Lehrjahr hauptsächlich durch Feilen, maßlich und geometrisch genau nach Zeichnung zu bearbeiten waren. Zusätzlich standen Bohrmaschinen, eine Drehmaschine und eine Hobelmaschine für die maschinelle Bearbeitung zur Verfügung. Und neben dem Meisterbüro gab es eine Ecke für Schweißarbeiten“, erläutert er. 

„Hans und ich hatten den weitesten Weg“, sagte Peter Bierau. „Mein Vater war Schmied in Leidenhofen, sein Vater war Schmied in Bersrod, da unsere Väter mit Landmaschinen handelten, schien es natürlich, die praktische Ausbildung als Maschinenschlosser bei Tröster zu machen. Ich kam von Marburg, man traf sich in Gießen im Zug nach Butzbach und lief dann vom Bahnhof hinüber zu Tröster. Wir zwei aus dem Norden hatten eine Sondergenehmigung, da wir durch die Zugverbindung manchmal fünf bis zehn Minuten zu spät waren. Arbeitsbeginn war strikt 7.15 Uhr.“ 

„Im Gegensatz zu heutigen Industrieunternehmen wurde bei Tröster fast alles selbst hergestellt. Wir hatten sogar eine eigene Gießerei für die Gussteile der Sämaschinen, Kartoffelvollerntemaschinen, die bei Tröster hergestellt wurden. Dazu den Modellbau, ein Werkzeugbau für die Stanzerei, Automatendreherei, Bohrerei. Die Ausbildung war gründlich und ich profitiere heute noch von dem, was ich damals gelernt habe“, so Alois Fischer.  

Einmal pro Woche ging es hoch zur Berufsschule. Für einige von uns, zusätzlich dreimal pro Woche, montags- und mittwochsabends und samstagmorgens zur Berufsaufbauschule, hatten wir doch vor nach der Ausbildung die Ingenieurschule zu besuchen, so Herbert Bartholmai. 

 

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