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Kreativität ist multikulturell

Projekt „Frauen gegen Rassismus“ / Künstlerin Dina Kunze arbeitet mit Mädchen

BUTZBACH/FRIEDBERG (win). In den Herbstferien veranstaltete das Frauenzentrum Wetterau e.V. eine Reihe von Ferienaktivitäten für Mädchen. Im Projekt „Frauen gegen Rassismus“ trafen sich Mädchen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, um mit der Künstlerin Dina Kunze aus Luftballons, Dosen und Altpapier schöne Schalen zu basteln. „Man kann mit einfachen Mitteln ohne viel Geld schöne Sachen basteln“, erklärte die Butzbacherin. Ferner wurde im Junity ein Tanzworkshop mit Nele Dücker veranstaltet. Ein Besuch im Senckenberg-Museum in Frankfurt, an dem auch ältere Mädchen teilnahmen, rundete das Programm ab.

„Alle Mädchen sprechen schon sehr gut deutsch“, sagte Mahnaz Jafary, die als Beraterin für Migrantinnen im Frauenzentrum tätig ist. Auch die Mütter seien aktiv und machten Deutschkurse, ergänzte sie. Wie groß das Interesse ist, zeigte sich darin, dass die Kinder aus dem gesamten Wetteraukreis kamen und auch längere Fahrten mit der Bahn nicht scheuten. Die Eltern engagierten sich ebenfalls, indem sie für das selbst gemachte Mittagessen sorgten. Das Ziel sei, so Jafary, die Kinder durch kreative Beschäftigung zufriedener zu machen und ihnen eine bessere Integration zu ermöglichen. Geplant sei, dass an zukünftigen Aktivitäten auch deutsche Kinder teilnehmen sollen.

Kunst baut Brücken und öffnet die Herzen

Die Idee der Kunstaktion für den Frieden und gegen Rassismus gefiel Dina Kunze. Die Künstlerin, die seit 50 Jahren Kunst „gegen das Vergessen“ macht, war durch eine Anzeige in der Zeitung auf das Projekt „Frauen gegen Rassismus“ aufmerksam geworden und fühlte sich sofort angesprochen. Circa zwölf Frauen treffen sich regelmäßig, um regionale, aber auch überregionale Aktionen zu planen. Bereits seit 1994 engagiert Kunze sich ehrenamtlich im Bereich Kunst mit Asylanten. Im vergangenen Jahr veranstaltete die Tochter von Auschwitz-Überlebenden zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht eine Kunstaktion mit Konfirmanden in der Burgkirche in Friedberg.

Dina Kunze ist weit über die Grenzen Butzbachs hinaus bekannt. Die in Prag geborene Künstlerin wanderte 1948 mit ihrer Familie nach Israel aus und kehrte 1960 zurück nach Deutschland. 1978 gründete sie ein eigenes Atelier in Butzbach. Zwischenzeitlich lebte sie einige Jahre in Frankreich, wo sie unter anderem die ehrenamtliche Leitung eines Umwelt-Kunstprojektes mit Straßenkindern innehatte. Im Jahr 2012 kehrte sie nach Deutschland zurück und lebt seitdem wieder in Butzbach. Ausstellungen von ihr waren weltweit, unter anderem in China und Russland zu sehen. Viele dürften ihr Haus unweit des historischen Rathauses kennen. Die Künstlerin wohnt in den Räumen der ehemaligen Gaststätte „Zur Eule“ in der Korngasse. Zurzeit plant sie ein neues Projekt und bittet die Bevölkerung um Unterstützung: „Ich brauche Schlüssel, viele Schlüssel“. Mehr wollte sie allerdings noch nicht verraten. An ihrem Haus hängt nun ein separater Briefkasten, wo die nicht mehr benötigten Schlüssel eingeworfen werden können.

Frauen stärken

Das Frauenzentrum Wetterau befindet sich in Friedberg, steht aber Frauen aus dem gesamten Wetteraukreis offen. Es bietet Raum für Bildung und kulturelle Begegnung. Das Angebot umfasst ganzjährig ein vielfältiges Seminar- und Veranstaltungsprogramm für Frauen jeder Nationalität und aller Altersgruppen. Es ist ebenfalls eine Anlaufstelle mit Serviceangeboten und versteht sich als ein Ort des Zusammenseins und der Zusammenarbeit. Das Frauenzen-trum, in dem fast ausschließlich Ehrenamtliche aktiv sind, bietet unter anderem Deutschkurse für Frauen mit Kindern unter zwei Jahren an. Die Kinder werden während des Unterrichts betreut, damit die Mütter in Ruhe lernen können. Ferner gibt es einen wöchentlichen Treff, bei dem Migrantinnen etwas über deutsche Lebensart erfahren. Über sämtliche Angebote informiert das Frauenzentrum auf seiner Internetseite www.frauenzentrum-wetterau.de.

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