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Kabarettist Ingo Börchers begeistert mit Best-of-Programm

BUTZBACH. Der Kabarettist Ingo Börchers gastierte bei „Live in Butzbach“ in der Alten Turnhalle. Text + Foto: win

BUTZBACH (win). Am Mittwoch wurde die Butzbacher Kleinkunstreihe „Live in Butzbach“ fortgesetzt. Gastgeber Martin Guth hatte den Bielefelder Kabarettisten Ingo Börchers eingeladen, der anlässlich seines Bühnenjubiläums ein Feuerwerk satirischer Geistesblitze zündete und rasante Sprachkapriolen schlug. „Ich sags gerne nochmal – Lieblingsstücke aus 33 Jahren Kabarett“ heißt das Programm zu seinem 33. Bühnenjubiläum. In diesen 33 Jahren hat Börchers wahrlich viel erlebt. Und so ließ er das Publikum einen vergnüglichen Abend lang an Zeitgeist aus drei Dekaden und seinen Erinnerungen teilhaben.

„Ich liebe den Konjunktiv“, beschrieb der Gast aus Bielefeld sein Verhältnis zur Möglichkeitsform. Ohne den Konjunktiv gebe es keine Visionen und Utopien. Mit einem eigens formulierten Gedicht ließ er den Konjunktiv hochleben und seinen Wortspielereien freien Lauf. Allerlei heitere Wortspiele bot er auch zum Thema Gendern. „Ist das männliche Pendant zur Ballerina der Ballermann oder ist Kantine die Frau von Kant?“

Er bestätigte, dass Männer sich an der Hausarbeit beteiligen, etwa beim Staubwischen, ab erst ab einer gewissen Höhe. Kinder seien eine Lebensaufgabe. Dies bedeute das Leben aufzugeben, wenn aus Mann und Frau plötzlich Vater und Mutter werden. Es folgen heitere Wortverdrehereien über Friseure und Zahnärzte und über Elternabend als größte Strafe. Er lästert über sinnfreie Textaufgaben, Mengenlehre und die binomischen Formeln. Das Aussortieren im vierten Grundschuljahr erinnere ihn an Kükenschreddern – ein bitterböser Vergleich.

Grandios waren seine Beispiele zur Mehrwertsteuer. Wieso, weshalb und warum werden einerseits sieben Prozent und andererseits 19 Prozent veranschlagt? Er zündete in rasantem Tempo ein verbales Feuerwerk über die Absurditäten der Besteuerung. Das Publikum kam mit dem heftigen Kopfnicken, dem Lachen und dem Applaus fast nicht mehr hinterher.

Ironisch stellte er fest, dass Frauen in Führungspositionen kostengünstiger seien und fragte sich gleichzeitig, warum es dann nur so wenige gibt. Bei aller Heiterkeit schlug er auch ernste Töne an, die zum Nachdenken anregten. Er plädierte im Zuge der sozialen Gerechtigkeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen und wünschte sich, dass Menschen nicht nur noch als Konsumenten gebraucht werden. Er erinnerte auch an ein Zitat von Norbert Blüm: „Ein Europa ohne Erbarmen ist ein erbärmliches Europa“. 

Nach der Pause ging es heiter, kritisch und in hohem Tempo weiter. Es folgte ein Gedankenexperiment zu Füchsen und Kaninchen. Der wortgewandte Kabarettist sinnierte darüber, dass Essen zur Religion geworden sei. Lauwarmer Kartoffelsalat erlebe eine Renaissance und Apfelessig erfahre als Streuobst-Vinaigrette eine verbale Aufwertung. Wie nennt man „Arme Ritter“ politisch korrekt beim Namen?

Der beredte Künstler ließ sich zu kultureller Identität aus und scheint offenbar gleichermaßen in der französischen Sprache zu Hause zu sein, wie er mit der Imitation eines typischen Franzosen eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Mit Zerstreutheiten im Altersheim und dem Hinweis „Leben hat Nebenwirkungen“, endete ein facettenreicher Abend. Die Zuschauer applaudierten lange und forderten beharrlich eine Zugabe. Mit „Robert, dem Erklärbär“ und „Karl mit der Faust in der Tasche“ verabschiedete sich der Künstler von seinem begeisterten Publikum.

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