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Konzert: „Zum Glück gibt es Wege“

BUTZBACH. Viele Zuschauer ließen sich im Anschluss an das Konzert ein Buch von Pater Anselm Grün signieren. Text + Fotos: win

Liedermacher Clemens Bittlinger und Pater Anselm Grün im Dialog in der Butzbacher Markuskirche

BUTZBACH (win). „Zum Glück gibt es Wege“ – und diese führten am Samstagabend 580 Zuschauer in die Markuskirche, um ein außergewöhnliches Konzert zu erleben. In dem Dialogkonzert „Zum Glück gibt es Wege“ begegneten sich Pater Anselm Grün und der Liedermacher Clemens Bittlinger und ließen die Zuhörer auf ihrer Entdeckungsreise an ihren Gedanken und Überlegungen teilhaben. 

Wie wird man glücklich oder wie kann man das Glück in seinem eigenen Leben entdecken? Diesen und ähnlichen Fragen gingen diese zwei besonderen Menschen nach. Nach seinem letzten Konzert im vergangenen Februar in der Markuskirche kam Bittlinger wieder in Begleitung seiner bewährten Musikerkollegen, dem Schweizer Keyboarder David Plüss und dem Percussionisten David Kandert. Das Publikum brauchte keine große Aufforderung, bei den vertrauten, gerne gehörten Liedern mitzusingen. Denn das gemeinsame Singen war bei diesem Konzert ausdrücklich erwünscht. Die Liedtexte waren auf einer großen Leinwand eingeblendet. Der Benediktinerpater saß derweil am Bühnenrand und sang leise mit. 

Die Bibel ist voller Weggeschichten. Pater Anselm versteht es wie kein anderer, die Auslegung der Bibel und der „Acht Seligpreisungen“ auf eine nachvollziehbare und der heutigen Zeit angepassten Weise dem Publikum näher zu bringen, neue Horizonte zu eröffnen und realistische Wege ins Glück aufzuzeigen. 

Mit „Herzlich willkommen“, einem irischen Reisesegen, begrüßte Bittlinger das Publikum. Es folgten viele bekannte Stücke, wie „Da wo ich bin, da will ich sein“ oder „Es gibt Menschen“, zu denen Pater Anselm seine Gedanken ausführte, die vom Publikum aufmerksam aufgenommen wurden. Manche sind nicht im Hier, denken schon an etwas Anderes. Glück heißt, ganz im Augenblick zu sein, einfach sein zu dürfen, wie man ist. „Wir können darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt, wie wir sind. Wir müssen uns nicht ändern und verbiegen“, sagte Bittlinger. Das Vertrauen zu den Mitmenschen setze jedoch Selbstvertrauen voraus.

 „Frieden ist nur dort, wo wir frei und freundlich sind“, ergänzte Pater Anselm. Es gelte auszusteigen aus der Opferrolle und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wichtig seien, so der Benediktinerpater, die innere Freiheit gegenüber Geld und Konsum und ein barmherziger Umgang mit sich selbst und den anderen. Glücklich ist, wer sich innerlich frei davon gemacht hat, sich ständig vergleichen zu müssen. Mit „Manche Not kommt aus dem Vergleich“ hatte Bittlinger den passenden Song dazu. Glück kann sein, Menschen zu begegnen, mit anderen Menschen zu sein. „Gemeinsames Erleben ist intensiveres Glück“, ist Bittlinger überzeugt. 

„Wir brauchen den Blick auf das Schöne. Das gibt uns Heimat, tut der Seele gut“, verdeutlichte Pater Anselm. Die Deutschen seien Jammerprinzen, stellte Bittlinger fest. Dabei sei es doch viel besser, Situationen zu bejahen, anstatt sie zu bejammern. Bei „Habseligkeiten“ und „Aufstehn“ folgte das Publikum spontan der Aufforderung, klatschte und sang leidenschaftlich mit. 

Grün hat als jahrzehntelanger Schatzmeister des Klosters Münsterschwarzach zum Thema Geld und Glück seine ganz eigenen Ansichten. Mit über 300 Veröffentlichungen und einer Gesamtauflage von 14 Millionen Büchern ist er der meist verbreitete Autor spiritueller Bücher im deutschsprachigen Raum. Bittlinger, Pfarrer und Buchautor, ist vor allem eines: Liedermacher. 36 veröffentlichte CDs mit einer Gesamtauflage von rund 350 000 verkauften Exemplaren machen diesen preisgekrönten Songwriter zu einem der erfolgreichsten Interpreten seines Genres. Bittlinger ist außerdem engagierter musikalischer Botschafter der Christoffel-Blindenmission (CBM).

Im Dialog befragte Bittlinger seinen Freund Pater Anselm zu großen Themen. Wie sieht die Zukunft aus? Was kann man tun? Was tun die Benediktiner? Die schlichte Antwort des Paters lautet: „Vorbild sein.“ Oder auf die Frage: „Wie unterscheidest Du Wahrheit von Fake News?“ antwortete Grün, dass er Inhalte genau prüfe, sich gründlich informiere und sich immer mehrere Meinungen anhöre. Er habe es „im Gefühl“.

Zum Abschluss lud der Benediktinerpater die Zuschauer zum Gebet ein. „Herr, kehre ein in dieses Haus und lass deine heiligen Engel darin wohnen.“ So beginnt das 1600 Jahre alte Gebet, das viele Mönche und Nonnen jeden Abend sprechen. Es ist die Mischung aus seiner spirituellen Präsenz und einer klaren, schlichten Zugewandtheit, die die Begegnung mit diesem Geistlichen so eindrücklich macht. Bittlinger und Grün sind unvergleichlich und bilden dabei eine glückliche Symbiose. Dem Publikum war es eine Freude, ihnen zuzuhören und ihre klaren Botschaften zu empfangen. Der Abend war nachdenklich und tiefgründig, ließ den Humor aber dennoch nicht vermissen. Mit „Amazing Grace“ wollte sich Bittlinger verabschieden. Doch die Zuschauer klatschten beharrlich, bis die gewünschten Zugaben gespielt wurden. Mit „Diese schöne Traurigkeit“ und „Sei behütet“ entließ Bittlinger das Publikum stimmungsvoll und gesegnet. Im Anschluss an das Konzert bestand Gelegenheit, persönliche Worte mit den beiden zu wechseln. Es war ein harmonischer, stimmungsvoller Abend, reich an glücklichen Momenten und guten Gedanken. 

BUTZBACH. Clemens Bittlinger kam wieder in Begleitung seiner Musikerkollegen, dem Schweizer Keyboarder David Plüss und dem Percussionisten David Kandert.

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