Landwirte fordern runden Tisch mit Politik und Verbrauchern

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Landwirte fordern runden Tisch mit Politik und Verbrauchern

NIEDER-WEISEL. Die drei „Hoffreunde“ (v.l.) Stefan Zimmer (Seefeldhof), Jan Winter (Lindenhof) und Maximilian Reuhl (Wetterauer Früchtchen, Münzenberg) waren Gastgeber der Informationsveranstaltung „Hessen grillt an“ des Regionalen Bauernverbandes Wetterau-Frankfurt. Text + Foto: dt

Keine Stilllegung von Flächen/Rückgang der Tierhaltung „besorgniserregend“

NIEDER-WEISEL (dt). „Wir grillen für Sie: Wetterauer Bauern präsentieren ihre regionalen Erzeugnisse.“ Unter diesem Slogan hatte der  Hessische Bauernverband ursprünglich landesweit an zahlreichen Orten für den letzten Freitag große Informations- und Werbeveranstaltungen geplant. Doch die „Zeitenwende“, wie es Bundeskanzler Olaf Scholz Ende Februar – nach Beginn des UkraineKrieges – in einer Sondersitzung des Deutschen Bundestages formuliert hatte, rückte andere Schwerpunkte in den Vordergrund (siehe BZ-Bericht v. 23.4.). In der aktuellen Krisen-Situation fordern die Vertreter der Landwirtschaft jetzt einen runden Tisch mit Politik und Verbrauchern. 

Die „Hoffreunde“ in Nieder-Weisel – die Jung-Landwirte Maximilian Reuhl („Wetterauer Früchtchen“, Münzenberg), Stefan Zimmer (Seefeldhof), Jan Winter (Lindenhof) – und der Regional-Bauernverband Wetterau-Frankfurt hatten am Freitag in ihre Verkaufsstätte am Johanniter-Kreisel insbesondere die heimischen Vertreter der politischen Parteien eingeladen. Doch die machten sich rar. Lediglich die FDP mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Heidt und dem Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn und die CDU mit dem Nieder-Erlenbacher Landwirt Axel Schmitt – einem aktiven Schweinezüchter – waren unter den Besuchern auszumachen. Aus dem engagierten Statement von Maximilian Reuhl als Sprecher der „Hoffreunde“, den Ausführungen des Vizepräsidenten des Hessischen Bauernverbandes Volker Lein und der Vorsitzenden des Regionalen Bauernverbandes Wetterau-Frankfurt, Andrea Rahn-Farr, wurden die Sorgen der Landwirte deutlich. 

Im letzten Jahr hätten sich die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte weiter verringert und auf einem extrem niedrigen Niveau zunächst verfestigt. Erschwerend habe es dazu Forderungen und Auflagen von Umweltverbänden und aus der Politik gegeben, in der Tierhaltung größere Räume zu schaffen und das Tierwohl weiter auszubauen. Daraus entstehende höhere Kosten und schwindende Gewinne hätten ein wirtschaftliches Arbeiten und Handeln für die Landwirte weiter stark eingeschränkt und dazu geführt, dass beispielsweise die Schweinehaltung landesweit zurückgegangen sei. 

Mit Beginn des Ukraine-Krieges seien zwar nun die Fleischpreise angestiegen, doch parallel dazu die Gestehungskosten durch den Anstieg der Energiepreise nahezu explodiert. „Darum sind wir immer noch nicht im Gewinnbereich,“ charakterisierte der Schweinezüchter Sebastian Kartmann aus Nidda die aktuelle Situation. Volker Lein vom Bauernverband wies auf – aus seiner Sicht – falsche Informationen hin und plädierte für „Teller und Trog“. Bei der Erzeugung von einem Kilo Biomasse fielen jeweils vier Kilo für den Menschen nicht nutzbare Nebenprodukte an. Die landeten als Ölschrote, Kleie oder Trester über das Tierfutter wieder auf dem Teller – als tierisches Lebensmittel mit hochwertigem Protein. Nur etwa sechs Prozent des gesamten Tierfutteraufkommens bestehe aus backfähigem Weizen.

Die Tierhaltung in Deutschland habe eine heimische Futtergrundlage, rund 90 Prozent der Futtermittel würden vor Ort angebaut. Ohne organischen Dünger aus der Tierhaltung sei die Kreislaufwirtschaft nicht realisierbar. Der Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung versorge die landwirtschaftlichen Flächen mit wichtigen Nährstoffen und ersetze so den CO2-intensiv erzeugten Mineraldünger. Die heimischen Schweine-, Rinder- und Geflügelhalter seien bemüht, die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region auch in Zukunft zu gewährleisten. Dies gelte selbstverständlich auch für die pflanzlichen Produkte.

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