„In Tepl haben Sie Freunde“

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„In Tepl haben Sie Freunde“

BUTZBACH. Mit dem Besuch aus Teplá besuchten die Butzbacher Gastgeber unter anderem Burg Münzenberg. Foto: jung

Begegnung Gäste aus Tschechien in Butzbach und Wiesental / Seit drei Jahren Kontakte intensiviert

BUTZBACH (pd). Jüngst waren Gäste aus Teplá zu Gast in Butzbach. Im Mittelpunkt des Besuches stand die Vertiefung der Beziehungen zum Ortsteil Wiesental, wo sich in der Nachkriegszeit viele Vertriebenen ansiedelten (die BZ berichtete).

Im Blick zurück lässt sich der Erfolg der Begegnung ermessen: 1946 erfolgte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Tepl. Butzbach übernahm 1954 die Patenschaft über die Vertriebenen an Stadt und Stift Tepl.  Über viele Jahrzehnte war der Kontakt unregelmäßig vorhanden und brach letztlich ab. 2013 wurde die völlige „Sendepause“ zwischen Teplá und Butzbach beendet, als vorsichtige Annäherungen vom tschechischen Teplá aus gesucht wurden und in Butzbach auf offene Ohren trafen. In kleinen Schritten fand eine Annährung statt.

Voraussetzung zum Miteinander ist und bleibt die Auseinandersetzung mit der schweren Vergangenheit, die beide Seiten belastet. Trotz Bürgermeisterwechsel 2014 in Teplá, der einen Einschnitt markierte, wurden die Bestrebungen zum Miteinander vom neuen Bürgermeister Karel Hermann mit viel Umsicht, Mut und Beherztheit weitergeführt. Die Bürgermeister in Butzbach und Teplá sowie auch die beteiligten Vereine zogen an einem Strang: Die Aufarbeitung der Geschichte war erfolgreich. 2015 sprach Museumsleiter Dr. Dieter Wolf im Museum vor Gästen aus Butzbach und Tschechien „Zu Teplá und Butzbach – Zur Geschichte der Heimatvertriebenen in alter und neuer Heimat“, und 2016 präsentierte der engagierte  und leidenschaftliche Tepler Amateurhistoriker Ludvic Polacek im Butzbacher Museum die Ausstellung „Geschichte des Tepler Landes in Fotos und Dokumente 1860 bis 1960“.

Was für Jahrzehnte undenkbar schien, wurde möglich. Als eine Butzbacher Delegation Teplá 2016 besuchte, öffneten Tepler die Häuser, die einstmals Vertriebene verlassen mussten. Ein großer Schritt und eine große versöhnliche Geste. Über Jahrzehnte war ein mögliches Zusammentreffen immer mit viel Angst und Schmerz besetzt, ja gefürchtet  – auf beiden Seiten. Aber beide Seiten zeigten den guten Willen und wollten das Miteinander. Treffend formulierte es Bürgermeister Hermann beim Besuch in Wiesental: „Als wir uns damals zum ersten Mal trafen, hat wohl niemand von uns geahnt, was in nur drei Jahren aus einer Begegnung nur einiger Vertreter von zwei Städten noch dazu Hunderte von Kilometern entfernt, hervorgehen kann … Es ist wohl eine große Wahrheit, dass man das Unrecht zwischen Völkern und zwischen den einzelnen Menschen aufarbeiten und vergehen lassen muss. Nicht weil es vergessen werden sollte, eher umgekehrt, damit es verschmerzt werden kann. Wir hatten wohl viel Glück, genügend Zeit gehabt zu haben, wir leben in einem Teil der Welt, wo es schon über 70 Jahre Ruhe und Frieden gibt.“ Und weiter: „Es gibt auch Leute, die haben ihre Vorfahren auf beiden Seiten, zu denen gehört auch meine Familie. Ich möchte nicht zwischen meinen Großmüttern auswählen, ich habe sie beide lieb gehabt.“

In Einklang waren denn auch Bürgermeister Merle, die Wiesentaler Ortsvorsteherin Sabine Rothermund, Ehrenortsvorsteher Horst Mauder und Hildrun Barthlme von Heimatkreis Tepl/Petschau, Hans Möller vom Vereinsring Butzbach, die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Christine Borchers-Fanslau und die Wiesentaler Gäste, als Hermann schloss: „Ich denke, dass unter uns etwas geschehen ist, auf das wir stolz sein können … Als freundschaftliche Geste hatten auch Wiesentaler in ihre privaten Häuser eingeladen und  freuten sich über die herzliche Begegnung. Hermann unterstrich: „Es gibt gewiss bekanntere Orte als die Stadt Teplá, aber in Tepl haben Sie Freunde.“

Im nächsten April soll die Geschichte in Wiesental zum Ortsjubiläum weitergeschrieben werden.

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