Klänge wie am Hof von Versailles

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Klänge wie am Hof von Versailles

Foto: win

ABENDMUSIK – „La Tirata“– Ensemble pro alte Musik in Komturkirche mit Traversflöte, Gambe und Laute

NIEDER-WEISEL (win). In der letzten Abendmusik in diesem Jahr gab es ein Wiedersehen mit „La Tirata“ – Ensemble pro alte Musik. Mit ihrem Programm „La Rossignol – ein Abend am Hofe Ludwigs XIV.“ entführte das Barockensemble das Publikum auf historischen Instrumenten in die Klangwelt des Hofs von Versailles. Geboten wurden Werke von Jacques-Martin Hotteterre und seinen Zeitgenossen Jacques Morel, Marin Marais, François Couperin, Francesco Corbetta und Joseph Bodin de Boismortier.

Traversflöte, Viola da Gamba und Laute: Der Originalklang dieser historischen Instrumente entfaltete sich im außergewöhnlichen Ambiente der romanischen Komturkirche hervorragend. Die französische Musik ist eine besondere Leidenschaft des Ensembles, der sie sich besonders verbunden fühlt und in der es seine Wurzeln sieht. „La Tirata“ zeichnet sich durch einen außergewöhnlich harmonisch verschmelzenden Klang aus, dem alle Virtuosität untergeordnet ist. Ein besonderes Anliegen der Musiker ist es, durch Spontaneität und Spielfreude mitzureißen, gleichzeitig aber auch als Vermittler gewissenhaft recherchierter historischer Aufführungspraxis zu fungieren. Eine Gratwanderung, die „La Tirata“ als Herausforderung sieht und annimmt. „La Tirata“ tritt regelmäßig an renommierten Spielorten wie den internationalen Händel-Festspielen in Göttingen, dem Fränkischen Sommer oder dem Mannheimer Schloss auf. 

Den Auftakt der letzten Abendmusik in dieser Saison machten die Künstler mit der „Troisième Suite für Traversflöte und Bc von Jacques-Martin Hotteterre (1674-1763). Hotteterre habe seinerzeit die Traversflöte zu einem populären Instrument gemacht, erläuterte Renate Mundi. Es folgte die „Chaconne en Trio“ von Jacques Morel (um 1690-1740). Morel war ein französischer Komponist und Gambist, über den man nur sehr wenig weiß, erläuterte Mundi. Er sei ein Schüler Marin Marais‘ gewesen und widmete seinem Lehrer eine Sammlung von Gambensuiten; so auch die vom Ensemble zu Gehör gebrachte „Chaconne en Trio“.

Die Gambe sei übrigens kein Vorläufer des Cellos, betonte die aus Friedberg stammende Mundi und stellte dem Publikum ihr Instrument näher vor. Gamben haben fünf oder sechs, später auch sieben Saiten in Quart-Terz-Stimmung und ein mit Bünden versehenes Griffbrett. Den Bogen hält der Spieler im Untergriff. Die Gamben haben sich bis ins 18. Jahrhundert in der Musik zahlreicher europäischer Länder behauptet, vornehmlich in Italien und Frankreich, England und Deutschland.

Traurig mutete das Stück „Grand Ballet“, Pièces de Viole, III Livre von Marin Marais (1656–1728) an. Tatsächlich habe er die Komposition in Trauer um seinen verstorbenen Lehrer Jean-Baptiste Lully verfasst, wusste Mundi zu berichten.

Es folgten „Huitième concert dans le gout théâtral“ und „Le Rossignol, Werke von François Couperin (1668-1733). Couperin, auch „Le Grand“ genannt, war ein französischer Organist und Komponist. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der französischen Organisten-, Cembalisten- und Komponistenfamilie Couperin und war als Hofkomponist Ludwigs XIV. eine der wichtigen musikalischen Persönlichkeiten in Frankreich.

Yoshio Takayanagi brachte auf seiner Barockgitarre die „Caprice De Chaconne“ von Francesco Corbetta zu Gehör und erhielt für seinen virtuosen Vortrag von den Zuschauern begeisterten Applaus. Während der Stücke wechselte er mehrmals zwischen Barockgitarre und Laute. Auch ihm war es eine Freude, dem Publikum seine Instrumente, die er aufs Feinste beherrscht, näher vorzustellen. 

Mit den „Sonates en Trio, Sonata V, a-Moll pour un Dessus & deux Basses“ von Joseph Bodin de Boismortier verabschiedete sich das Ensemble. Das Publikum bedachte die Musiker mit großem Beifall und verlangte beharrlich nach einer Zugabe. Dieser Aufforderung kam das Ensemble gerne nach und spielte noch einmal das heitere Allegro aus dem letzten Stück.

Es war ein wunderbarer Saisonabschluss und weckt bereits die Vorfreude auf das kommende musikalische Jahr in der Komturkirche.  Die beiden künstlerischen Leiterinnen Karin Hendel und Bettina Hommen-Elsner werden – in Zusammenarbeit mit der Johannitergemeinde in Nieder-Weisel sowie Pfarrer Fröhlich – sicherlich wieder mit einem in jeder Hinsicht vielfältigen und künstlerisch erstklassigen Programm für die Saison 2019 aufwarten. 

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