Kirche überrascht Langgönser Politik mit Verkauf des Freizeitheims

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Kirche überrascht Langgönser Politik mit Verkauf des Freizeitheims

Mehrheit im Kirchenkreis an Lahn und Dill gegen Anlage in Dornholzhausen / Parteienvertreter äußern sich

DORNHOLZHAUSEN (ikr). Diese Nachricht kam für die Langgönser Politik unerwartet und überraschend: Das Paul-Schneider-Freizeitheim bei Dornholzhausen wird von seinem Träger, dem evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill, verkauft. Das haben 79 von 110 stimmberechtigten Delegierten bei drei Enthaltungen im Rahmen der digitalen Synode des Kirchenkreises am Wochenende entschieden.

Die Alternative, die der Kreissynodalvorstand (KSV) der Synode vorgelegt hatte, wäre gewesen, das traditionsreiche Haus künftig als Bildungs- und Begegnungszentrum zu nutzen. Die Gemeinde Langgöns wollte einen Waldkindergarten in einem Teil des Gebäudes einrichten. Dazu liefen bereits seit längerem Vorgespräche mit dem kirchlichen Träger. Das Gemeindeparlament hatte im Februar einstimmig beschlossen, dass der Gemeindevorstand in entsprechende Vertragsverhandlungen mit dem Kirchenkreis treten soll. Dies sollte auch ein Signal an den kirchlichen Träger sein, das Haus weiter zu betreiben. Denn weil das Freizeitheim seit langem ein Zuschussbetrieb ist, steht seine Zukunft seit einiger Zeit auf dem Prüfstand. Seit dem Sommer 2019 ist die Einrichtung geschlossen. Seit dem 9. Dezember 2020 dient das Haus vorübergehend als Notunterkunft für 90 Kinder aus dem Kindergarten „Kinderhaus“ Lang-Göns, der wegen eines schweren Wasserschadens saniert werden muss. 

„Ich bin insgesamt sehr enttäuscht, dass die Kirche das Haus verkaufen will, wir hatten intensive Verhandlungen, haben uns viel Mühe gegeben und ein gutes Konzept vorgelegt. Die Gemeindevertretung hat mit großer Mehrheit für Verhandlungen zur Einrichtung eines Waldkindergartens gestimmt“, sagte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch. Er könne die wirtschaftlichen Ängste der Kirche verstehen, findet den nun beschlossenen Schritt allerdings „ein bisschen nutzlos“.

Rund 1,65 Millionen Euro hätte die Finanzierung der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen den Kirchenkreis nach dessen eigenen Angaben mindestens gekostet – abgesehen von einem jährlichen Zuschussbedarf von etwa 70 000 Euro. „Es ist wirklich schade, Superintendent Dr. Hartmut Sitzler und sein Team haben sich in den Gesprächen wirklich gut ins Zeug gelegt, eine Bildungs- und Begegnungsstätte einzurichten. Ich hätte das echt spannend gefunden“, sagte Reusch. Wirtschaftliche Vernunft hätte sich vor „emotionalen Zielen“ durchgesetzt. Nun müsse die Gemeinde Langgöns überlegen, ob es Möglichkeiten gibt, die Idee eines Waldkindergartens anderweitig umzusetzen. „Es gilt, daran zu denken, das Haus auch ohne den Eigentümer Kirche nutzen zu können“, deutet Reusch an. Er verweist auch darauf, dass die Gemeinde Langgöns bei der Veräußerung des Objekts mit einem Mitspracherecht zu beteiligen sei. Schließlich liege das Anwesen im Außenbereich,  je nach geplanter Nutzung müsse das Baurecht angepasst werden.

Jürgen Knorz (CDU) erinnert daran, dass die Einrichtung in der Vergangenheit „wichtig für das gemeindliche Leben in der Region“ und Treffpunkt für die Kirchengemeinden war. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass das Gebäude und die Nutzung erhalten bleiben und fortgeführt werden. Das ist unser klares Ziel.“ Bevor das Objekt an einen Investor gehe, wolle man selbst aktiv werden. „Ich bin optimistisch, eine breite Mehrheit in den Gemeindegremien zu finden und in den nächsten Monaten ein neues Konzept, vielleicht sogar interkommunal, zu entwickeln!“

Ahmet Karadag (SPD) zeigte sich von der Nachricht über den Verkauf des Freizeitheims überrascht: „Davon habe ich nichts gewusst und damit hätte ich nicht gerechnet!“ Auch er hatte die bisherigen Gespräche mit den Kirchenvertretern als konstruktiv und eindeutig zielführend empfunden. „Die Motivation des Verkaufs ist mir nicht hundertprozentig klar, vermutlich sind es wirtschaftliche Motive“, sagte der Sozialdemokrat. Nun komme es darauf an, wer das Haus kaufe und was der Käufer damit vorhabe. In der neuen Legislaturperiode müsse die Gemeindevertretung dann erneut schauen, was sie mit dem Thema Waldkindergarten mache. Karadag sprach auch die Option an, dass die Gemeinde als Käuferin tätig werde. „Das glaube ich aber eher nicht“, verriet er seine persönliche Meinung.

Dr. Michael Buss (Grüne) sieht dies anders: „Wenn ein Kauf möglich ist, sollten wir das auf jeden Fall prüfen“, betont er. Die momentan im Freizeitheim provisorisch untergebrachte Kita sollte in Form einer Waldkita dauerhaft weiterbetrieben werden.

Astrid Müller (FWG) zeigte sich ebenfalls überrascht: „Ich finde den Verkauf des Hauses sehr schade, ich hätte mir sehr gut eine Waldkita dort vorstellen können, es ist eine schöne Lage und ein festes Haus, es wäre eine tolle Gelegenheit gewesen. So etwas fehlt in Langgöns.“ Sie hofft nun, dass die Gemeinde Langgöns mit der Kirche über einen Verkauf verhandelt.

Zwei weitere Häuser des Kirchenkreises in Wetzlar und Hüttenberg werden ebenfalls veräußert.

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