Krankes Kind mitgebracht: Zu Unrecht fristlos gekündigt

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Krankes Kind mitgebracht: Zu Unrecht fristlos gekündigt

JUSTIZ – Arbeitnehmerin in Probezeit klagte / Nur Abmahnung zulässig

BUTZBACH (pi). Die Mitnahme eines kranken Kindes zur Arbeit ist kein Grund für eine fristlose Kündigung. Darauf weist der Jurist Dr. Thomas Wolf zu einem aktuellen Fall hin.

Was war passiert? Die Klägerin war bei der Beklagten als Altenpflegefachkraft beschäftigt. Während der Arbeit erkrankten ihre Kinder. Nach Einschätzung des behandelnden Arztes waren die Kinder betreuungsbedürftig. Die Klägerin befand sich noch in der Probezeit und ging trotz der Erkrankung der Kinder weiter arbeiten, wobei sie allerdings in ihrer Not die Kinder zeitweise mitnahm. 

Wenig später erkrankte die Klägerin dann selbst an einer Grippe. In der Folge kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis fristlos. Dabei berief er sich darauf, es sei der Klägerin verboten gewesen, ihre Kinder zur Arbeit mitzunehmen. Die Klägerin erhob Kündigungsschutzklage gegen die fristlose Kündigung und begehrte die Einhaltung der zweiwöchigen Probezeit-Kündigungsfrist. 

Das Arbeitsgericht Siegburg (Az: 3 Ca 642/19) hielt die fristlose Kündigung für ungerechtfertigt. Das Gericht bejahte allerdings das Vorliegen einer Pflichtverletzung sowohl aus versicherungsrechtlichen Gründen wie auch aufgrund der bestehenden Ansteckungsgefahr, insbesondere für ältere Patienten. Es vertrat jedoch die Auffassung, dass eine Abmahnung ausreichend gewesen wäre. Nach Auffassung des Arbeitsgerichts habe ein „wichtiger Grund“ für die sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht vorgelegen. 

Der Entscheidung ist – nach Auffassung von Dr. Wolf – zuzustimmen. Gerade während der Probezeit gelte eine kurze zweiwöchige Kündigungsfrist. Dem Arbeitgeber sei zuzumuten, diese (kurze) Kündigungsfrist einzuhalten. Schließlich habe sich die Klägerin in einer Notlage befunden. 

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