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Jäger sollen mehr Rehe schießen

Neues Jagdgesetz soll beim Umbau der schwer geschädigten Wälder helfen

BUTZBACH/BERLIN (dpa). Neue Regeln für Jäger sollen junge Bäume besser vor Rehen schützen. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch eine Novelle des Bundesjagdgesetzes. Ziel sei, eine „gute Balance“ zwischen Wild und Wald hinzubekommen und den Fachleuten vor Ort mehr Verantwortung zu übergeben, sagte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin.

Von Umweltschützern gibt es dafür Zustimmung: „Wir können es uns im Angesicht der Klimakrise nicht leisten, die natürliche Verjüngung der Wälder weiter insbesondere durch zu hohe Rehbestände zu gefährden“, erklärte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt.

Künftig soll es grundsätzlich keine behördliche Abschussplanung mehr geben, sondern Waldbesitzer und Jäger sollen sich an Ort und Stelle auf einen jährlichen „Abschusskorridor“ verständigen, der Mindest- und Höchstzahlen für den Abschuss festlegt. Nur wenn das nicht gelinge, solle die Jagdbehörde eine Abschussquote festlegen, erklärte Klöckner.

Grundlage für die Festlegung des Korridors solle ein Gutachten über die Vegetation vor Ort sein, das um eine Analyse des Lebensraums des Wilds ergänzt werden könne. Eigene Regelungen der Bundesländer blieben davon unberührt. Es sei wichtig für den Klimaschutz, dass die Aufforstung und die natürliche Verjüngung des Waldes auch gelängen, betonte sie. „Bundesweit sind rund 33 Prozent der jungen Bäume verbissen.“

Wildverbiss, wie Fachleute sagen, gilt als großes Hindernis für den „Waldumbau“ – das Umwandeln von Monokulturen in Mischwälder. Dieser Umbau soll Deutschlands schwer geschädigte Wälder widerstandsfähiger gegen Klimawandel und Schädlinge machen. Zudem müssen – Stand August – 285 000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden, weil Dürre, Stürme und Borkenkäfer den Forsten schwer zugesetzt haben.

Mit der Novellierung steht die erste größere Reform des Bundesjagdgesetzes seit 1976 bevor. Vorgesehen ist, dass das Verbot für Nachtzieltechnik und Infrarotaufheller bei der Jagd auf Schwarzwild aufgehoben wird, wie das Agrarministerium erklärte. Derzeit gibt es in den von der Schweinepest betroffenen Gebieten eine verstärkte Jagd auf Wildschweine. Hintergrund ist, dass die Tierseuche leicht von Schwein zu Schwein übertragen werden kann und insbesondere Schweinefleischproduzenten eine Ausbreitung auch auf Hausschweinbestände furchten.

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