Köhlerpfad macht Geschichte erlebbar

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Köhlerpfad macht Geschichte erlebbar

Vier Kilometer lange Tour startet in Hasselborn / Mittelalterlicher Rennfeuerofen für die Eisenschmelze

WALDSOLMS-HASSELBORN (ser).   In der aktuellen  Coronavirus-Krise entdecken viele – insbesondere auch Familien – wieder das Wandern durch Wald und Flur. Da bietet sich der Köhlerpfad im Waldsolmser Ortsteil Hasselborn zum Erlebnis-Spaziergang an. Auf einer 4-km-Tour durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet finden sich hier interessante Informationen zur heimischen Handwerks- und Waldgeschichte.

Noch heute können in den heimischen Wäldern zahlreiche Spuren alten Handwerks und frühe Formen der Waldbewirtschaftung entdeckt werden. Oft bedarf es aber eines geübten Auges und des Wissens über ausgeführte Tätigkeiten, um die vielfach verborgenen Zeugen der Vergangenheit aufzuspüren.

Der über viele Jahre im Freilichtmuseum Hessenpark als Köhlermeister tätige Ewald Börner bemühte sich schon lange, im Waldsolmser Ortsteil Hasselborn die alte Geschichte der Wälder lebendig zu halten. Unzählige Köhlerplatten im Umkreis zeigen die historische Bedeutung der Köhlerei im Hintertaunus. Daher baute er seit der 300-Jahr-Feier des Dorfes im Jahr 1999 mit einigen jungen Männern – den „Köhlerbuben“ – jährlich einen Meiler auf, der regelmäßig zu Fronleichnam entzündet wird.

Durch gezielte Suche entdeckte er schließlich im Jahre 2008 unter einer Baumwurzel einen mittelalterlichen Rennfeuerofen. Das war zugleich der Startschuss für das Projekt „Köhlerpfad“. Dieser Lehrweg führt über vier Kilometer zu den Spuren der Handwerks- und Waldgeschichte. Seit Herbst 2010 werden die Wanderer zudem durch elf Schautafeln ausführlich über die Siedlungsgeschichte und den Landschaftswandel im Hintertaunus, Köhlerei, Waldschmitten, Rennfeueröfen, Lohhecken und Gerberei, Waldverwüstung und nachhaltige Waldbewirtschaftung informiert.

Die Tour beginnt bei der Köhlerhütte in Hasselborn, die im Tal des Birkwiesbaches hinter der Gaststätte Rolandseck liegt. Tafeln informieren hier über den Aufbau des Meilers und die Tätigkeiten der Köhler bis zur „Ernte“ der Holzkohle. Zudem befindet sich neben der Köhlerplatte der Nachbau eines Rennfeuerofens.

Schilderungen auf Schautafeln über die „Siedlungsgeschichte im Hintertaunus“ und den „Landschaftswandel“ lassen sich nach kurzer Wegstrecke durch die abwechslungsreiche Feldgemarkung beim Blick über beweidete Hänge, das von Wäldern umgebene Dorf und die umliegenden Höhen nachvollziehen.

Kernstück einer alten Waldschmitte war der auf das Jahr 1000 n.Chr. datierte Rennfeuerofen, der noch teilweise am Bachlauf des Haselbornbaches erhalten ist. Ausführlich vorgestellt werden Anlage, Aufbau und Funktion der für die Eisenschmelze notwendigen Öfen und die Weiterverarbeitung der gewonnenen „Luppe“ durch die Schmiede.

Im Hintertaunus gab es zwar keine nennenswerten Vorkommen von Roteisenstein, dafür aber reichlich Holz. Da zur Eisenverhüttung enorme Mengen an Holzkohle benötigt wurden, war es günstiger, das Eisenerz mit Esel- und Ochsenkarren zu den Meilern zu transportieren. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass neben dem Rennfeuerofen mehrere Köhlerplatten liegen, auf denen die Meiler errichtet wurden. Es sind ebene, kreisrunde Flächen von 6-8 Metern Durchmesser, auf  denen inzwischen starke Buchen und Eichen wachsen. Schwarze Erde (Köhlererde) mit Holzkohle-Resten lassen sich leicht freilegen.

Eine markante Eiche neben dem Köhlerpfad erhielt bei der Einweihung im Jahre 2008 die Bezeichnung „Köhlerbuben-Eiche“. Die 200 Jahre alte Stiel-Eiche mit dem verdickten Stammfuß fiel allerdings aufgrund einer Pilzerkrankung im August 2010 einem Sturm zum Opfer. Das „liegende Totholz“ soll künftig zahlreichen Pilz- und Insektenarten Lebensraum bieten. Zwischenzeitlich haben Stürme zahlreiche weitere Bäume im Umkreis entwurzelt.

Die „Historische Waldvernichtung“, die im Mittelalter begann, erläutert eine weitere Schautafel. Dorfnahe Rodungen, wahlloses Schlagen von Brenn-, Bau- und Kohleholz, Waldweiden für das Vieh, Eichel- und Bucheckernmast der Schweine sorgten für offene Wälder, zu denen der früher häufig verwendete Begriff „Hecken“ besser passte.

Typisch für die Waldbewirtschaftung war auch im Taunus die „Niederwald-Wirtschaft“, bei der die jungen Stämme bereits nach etwa 20 Jahren geschlagen („auf den Stock gesetzt“) wurden. Das war erforderlich, um das „Loh“ zu ernten – die zum Gerben der Felle notwendige gerbsäurehaltige Eichenrinde. Das Holz der Stämmchen diente als Brennholz oder zur Verkohlung. Aus den Wurzelstöcken sprießten wieder mehrere Ausschläge, die zu schlanken Stämmen heranwuchsen und nach etwa 20 Jahren erneut „auf den Stock gesetzt“ wurden. Die alten Niederwaldflächen gehen allmählich in Hochwald über, da ihre Nutzung inzwischen weitgehend unrentabel ist. 

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