Im Labor wird an Demokratie gearbeitet

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Im Labor wird an Demokratie gearbeitet

Foto: thg

Ausstellung „Mensch, Du hast Recht(e)“ in der Schrenzerschule / „Menschenrechte wurden zerbombt“

BUTZBACH (thg). „Es gibt eine Tendenz nach rechts. Wir wollen die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken“, sagte Sinem Ayana vom Butzbacher Jugendforum gestern am Rande der Ausstellungseröffnung „Mensch, Du hast Recht(e)“ in Raum 201 der Schrenzerschule. Daher hat das Forum auf Anregung von Aaron Löwenbein, Koordinator des Projekts „Demokratie leben“ auch die Schau der Bildungsstätte Anne Frank aus Frankfurt im Rahmen des Förderprogramms in die integrierte Gesamtschule geholt.

Schulleiter Achim Schwarz-Tuchscherer leitete zusammen mit Ayana und Julian Ziese vom Jugendforum die Ausstellungseröffnung ein. In einem spontanen Gespräch beleuchteten sie Aspekte von Demokratie und Menschenrechten. Unter anderem seien die Schüler in die Planung der Schulhofgestaltung einbezogen worden, die bis zu den Osterferien abgeschlossen sein könnte. In Diskussionen habe man das Recht, seine Meinung zu sagen, es herrsche Religionsfreiheit und geben das Recht auf Leben. An den Stationen der Ausstellung könne sich jeder über seine Rechte informieren, denn mancher wisse nicht, was er darf. „Es ist schön, dass man sich das selbst erarbeiten darf.“ Zur Ausstellung gibt es für Schüler eine passende Broschüre.

Unter anderem wies Schwarz-Tuchscherer darauf hin, dass im Zuge der Inklusion 29 Schüler an der Schrenzerschule unterrichtet würden. Als Flüchtlinge kamen 30 Schüler hinzu. „Deren Menschenrechte sind zerbombt worden.“

Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent Jan Weckler führte an, dass viele die Bundesrepublik um ihr Grundgesetz beneideten. Der Alltagsdiskriminierung in Deutschland könnten die Schüler schon aktiv begegnen. Dass die Ausstellung als „Labor“ angelegt ist, hob er hervor. Die Schüler könnten selbst etwas erproben und mit dem experimentieren, was ihnen begegnet. „Das bleibt nachhaltiger im Gedächtnis.“

Bürgermeister Michael Merle sprach an die jungen Leute die Einladung aus, gemeinsam die Stadt mitzugestalten. Er wies darauf hin, dass Butzbach über eine sehr breit gefächerte Beiräte-Landschaft verfüge. „Die Demokratie lebt vom Engagement möglichst vieler Menschen.“

Eine Einführung in die Ausstellung gab Nabeela Khan. Sie gehört zum pädagogischen Team der Bildungsstätte Anne Frank. „Auch in Deutschland werden täglich Menschenrechte verletzt“, unterstrich sie und wies darauf hin, dass rechtsextreme Gruppen die Gleichwertigkeit aller Menschen bestritten. Die Ausstellung verfolgt einen präventiven Ansatz und wendet sich an Jugendliche ab zwölf Jahre. Als Wanderausstellung ist sie seit 2014 bereits an anderen Orten zu sehen gewesen. Rechtsextremismus sei ein großes Problem. Aber auch wenn Diskriminierung und Rassismus „in der Mitte der Gesellschaft“ geschehen, sei dies eine Verletzung der Menschenrechte. „Es geht nicht um Schuld, sondern um einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema“, schilderte sie ein Ziel des Projekts. Zudem werde die Perspektive der Betroffenen eingenommen, denn häufig stünden die Akteure und Täter im Vordergrund der Diskussion. Die Schüler sollen erfahren, was sie gegen Diskriminierung im Alltag tun können, um zu verhindern, dass Rassismus wieder salonfähig wird.

In einer kurzen Führung für die Eröffnungsgäste machte Khan deutlich, wie schnell Diskriminierung entstehen kann. „Ich sehe ein Merkmal, konstruiere eine Gruppe und leite davon etwas ab“, sagte sie zum Beispiel „Rock“: Dieser werde von Frauen getragen, Frauen könnten nicht einparken, also auch die spezielle Dame im Rock nicht, beschrieb sie eine gängige Gedankenkette.

Eine der gestellten Frage ist die nach dem, was „Normalität“ ist. Inwieweit stimmten noch bestimmte Vorstellungen wie etwa Rollenzuweisungen in der modernen, heterogenen Gesellschaft? Das Bestimmen des Normalen gehe oft mit Diskriminierung und Ausgrenzung einher. Auch der Datenschutz ist ein Thema, speziell im Internet, wenn Jugendliche Inhalte auf Internetseiten „liken“ oder Bilder veröffentlichen und sich die Frage stelle, wie sicher die Daten sind und wie „Algorithmen“ diese interpretieren.

Die Ausstellung kann montags bis freitags täglich von 7.45 bis 15.15 Uhr an der Schrenzerschule, Raum 201, angesehen werden. Der Besuch von Schulklassen (Stufen acht bis 13) im zeitlichen Rahmen von 60 bis 90 Minuten ist erwünscht. Bei Besuchen von Schulklassen ist eine vorherige Terminreservierung über das Sekretariat der Schule erforderlich unter Tel. 06033/921120 oder per E-Mail: poststelle@scbz.butzbach.schulverwaltung.hessen.de.

Foto: thg

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