„Kein Aus für alte Solaranlagen“

Das Ja-Wort auf Burg Münzenberg
26. Mai 2020
Auch beim Schach im Freien auf Abstand achten
27. Mai 2020

„Kein Aus für alte Solaranlagen“

Letztes Update am

Sonnenstrom-Verein Hessen kritisiert Haltung des Bundes zu 20 Jahre alten Anlagen und wirbt für Petition

Butzbach (pi). Der in Butzbach ansässige SVH (Sonnenstrom-Verein Hessen)  kümmert sich um Photovoltaik (PV)-Anlagen, die Ende dieses Jahres aus der Förderung des EEG (Erneuerbares Energiegesetz) fallen. Betroffen davon sind laut einer Pressemitteilung des SVH in Deutschland rund 18 000 Anlagen, die im EEG-Entstehungsjahr 2000 oder in den Jahren zuvor gebaut worden sind.  

Dazu sagt SVH-Vorsitzender Dr. Klaus Wagner: „Es ist ein Skandal, dass sich das zuständige Bundeswirtschaftsministerium und Minister Altmaier trotz vielfältiger Aufforderung überhaupt nicht um diese Angelegenheit kümmern.“ Für den SVH sei klar, dass die Bundesregierung mit schönen Worten über den Klimawandel und erneuerbare Energien spricht, aber praktisch alles unternimmt, um selbst PV auszubremsen. So sei unter anderem Ende des letzten Jahres zur „Beruhigung der Bevölkerung angestrebt“worden, eine Ausbaubegrenzung, die im August dieses Jahres erreicht sein wird, abzuschaffen: den 52-gigawatt-Deckel“. Nachdem nichts geschah und der Druck unter anderem vom SVH immer größer geworden sei, erklärte Altmaier vor einer Woche wieder, dass man nun „beschlossen“ habe, diesen Deckel zu streichen. Auf eine Verkündigung im Bundesgesetzblatt – nur das wäre eine rechtsgültige Umsetzung – wartet man beim SVH immer noch. 

Ebenso „dreist“ geht die Bundesregierung nach der Meinung des SVH mit den Besitzern von sogenannten Alt-PV-Anlagen um. Sie könnten zwar mit erheblichem Geldaufwand ihre Anlage so umrüsten, dass ein Teil des Sonnenstroms selbst genutzt werden kann. Doch selbst dafür wolle die Bundesregierung die „ermäßigte“ EEG-Umlage kassieren. „Mit noch größerem Aufwand kann man einen Stromspeicher nutzen, doch selbst für diesen eingespeisten Strom hält Altmaier die Hand auf“, so der SVH. Was mit dem dann noch übrigen Sonnenstrom passieren soll, sei unklar und den Regierungsparteien offensichtlich egal. Der stellvertretende SVH-Vorsitzende Diethardt Stamm berichtet: „Das hat Energieversorger wie die Ovag dazu gebracht, den PV-Betreibern mitzuteilen, dass sie Ende 2020 die Verträge zur Stromeinspeisung kündigt.“ Ausdrücklich nehme die Ovag nicht einmal Reststrom an, selbst nicht zum Börsenpreis von derzeit circa drei Cent pro Kilowattstunde.

Der SVH empfiehlt nun den zahlreichen Betroffenen in der Wetterau, zunächst rechtzeitig vor Jahresende einen regionalen PV-Handwerkerbetrieb zu beauftragen, um die Anlage, die bisher den erzeugten Strom komplett in das Netz einspeist, auf Eigenverbrauch umzurüsten. Um noch mehr Strom selbst nutzen zu können, sollte die Anschaffung eines Speichers geprüft werden, auch wenn sich das nicht immer rechne. Es bliebe dann immer noch ein erheblicher Reststromanteil übrig.  Dies sei sogar der Fall, wenn man in einem dritten Schritt ein Elektroauto mit Eigenstrom bediene. 

Da sich die Ovag weigere, diesen grünen Strom für ein geringes Entgelt abzunehmen und sich die Politik darum nicht kümmere, verweist der SVH auf den Verstoß gegen die Umsetzung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie der EU. Danach sollen nicht mehr die alten zentralen Versorgungskonzepte, sondern die Freiheit des Bürgers, selbst Strom zu erzeugen, einzuspeisen oder an einen Nachbarn weiterzugeben, Recht und Gesetz in der ganzen EU werden. 

Der SVH hat sich deshalb mit dem Solarenergieförderverein in Aachen (SFV), dem Energiebildungsverein in Rockenberg und der Mittelhessische Energiegenossenschaft zusammengeschlossen, um eine Petition unter dem Motto „Kein Aus für Solaranlagen nach 20 Jahren“ und „Wir brauchen ein Recht auf solare Eigenversorgung“ an Minister Altmaier zu richten. Bis jetzt haben laut Verein aus ganz Deutschland mehr als 120 000 Menschen unterschrieben. 

„Der SVH wird  auf dieser Grundlage weiter kämpfen, um ein nichtdiskriminierendes Recht auf Stromeigenversorgung durchzusetzen“, so Wagner. Gleichzeitig können sich Besitzer einer PV-Anlage, die in sieben Monaten aus dem EEG fällt, unter edbvd@t-online.de beim SVH melden. Dann versuche man gemeinsam, der Ovag und der Bundesregierung zu erklären, dass man EU-Recht nicht auf Kosten des Klimas ignorieren könne.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.