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„Kulturgut von Corona bedroht“

BUTZBACH. „Das Karussell muss sich weiter drehen“, lautete der Slogan der Schausteller-Demonstration in Berlin. Norbert Winter, ehemaliger Vorsitzender des Schaustellerverbands Mittelhessen, betreibt einen Stand auf dem Butzbacher Marktplatz. 

Existenznöte: Schausteller auch aus Mittelhessen demonstrieren in Berlin gegen „Ungleichbehandlung“

BUTZBACH (pi). Schausteller gehören zu den Branchen, die die Corona-Krise besonders hart getroffen hat. Wegen der Absage von Veranstaltungen haben viele Betriebe seit Monaten praktisch keine Einnahmen mehr. Anfang des Monats demonstrierten rund 5000 Schausteller in Berlin mit über 1000 Fahrzeugen in einer rollenden Großkundgebung sowie weiteren zahlreichen Teilnehmern an der Wegstrecke vorbei am Bundeswirtschafts-, Bundesgesundheits- und Bundesfinanzministerium zum Brandenburger Tor. 

Auch Vertreter aus Mittelhessen machten dort auf diese Weise auf die dramatische Lage ihres Berufsstandes aufmerksam. Das Motto der Kundgebung lautete: „Das Karussell muss sich weiter drehen“. 

Der Butzbacher Norbert Winter war bis zum Jahr 2019 zehn Jahre lang Vorsitzender des Schaustellerverbands Mittelhessen. In Butzbach hatte er, der zusammen mit Heinz-Jürgen Kalbfleisch Generalpächter der Butzbacher Märkte ist, mit einem Hygienekonzept seinen Imbissstand auf dem Marktplatz aufgestellt. Mögliche weitere Angebote stehen derzeit noch nicht fest. Nach derzeitigem Stand könnte der Katharinenmarkt in der gewohnten Form nicht stattfinden.  

Die Stadt Gießen hat unterdessen die Möglichkeit geschaffen, dass Schausteller einzelne Standplätze in der Innenstadt erhalten. Eine Sommermesse mit weniger Ständen als üblich auf dem Messeplatz an der Ringallee werde es aber nicht geben, dies sei nicht wirtschaftlich zu betreiben, hieß es aus Schaustellerkreisen. 

Die Existenzbedrohung der Schausteller traf in Berlin auf Resonanz, wie der Bundesverband in seiner Pressemitteilung deutlich macht. Auf der Bühne, dem Ziel der Demonstration, bekundeten demnach 32 Bundestagsabgeordnete ihre Solidarität mit der Branche und versprachen in ihren Reden, sich für sie in dieser existenzbedrohenden Situation einzusetzen. Unter den Sprechern waren auch eine Staatsministerin, eine Parlamentarische Staatssekretärin sowie tourismus- und wirtschaftspolitische Sprecher verschiedener Fraktionen, wie der Schaustellerverband mitteilt. 

Das pauschale Verbot der Jahrmärkte sei eine Ungleichbehandlung des Schaustellergewerbes gegenüber anderen Gewerbetreibenden. Mit der Demonstration verdeutlichten die Schausteller der Politik, aber auch der Bevölkerung, dass ein jahrhundertealtes Kulturgut fehlt, wenn keine Volksfeste stattfinden.

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