Identität der „Ratzkatrein“ ungeklärt

Beratungstests für Abiturienten
6. Dezember 2017
Betrügerische Anrufe im Raum Butzbach
6. Dezember 2017

Identität der „Ratzkatrein“ ungeklärt

Geschichte Hagen und Sabine Vetter präsentieren Forschungsergebnisse über Gambacher „Hexe“

Gambach (HV). Viele Interessierte waren am Samstag der Einladung der Gambacher Theatergruppe Lampenfieber ins Gambacher Bürgerhaus gefolgt, um den Ausführungen des Heimatpflegers Hagen Vetter und dessen „Co-Pilotin“ Sabine Vetter zu lauschen. Vorsitzender Ralf Schäfer begrüßte das Publikum und führte kurz in die Thematik ein, deren 300. Wiederkehr Anlass zum „Projekt Ratzkatrein“ war, in dessen Fortgang noch vier weitere Szenenspiele Ende April sowie der große Gedenkgang am 26. Mai folgen.

„Wer bist Du, Katharina Ratz?“, so lautete denn auch das Fazit des rund eineinhalbstündigen Vortrages, in dem Vetter zunächst über Anfänge und Hintergründe der Hexenverfolgungen berichtete. Die präsentierten Fakten reichten von der Entwicklung der deutschen Hochsprache (Herkunft des Wortes „Hexe“ und weitere Sprachbeispiele im Althochdeutschen), der Glaubensentfaltung (iro-schottische Mission) im heutigen Deutschland bis hin zur „Peinlichen Halsgerichtsordnung“ Karls V. und dem berüchtigten „Hexenhammer“. Gebannt verfolgten die Anwesenden die Erläuterungen zu den Graden der Folter und ihren Folgen.

Sabine Vetter steuerte als neuestes Mitglied im Archivausschuss der Stadt Münzenberg ihre Recherchen zu den Hexenprozessen in der nähren Umgebung bei. Sie wusste von über 1700 Prozessen mit entsprechenden Todesurteilen, teils waren zwölfjährige Kinder betroffen, zu berichten, was ungläubiges Staunen beim Publikum hervorrief.

Im zweiten Teil des Vortragsabends ging Heimatpfleger Hagen Vetter auf den Stand der „Ermittlungen“ zur Person der Katharina Ratz ein und veröffentlichte Daten zu möglichen in Frage kommenden Personen. Denn um die Zeit des Prozesses, der 1717/18 tatsächlich in Gambach geführt wurde, existierten nach den verfügbaren Archivalien gleich fünf (!) Personen gleichen Namens. Alle präsentierten Personendaten beruhen auf den Forschungen seines Vaters Horst Vetter, der 1983 mit Auffindung entsprechender Gemeinderechnungen aus jener Zeit die Legende „Ratzkatrein“ neben ihren zusätzlich ermittelten Leidensgenossinnen Katharina Schöffer und Anna Regina Scheidt zur realen Person werden ließ. Mit dem Prozess und seinem für die drei Genannten tödlichen Ausgang hat Gambach ein trauriges „Alleinstellungsmerkmal“ in den Hexenforschung, sind doch nach 1718 keine Hinrichtungen mehr in Hessen dokumentiert.

In Würdigung aller Forschungsergebnisse scheint sich eine Aspirantin herauszukristallisieren, die, wenn die Annahmen zutreffen, einstmals an der heutigen Freifläche Ecke Hochstraße/Enggasse gelebt haben könnte. Den letztgültigen Beweis kann die Heimatforschung aber bislang nicht antreten, so dass das Leben und die Herkunft der berüchtigten „Ratzkatrein“ auch nach 300 Jahren noch immer etwas Geheimnisvolles umgibt.

Zur Abrundung der Veranstaltung hatten Sabine und Hagen Vetter Preziosen aus Archiv und Heimatmuseum ausgestellt, die dem Publikum das tägliche Leben der Vorfahren vor Augen führten. Zahlreiche Fragen waren dabei zu beantworten.

Foto: savehavau

Last Updated on 7. August 2020 by Martina Hofmann

Es können keine Kommentare abgegeben werden.