„Landwirtschaftliche Versorgung sicher“

Verborgener Schatz neu entdeckt
25. März 2020
Amerikaner rücken nach Butzbach vor
26. März 2020

„Landwirtschaftliche Versorgung sicher“

BUTZBACH. Die Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben in der Region läuft, wie hier in der Nieder-Weiseler Gemarkung.

Bauernverband: Arbeit in Betrieben geht weiter / Frage der Saisonarbeiter für Spargelbauern noch ungeklärt 

BUTZBACH (thg). „Die Grundversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten ist gesichert.“ Das sagte Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt gestern im Gespräch mit der BZ. Indes stehen die Höfe mit so genannten Sonderkulturen vor dem Problem, dass sie nicht wissen, ob und wie sie in diesem Jahr Saisonarbeitskräfte beschäftigen können. 

Dangel machte deutlich, dass die unterschiedlichen Landwirtschaftsbetriebe weiterarbeiten. Wer Ackerbau betreibe mache sich genauso an die Frühjahrsbestellung der Felder wie sonst auch. In einem Milchviehbetrieb werde ebenfalls weitergearbeitet. Wer allerdings speziell Spargel oder auch Erdbeeren anbaut, wie etwa zwei Dutzend Bauernhöfe in der Wetterau, ist vom Saisongeschäft abhängig. 

„Die Ernte steht vor der Tür“, sagte Dangel. Wie es möglich werden könnte, dass osteuropäische Saisonarbeitskräfte auf die Felder kommen, sei politisch schon in der Diskussion. „Aber es ist noch nicht klar, und die Angst bleibt bestehen“, schilderte der Verbandsvertreter. Teils kämen die Arbeiter aus Polen oder Rumänien schon seit Jahren in die Betriebe und seien bereits angelernt. Werde nicht geerntet, fehlten die Produkte auch in den Supermärkten in der Region. 

Dem gegenüber stehen Anfragen aus der Bevölkerung, ob Hilfe auf den Höfen gebraucht werde. Auf einer kleinen Plattform für freiwillige Helfer hätten sich unter anderem Gastronomie-Mitarbeiter oder Studenten und Kurzarbeiter gemeldet. Ein knappes Dutzend sei vermittelt worden. „Es ist toll, dass solch eine Bereitschaft zur Unterstützung besteht“, sagte Dangel. 

Unsicherheit oder sogar Angst besteht nach Worten des Verbandsgeschäftsführers aber in Milchviehbetrieben. „Was wäre, wenn ein Coronafall in einem Betrieb auftritt?“ Denn der Tierbestand müsse auch bei verhängter Quarantäne weiter versorgt werden. Ein Unsicherheitsgefühl bestehe auch dort, wo ein Hof über den Familienbetrieb hinaus gewachsen ist und auch Mitarbeiter beschäftigt. Es stelle sich die Frage, was Restriktionen bedeuten würden. Das Kreis-Gesundheitsamt habe aber dem Verband mitgeteilt, dass bei einem Coronafall für den betroffenen Betrieb individuell entschieden werde, was zu tun ist. 

Zudem habe sich der Bauernverband dafür engagiert, dass in der Landwirtschaft Beschäftigte zu den Berufsgruppen gehören, für die auch derzeit die Kinderbetreuung sichergestellt wird. Dies sei in der ersten Verordnung zum Thema nicht enthalten gewesen, jetzt sei es geändert. 

Die Grundversorgung, die die Landwirtschaft leistet, sei jahrzehntelang selbstverständlich gewesen. Und sie ist weiter gesichert, so Dangel. Milch werde erzeugt, die Getreidelager würden von der letztjährigen Ernte noch abverkauft. Wenn auch derzeit im Einzelhandel mehr Lebensmittel verkauft werden, handele es sich nur um eine Verschiebung. Unter anderem die Mengen, die sonst in die Gastronomie oder Kantinen gehen, würden dort jetzt nicht benötigt. 

Dangel nennt aber auch das Stichwort Eigenversorgung. „Es hat selbstverständlich einen Wert, dass große Mengen an Nahrungsmitteln im eigenen Land produziert werden.“ Man solle nicht nur auf den globalen Warenstrom vertrauen. Dazu führt der Verbandsvertreter auch an, dass möglicherweise Auflagen wie die zuletzt stark diskutierte Düngeverordnung hinterfragt werden. Reglementierungen brauche auch die Landwirtschaft, aber sie müssten angemessen für die Betriebe sein. „Es geht uns um die Auswüchse. “

*

Unterdessen berichtet das Landwirtschaftliche Wochenblatt (LW), dass Landwirte die höchste Wochenarbeitszeit haben. Vollzeitbeschäftigte Männer kamen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 auf durchschnittlich 49,9 Wochenstunden. Für Frauen waren es 45,3 Stunden. Weniger als fünf Prozent der Befragten wünschten sich aber eine Verringerung der Wochenarbeitszeit. 

Es können keine Kommentare abgegeben werden.