„Konzept für Steinbruch Niederkleen hat Modellcharakter für Hessen“

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„Konzept für Steinbruch Niederkleen hat Modellcharakter für Hessen“

NIEDERKLEEN. Im Niederkleener Kalksteinbruch sind in Zukunft bis zu zehn Sprengungen jährlich vorgesehen. Im Bauausschuss stellte sich der neue Pächter des Steinbruchs vor. Demnach ist der Kalkstein-Abbau bis zum Jahr 2030 vorgesehen; anschließend soll der Steinbruch nur noch verfüllt werden. Foto: BZ

Gruppe Steinbruch Niederkleen sehen besonders Grundwasserabsenkung kritisch

LANGGÖNS (ikr). Einstimmig empfahlen die Mitglieder des Langgönser Bauausschusses, des Umwelt- und Verkehrsausschusses sowie des Ortsbeirates Niederkleen in ihrer gemeinsamen Sitzung dem Gemeindeparlament den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Steinbruch Niederkleen“. Damit sollen die rechtlichen Voraussetzungen für eine geplante Bodenwäsche und eine mobile Recycling- und Kalksteinaufbereitungsanlage der Steinbruch Niederkleen GmbH geschaffen werden. Auch das Gelände, auf dem das Betonwerk steht, soll einbezogen werden. Zeitgleich zur Aufstellung des Bebauungsplans soll der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden, auch eine Umweltprüfung ist geplant. 

Dr. Michael Buss als Sitzungsleiter stellte zudem eine Ortsbesichtigung im kommenden Sommer in Aussicht.

Ralf Lang, Geschäftsführer der Steinbruch Niederkleen GmbH als Pächter seit dem 1. Januar 2018, informierte zuvor über den aktuellen Betrieb und die zukünftigen Entwicklungen im Steinbruch, der 1707 erstmalig erwähnt worden war und in dem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten existieren, auch und gerade durch laufenden Betrieb. „Es ist keine Änderung des vereinbarten Rekultivierungsziels geplant“, betonte er. Bis 2030 möchte der Betreiber 550 000 t Kalkstein pro Jahr abbauen, anschließend soll nur noch verfüllt werden. Die Abbaufläche beträgt aktuell 23 ha, die Pachtfläche insgesamt 29 ha. Zurzeit ruht die Gewinnung, weil die mobile Aufbereitungsanlage noch nicht genehmigt ist. Boden und Erdaushub zur Rekultivierung werden kampagnenweise angenommen. 

Eine Probesprengung wurde am 9. August unter behördlicher Überwachung durchgeführt, sie habe, sagte Ralf Lang, keine „nennenswerte Belastung für die Ortslage“ ergeben. Zukünftig ist geplant, pro Jahr 50 000 bis 70 000 t Abbau durch Sprengungen zu gewinnen, sieben bis zehn Sprengungen jährlich sind vorgesehen. 50 000 bis 100 000 t Böden sind zur Aufbereitung eingeplant, an Bauschutt sind es 20 000 bis 50 000 t. Die zurzeit geplante Gesamtmenge an bewegtem Material  beläuft sich auf 220 000 t pro Jahr. „Primärrohstoffe und Sekundärrohstoffe möglichst ressourcenschonend zu gewinnen ist unser Ziel“, betonte Lang. Der Standort sei ideal, das Konzept habe Modellcharakter für Hessen. Nach der Sprengung soll das Gestein innerhalb des Steinbruchs auf einer zentralen Fläche aufbereitet und zu Mineralgemisch, Sand bzw. Edelsplitt verarbeitet, zum Teil auch zeitweise gelagert werden. 

In der ehemaligen Waschhalle findet die Aufbereitung steiniger oder kiesig-sandiger Böden statt. Dabei werden die Materialien in jeweilige Einzelkörnungen separiert und anschließend als Sekundärrohstoffe wieder vermarktet. Der nicht mehr weiter nutzbare Anteil des Bodens wird entwässert und nach Möglichkeit anschließend dem Tagebau im Rahmen der Rekultivierung zugeführt.

Nicht zur Aufbereitung geeignete Böden werden direkt zur Rekultivierung genutzt. Der Geschäftsführer betonte, dass sämtliche bisherige Aktivitäten seitens der Behörden genehmigt worden seien, man stehe in ständiger Kooperation mit den Behörden. Holger Fischer vom gleichnamigen Planungsbüro aus Linden erläuterte anschließend das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans.

Heftige Kritik und viele Fragen kamen von drei Vertretern der vierköpfigen „Gruppe Steinbruch Niederkleen“ um Klaus Textor. Sie kritisierten u. a., dass Gebäude auf Flächen errichtet wurden, die als Vorbehaltsgebiet für Ackerflächen ausgewiesen seien. Bürgermeister Horst Röhrig und Jürgen Knorz versicherten, dass die Grenzen entsprechend angepasst werden sollen. Ganz besonders die Grundwasserabsenkung um rund 55 m sieht die Gruppe äußerst kritisch. „Vor dem Hintergrund des Klimawandels muss man zuerst Wasser sparen, ich mache mir große Sorge um das Grundwasser, es ist das wichtigste Lebensmittel, es ist ein Frevel es wegzupumpen“, sagte Textor. 

Lang bestätigte, dass bis zu 240 000 m³ Wasser jährlich abgepumpt werden müssten. Sie gelangen direkt in den Kleebach, alles sei behördlich genehmigt. „Die Zuleitung von Wasser in einen Bach muss nicht als schädlich betrachtet werden“, sagte Dr. Buss. Die Kritik der Gruppe, dass sich „der Bürgermeister aus der Verantwortung stiehlt“, konterte dieser mit dem Hinweis, dass sich die Gemeindevertretung die Entscheidung zur Verpachtung des Steinbruchs „nicht leicht gemacht hat, wir haben uns alle in Absprache mit dem RP an die gesetzlichen Rahmenbedingungen gehalten!“ Jürgen Knorz unterstrich, dass man sich mit der Steinbruch Niederkleen GmbH einen „vertrauensvollen Partner ausgewählt hat, das Gelände ist im Topzustand“, lobte er.

„Die Ignoranz schockiert uns am meisten“, bewertete Klaus Textor die Sitzung im Nachhinein. Es habe „keine ordentlichen Antworten auf die Fragen gegeben, alles wurde von den Ausschussmitgliedern einfach durchgewunken, unsere Fragen sind ins Leere gelaufen.“ Textor und seine Mitstreiter vertreten die Auffassung, dass „hier an einer neuen Illegalität gearbeitet wird.“

 Fotos: BZ

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