Künstler Rudolf Lindenthal als Metallplastiker Meister seines Fachs

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Künstler Rudolf Lindenthal als Metallplastiker Meister seines Fachs

BUTZBACH. Der Metallkünstler Rudolf Lindenthal mit seinem selbstgebauten Schmelzofen. Er entfernt die Schlacke aus dem eingeschmolzenen Metall. Fotos Rüdiger Fanslau

BUTZBACH (pm). Mit der Verarbeitung von Eisen, Bronze, Edelstahl und Aluminium zählt Rudolf Lindenthal, dessen Ausstellung leider zur Zeit im Butzbacher Museum hinter verschlossenen Türen bleiben muss, zu den Metallhandwerkern und -künstlern. Im Überbegriff gehört der Metallhandwerker zur Feuerzunft, ein altmodischer Begriff, der jedoch die Fantasie beflügelt und bildlich gesehen direkt in die Werkstatt und ans Schmiedefeuer und den Schmelzofen führt. Metalle werden unter Wärmezufuhr in glühendem Zustand geformt und verarbeitet. Zur Feuerzunft zählen die Schmiede und im Laufe der Jahrhunderte hat sich dieser Beruf stark ausdifferenziert.    

Den reinen Schlosser und Schmied gibt es als Beruf heute nicht mehr. Diese Traditionsberufe sind seit 1989 zum Beruf des Metallbauers zusammengefasst worden und dieser ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. 

Rudolf Lindental ist gelernter Betriebsschlosser und ist – in jeder Hinsicht- Meister seines Faches. Auftragsarbeiten, die er im Lauf seines Berufslebens umsetzt, sind Arbeiten wie die Wartung, Reparatur und Instandsetzung von Maschinen und Anlagenteilen, die Fertigung von Geländern, Treppen, Gittern, Zäune, Balkonbrüstungen, Möbelbeschlägen, Rankhilfen, Leuchter, Briefkästen, und viele Speziallösungen wie z.B. die Gelenke für eine Spielzeugwippe. Sein Meisterstück ist ein Tisch, der heute in seinem Wohnzimmer steht.  

Wie die erste Museumsleiterin Elisabeth Johann in Butzbach 1983 in ihrem Buch „Handwerk in Butzbach“ darstellt, war Butzbach bis weit ins 20. Jahrhundert eine Handwerkerstadt. Die wohl bekannteste Firmengeschichte ist dabei die der Griedeler Schmiedefamilie Tröster, die in Butzbach eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei gründete und betrieb. Lindenthal absolvierte bei Tröster seine Lehre. 

Auf dem Foto wird das flüssige Aluminium in das Einfüllloch im Formkasten gegeben, so lange, bis die Flüssigkeit aus dem zweiten Luftloch heraussteigt.

Für den Künstler ist es eine Voraussetzung, die Materialien, mit denen er arbeitet, in ihren Eigenschaften genau zu kennen. Ohne die Auseinandersetzung mit dem Material, kann der Künstler in der Gestaltung und Umsetzung nicht erfolgreich sein. So spricht das Material immer mit. Unter anderem durch die Legierungen der Metalle sind Härte und Schwere sehr unterschiedlich. Biegsamkeit, Beweglichkeit und Festigkeit bestimmen die Bearbeitungsweise. Das Material spricht auch durch die Oberfläche mit. Sie kann rau, patiniert, poliert oder siegelglatt sein. Zur Gestaltung und Umsetzung seiner Kunstwerke nutzt Lindenthal das Sandgussverfahren, um Modelle in Metall zu gießen.

Beim Sandgussverfahren kann das Gussmodell aus jedem Material sein, das dem Druck, der beim Abformen im Formsand aufgewendet werden muss, standhält. 

Der Formkasten ist in der Größe auf das Modell zugeschnitten und wird mit Formsand ausgefüllt.  Dieser Formsand ist dicht, tonhaltig, mit Öl versetzt und besonders zäh. Wenn er in feuchtem Zustand gestampft und festgeklopft wird, lassen sich aus ihm sehr genaue und feste Formteile schneiden oder Formen hineinpressen. Ist die gewünschte Form in den Sand gepresst, wird das Modell über Abhebelöcher wieder herausgenommen, so dass nun die Hohlform für den Guss vorhanden ist. Diese Hohlform wird zur Isolierung des Gusses mit einem Graphitpulver bestäubt. Auf den Unterkasten mit der eingedrückten Form kommt nun ein pass genauer Oberkasten, der die sogenannten „Steiger“, also einen Guss- und einen Luftkanal enthält.

Lindenthal schmilzt in seinem selbstgebauten Schmelzofen, in einem Tiegel aus Graphit, Teile aus Aluminium ein. Der Schmelzofen wird mit Propangas angeheizt. Schätzungsweise ca. 700 Grad werden beim Erhitzen erreicht, in keinem Fall aber mehr als 750 Grad.

Ist das Metall eingeschmolzen, muss zunächst die Schlacke abgeschöpft werden. Der heiße Tiegel wird mit einem eigens dafür hergestellten Greifer aus Baustahl herausgehoben, der Tiegel wird abgesetzt und mit einer weiteren Zange, die speziell zum Ausschütten des geschmolzenen Aluminiums konstruiert wurde, gegriffen.

Dieser Greifer umfängt den Tiegel an der bauchigen Seite und hat am Ausgussrand einen Metallhaken, der den Tiegel fest in Position hält. Nun kann das flüssige Metall in das Gussloch eingefüllt werden. Wenn das flüssige Aluminium im zweiten Loch herausquillt, ist die Hohlform im Formkasten gefüllt.

Rudolf Lindenthal präsentiert auf dem rechten Foto Christine Borchers-Fanslau das Holzmodell und den Anguss in Aluminium mit noch vorhandener Guss-und Luftröhre.

Es bedarf dann einiger Geduld, bis das flüssige Metall hart geworden ist. Ist dies geschehen, kann der Oberkasten mit Vorsicht und Rücksicht auf die „Steiger“ abgenommen werden. Der Formsand ist sehr heiß und rund um die Form verbrannt. Über die Guss- und Entlüftungsröhrchen kann das gegossene Modell nun herausgehoben und in Wasser kurz abgekühlt werden. Es bleibt der verbrannte schwarze Formsand sichtbar. Den verbrannten Sand klopft der Künstler später heraus, sodass der verbleibende Formsand noch einmal genutzt werden kann.

Bevor später das gegossene Teil an dem Objekt „Die Spaltung“ montiert werden kann, müssen die Guss- und Luftröhre entfernt werden. Flüssige Metalle kommen bei der Entstehung von Kunstwerken bei Rudolf Lindenthal immer wieder zum Einsatz und zeigen vom informellen Ergebnis bis zur abgegossenen Form zahlreiche Möglichkeiten der künstlerischen Nutzung und die Freude am Experiment. 

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