Katastrophenübung mit 800 Einsatzkräften tangierte Espa und Cleeberg

„Entführung in ein Buchstabenmeer“
2. Oktober 2017
Butzbacherin soll Landrätin werden
2. Oktober 2017

Katastrophenübung mit 800 Einsatzkräften tangierte Espa und Cleeberg

ESPA/CLEEBERG. Die Bekämpfung von Waldbränden war Aufgabe bei der Katrastrophenübung mit 800 Einsatzkräften, hier in Espa. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Foto: Fritsch

Bekämpfung von Waldbränden war Übungsziel / Abschlussbericht wird vorgelegt

ESPA/CLEEBERG (wiß). 800 Einsatzkräfte, 180 Einsatzfahrzeuge, zwölf Monate Vorbereitungszeit, sieben Stunden Gesamtdauer, fünf Übungsszenarien und noch eine Vielzahl an abzuarbeitenden Aufgaben, zu beantwortende Fragen und zu erhebende Analysen. So lässt sich die bisher größte Katastrophenschutzübung im Landkreis Gießen zum Thema „Waldbrand“ kurz zusammenfassen. Was sich jedoch alles hinter diesem kleinen Zahlenwerk verbirgt, wird sich wohl erst im Abschlussbericht wiederfinden, den der Katastrophenschutzstab Mitte des nächsten Monats vorlegen will.

Kreisbrandinspektor Mario Binsch zeigte sich zum Abschluss der sich über das gesamte Kreisgebiet erstreckenden Übung zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Hessen-Forst. Das Thema „Waldbrand“ der Übung „PAN 2017“ war aktueller denn je: „Aufgrund immer höher steigender Temperaturen und über weite Strecken lange Trockenheit steigt die Gefahr von Waldbränden. Katastrophen wie in südlichen Ländern sind aufgrund des hier anzutreffenden Baumbestandes zwar nicht zu befürchten, trotzdem werden durch Waldbrände auch hierzulande jährlich große Schäden verursacht“, hatte Brandamtmann Hans-Joachim Haaf bereits bei der Einweisung der Gäste und Pressevertreter den Übungszweck erläutert.

In zahlreichen Orten standen zudem Bürger auf den Straßen, um die mit Blaulicht und Martinshorn zur Einsatzstelle eilenden Fahrzeuge zu verfolgen. Ziel war es, die Katastrophenschutzeinheiten auf den Schutz der Bevölkerung bei großflächigen Schadensereignissen vorzubereiten. Trainiert wurde insbesondere die Zusammenarbeit und Koordinierung verschiedener Einsatzkräfte. Aber es ging auch um das richtige taktische Verhalten der Einsatzkräfte vor Ort und die Kommunikation mit dem Katastrophenschutzstab. Die PAN-Chronologie:

8.30 Uhr im Kreishaus stellen Haaf und Schneider die Gesamtlage und Begehung der verschiedenen Einsatzabschnitte für Gäste und Pressevertreter vor

9.04 Uhr in Cleeberg wird Richtung Espa ein Waldbrand – unbekannte Lage in Wald und Wiese mit dem hinweis „Rettungspunkt 408“ gemeldet. Der Waldbrand betrifft eine acht Hektar große Fläche, wobei aufgrund der topographischen Lage Höhenunterschiede von 80 Meter zu bewerkstelligen und eine lange Strecke zur Löschwasserversorgung aufgebaut werden muß.

9.31 Uhr Wettenberg, Krofdorf-Gleiberg, Höhenstraße, Waldbrand – unbekannte Lage in Wald und Wiese – Launsbach/Villa gemeldet

9.58 Uhr in Cleeberg spitzt sich die Situation zu, nachdem ein Verkehrsunfall auf der Forsthausstraße/Ecke Steckgartenweg mit einer eingeklemmten Person gemeldet wird. Hier müssen die Verletzten 22 Minuten warten, bis endlich die alarmierte Feuerwehr aus Großen-Linden mit hydraulischem Rettungsgerät vor Ort ist.

Die Einsatzkräfte aus Linden wurden von einem Waldbrand im Lindener Wald abgerufen, wo zwölf Hektar Wald bedroht waren und eine gut ein Kilometer lange Schlauchleitung vom Forst zum Brandherd südlich des Oberhof gelegt werden musste. Die Brandstelle sorgte auch für den Einsatz eines Hubschraubers, der Wasser in der Grube Fernie aufnehmen sollte – was jedoch scheiterte.

13.00 Uhr Landrätin Anita Schneider informiert im Beisein von Kreisbrandinspektor Mario Binsch, dem Wettenberger Forstamtsleiter Harald Voll und Forstdirektor Harald Dersch (Wetzlar) sowie Innen-Staatssekretär Werner Koch über die Gesamtlage. „Diese Katastrophenschutzübung war die größte, die wir im Landkreis Gießen jemals durchgeführt haben“, so Schneider. Das Rote Kreuz war mit mehreren Schnelleinsatzgruppen an der Übung beteiligt und bot außerdem ein Bürgertelefon. Die Polizei setzte zwei Hubschrauber ein. Seitens des Landkreises war der Katastrophenschutzstab zusammengetreten, darunter Kräfte des Katastrophenschutzes, der Verwaltung, der Polizei, der Forstverwaltung und der Bundeswehr. Während der Übung wurde die Bevölkerung ständig über die Smartphone-App KATWARN, Internet und Facebook gewarnt und informiert. Schneider dankte z allen eingesetzten Kräften für ihr großes Engagement und lobte vor allem die Leistung der ehrenamtlichen Kräfte.

Zur Kritik von Pressevertretern über scheinbare Missverhältnisse beim Verkehrsunfall in Cleeberg vermochten die Verantwortlichen keine Angaben zu machen.

Stefan Becker zieht seitens der Übungsleitung ein erstes Fazit: „Insgesamt kann man sagen, das Übungsziel einer solchen Großübung ist erreicht worden“. Vieles was angedacht war, habe funktioniert. „Wir haben einen sehr geordneten Ablauf gehabt und Dank an viele Menschen, die man so nicht gesehen hat. Das war schon faszinierend die Zusammenarbeit der Gefahrenabwehr“. Staatssekretär Koch lobte alle Beteiligten bei der Bewältigung dieser Mammutaufgabe und zollte allen „höchsten Respekt und ein großes Dankeschön. Es geht darum, Fehler und Mängel aufzudecken. 30 bis 40 Prozent der Teilnehmer sind neu bei solchen Übungen dabei, weshalb diese so wichtig sind“.

15.15 Uhr Mit einer Besprechung im Stab erklärt Binsch PAN 2017 für beendet. Für Binsch hat die Kommunikation und der Fluß der Informationen von den fünf Abschnitten zum Stab funktioniert. Bei 800 Einsatzkräften von Feuerwehr, THW, DRK, Johannitern und Hessen Forst eine gute Leistung. Erstmals sei jedoch an einem neuen Rechnersystem gearbeitet worden, weshalb nicht alle Prozessabläufe wie gewünscht verlaufen sind. Dies müsse aufgearbeitet werden, weil es an der ein oder anderen Stelle zu lange gedauert habe bis die Auftrag bearbeitet wurde. Trotz dieses Nachteils durch neue EDV bringe diese einen Riesenvorteil auch Dinge so schnell zu sehen, wie noch nie. „Allerdings muss das Filtern noch forciert werden. Allen hat es Spaß gemacht und die Zusammenarbeit zwischen Katastrophenschutz und Forst hat gut geklappt“, wobei Binsch einräumte, dass es Schwierigkeiten bei Plänen in Randbereichen, sprich zu den angrenzenden Landkreisen Vogelsberg und Wetterau gab. Wie Binsch abschließend mitteilte, soll bis November mit allen Abschnitten eine Nachbesprechung erfolgen und dann ein Abschlussbericht vorgelegt werden.

 

Comments are closed.