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Kleingärten weiterhin beliebt

BUTZBACH. 162 Pachten bietet der Kleingartenbauverein Butzbach an, wie hier in der Anlage am Gambacher Weg. Alle sind derzeit vergeben, und die Warteliste ist lang.

Butzbacher Verein hat lange Warteliste / Wegen Corona Anbau bedeutender und weniger Kündigungen

BUTZBACH (thg). Im vergangenen Jahr hätte der Kleingartenbauverein Butzbach sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Doch wurde das Jubiläum verschoben. Nun ist eine Festschrift in Vorbereitung, wie Vorsitzender Kai Siegl berichtete. Er hofft auf eine kleine Veranstaltung in diesem Jahr und eine größere Würdigung im nächsten. 

Dass die Idee vom Kleingarten auch nach 100 Jahren nichts an ihrer Attraktivität verloren hat, zeigt sich ganz deutlich an der Warteliste von Interessenten. Sie umfasst schon seit langem stets 30 bis 35 Namen. Ein bis zwei Jahre Wartezeit sind laut Siegl zu erwarten, in Frankfurt seien es aber beispielsweise vier. 

73 000 Quadratmeter Grabland hat der Verein von der Stadt Butzbach unter dem Spaten. 162 Pachten verteilen sich auf drei Kleingartenanlagen. Eine Parzelle ist stets circa 400 Quadratmeter groß, im Einzelfall etwa am Gambacher Weg etwas größer. 17 bis 19 Euro Pacht fallen pro Jahr für den Kleingärtner an. Hinzu kommen die Kosten für Wasser – ein Kubikmeter kostet 2,04 Euro – und, so die Empfehlung, eine Versicherung für 26 Euro. Die Mitgliedschaft im Verein ist Pflicht, es fallen auch ein Anteil für Kreis- und Landesverband an. 

Derzeit wird die Warteliste wohl kaum kürzer. „Wegen Corona sind einige, die vorhatten, ihren Garten zu kündigen, geblieben“, so Siegl. Der Garten blieb eine willkommene Abwechslung im wegen der Pandemie eingeschränkten Leben. Außerdem kommt es vor, dass die Parzelle innerhalb der Familie weitergegeben wird. „Dann erfolgt auch keine Wertermittlung“, so der Vereinsvorsitzende. 

Denn wird ein Garten aufgegeben und an einen anderen Interessenten weitergegeben, wird der Wert der Hütte auf der Fläche vom Vorsitzenden und der Obfrau ermittelt. Die Fixsumme wird festgestellt und der neue Pächter muss den Abschlag zahlen, der dann an den Vorpächter geht. Zahlungen für die Weitergabe beispielsweise für Geräte wie Rasenmäher werden zwischen vorherigem und neuem Pächter verhandelt. 

Die Kündigungsfrist für einen Garten läuft bis zum dritten Werktag im August. Die Wertermittlung folgt dann im September. „Im Oktober und November sehen wir dann die Warteliste an“, so Siegl. Wichtig sei es bei der Auswahl, dass das nachbarschaftliche Zusammenleben dann auch funktioniert. Es soll keinen „Klüngel“ und keine „Parallelgesellschaften“ geben, so sehe es auch der Gesetzgeber vor. 

Interessenten haben teils unterschiedliche Vorstellungen vom Pachtverhältnis. So gebe es junge Familien, die den Kleingarten suchten, um während der Bauzeit ihres Eigenheims den Kindern Freifläche zu bieten. „Sie sind dann nach einem Jahr wieder weg, ohne etwas am Garten gemacht zu haben.“ Oder es werde nur das „grüne Fleckchen“ zur Erholung gesucht, manchmal verbunden mit den Frage: „Und wer mäht den Rasen?“ oder wer die Beete bepflanzt. 

„Der Kleingarten ist kein Erholungsgebiet. Und wenn jemand den Garten nur zum Grillen pachten möchte – das geht nicht“, macht Siegl deutlich. Im Gespräch stellen sich die Motive der Interessenten heraus. Und so gebe es auch Bewerber, die „völlig euphorisch“ seien. 

Die Vorgabe für die Nutzung ist einfach, die so genannte Dreierparität: ein Drittel Gras, ein Drittel Grabland und ein Drittel Gebäude. „Das sollte eingehalten werden“, so der Vereinsvorsitzende. Aber in diesem Rahmen könnten sich die Pächter frei entfalten. Beispielsweise gebe es einen Trend zu Hochbeeten. Und auch Gewächshäuser seien möglich, ferner Obstbäume wie Apfel oder Birne. Bestimmte Neupflanzungen wie Süßkirsche oder Thuja sind allgemein nicht mehr erlaubt.

Was der einzelne sät und pflanzt, ist freigestellt. „Die Leute bauen an, was sie mögen. Das ist höchst unterschiedlich.“ Einige probierten die unterschiedlichsten Samen aus, andere bauen Kartoffeln und ihr Lieblingsgemüse an. Siegl empfiehlt, stets darauf zu achten, welchen Zeitaufwand die Pflege des Angebauten benötigt, zum Beispiel für das Gießen. 

Nach Beobachtung der Kleingärtner ist das Gemüse im Handel während der Pandemie teurer geworden. Deswegen ist er gespannt, was die Vereinsmitglieder in diesem Jahr anbauen, was sich sonst vielleicht nicht lohnte, weil es im Geschäft billiger war. 

Ferner beeinflusst die Pandemie das Vereinsleben. Sechs Stunden Gemeinschaftsarbeit gehören zur Pflicht des Mitglieds. Doch auch sie kann nur noch mit Abstand erledigt werden. Nach der Arbeit zusammenzustehen, geht nicht mehr. Wegen der Corona-Regeln besuchten sich die Gärtner auch nicht, ein geselliges Leben in den Anlagen gebe es nicht mehr. „Das tut weh“, sagt Siegl. 

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