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Jubiläumsfest am Knie der Wetter

Foto: dreut

SCHAU – 1250 Jahre Griedel mit historischem Vortrag von Dr. Dieter Wolf und Episoden von Martin Guth

GRIEDEL (dt). Mit einem Merkspruch könnte man die dreieinhalbstündige äußerst unterhaltsame historische Schau am Mittwoch zum 1250-jährigen Bestehen des Stadtteils Griedel zur ersten urkundlichen Erwähnung – und damit das Geburtsdatum – des Dorfes: „7-6-8 wurde Griedel gemacht“. Im vollbesetzten Bürgerhaus standen neben Kabarettist, Autor und Moderator Martin Guth, im  Mittelpunkt Butzbachs Museumsleiter und Archivar Dr. Dieter Wolf, der eine umfassende, spannende, bilderreiche Darstellung zu 1250 Jahren Griedel präsentierte. 

Ortsbeiratsvorsitzender Holger Görlach richtete Dank an die Organisatoren der Veranstaltung, insbesondere aus den Vereinen, die sich im Vorfeld monatelang engagiert hatten. Eingeleitet wurde der Festabend danach mit fröhlich-temperamentvoll vorgetragenen Weihnachtsliedern des Kinderchores „Chorwürmchen“ des Gesangvereins „Eintracht“ unter Leitung von Alena Bork. 

Es folgten Grußworte von Bürgermeister Michael Merle, der mitteilte, dass er einst beim TSV Griedel Handball gespielt habe und später ein weiteres Grußwort von Robert Werner. Eine augenzwinkernde Gesangsdarbietung und Lesung von Martin Guth aus seinem neuen Buch leitete über zur historischen Festansprache von Historiker Wolf. Er präsentierte in einem ersten Teil umfassende Fakten zur Geschichte Griedels, während er später in einem zweiten Teil in einer lockeren, auch humorvollen Bilderschau Stationen der Entwicklung des heutigen Stadtteils aufzeigte; dabei gab es im letzten Abschnitt auf Fotos für einen Teil der älteren Besucher Déjà-vu-Erlebnisse und Erinnerungsmomente aus der eigenen Kinder- und Jugendzeit, etwa bei Schwimmvergnügen im einstigen Wetterbad. Ausdrücklich würdigte Wolf die großartige Arbeit des verstorbenen Griedeler Heimatforschers Werner Wagner, dessen Nachlass ein wertvoller Teil des Stadtarchivs sei. 

Foto: dreut

Die Dorfsiedlung Griedel sei wohl alemannischen oder fränkischen Ursprungs und wurde vermutlich schon im 6. Jahrhundert n. Chr. gegründet. Für 768 – also vor genau 1250 Jahren – sei eine erste gesicherte urkundliche Erwähnung als „Gredila“ im Lorscher Kodex nachweisbar. Zu dieser Namensbezeichnung gebe es verschiedene Deutungen, erläuterte Wolf. Eventuell sei darin ein Personenname enthalten oder das lat. „gradus“ für „Stufe“, da Griedel am Wetterknie mit einem endenden Höhenrücken liege. Kurz warf Wolf einen historischen Blick auf die Griedeler Einwohnerstatistik. Danach hatte der Ort 1834 noch 724 Einwohner; die weiteren Zahlen: 796 Einwohner (1858), 884 (1939), 1342 (1946), 1366 (1961) und 1501 Einwohner im Jahre 1970. Auch zur Flächennutzung liegen Zahlen vor, wobei 1854 zwei Drittel der Gemarkung als Ackerland genutzt worden sei, ein Sechstel sei Waldfläche gewesen, der Rest Wiesen. 1747 wurde das Dorf Griedel im „Wetterauer Geografus“ so beschrieben: „Griedel, Greidel; Dorf in der Graffschaft Solms-Braunfels, im Amt Gambach, an der Wetter, eine halbe Stunde von Butzbach, vierthalbe von Friedberg. Allhier ist eine Herrschaftliche Burg, und die Kobitzische Erben, haben ein adeliches Gut daselbst, es wird auch jährlich ein Wollen- und Viehmarkt allda gehalten.“      

Das „Mühlendorf“      

In seinen weiteren Ausführungen zeigte Wolf – unterstützt mit informativem Bildmaterial – die historische Entwicklung Griedels in der Region auf, dabei – bis zur Reformation – die kirchliche Patronatsverbindung zur Johanniter-Komturei in Nieder-Weisel. Bereits um 800 habe es eine erste Kirche in Griedel gegeben, die heutige evangelische Kirche im spätmittelalterlich befestigten Kirchhof wurde erst 1911 an der Stelle errichtet, wo zuvor eine Basilika gestanden hatte; der erhaltene runde Chorturm stamme vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Einen ersten evangelischen Pfarrer habe es 1540 in Griedel gegeben. 

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