Langgönser Arbeitskreis „Leben nach Tschernobyl“ stellt Arbeit ein

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Langgönser Arbeitskreis „Leben nach Tschernobyl“ stellt Arbeit ein

41. Hilfstransport Arbeitskreis Leben nach Tschernobyl am 15. Februar 2020

Fast 500 Tonnen Hilfsgüter wurden in dreißig Jahren in die Ukraine gebracht

LANGGÖNS (wiß). 30 Jahre Arbeitskreis Leben nach Tschernobyl in der Evangelischen Kirchengemeinde Lang-Göns können in diesem Jahr gefeiert werden – und sind zugleich mit einem Wehrmutstropfen verbunden. Denn am Ende des Jahres stellt der Arbeitskreis seine Arbeit ein. So wurde am Samstag der 41. und vorletzte Hilfstransport auf den 1850 Kilometer langen Weg von Lang-Göns in die Ukraine nach Borispol auf den Weg gebracht. 25 Helfer waren tatkräftig dabei, um die 1200 Kartons und Hilfsgüter mit Kleidung für die Kleiderkammer wie auch Klinikmaterial, Gehhilfen, Rollatoren und Frühchenbett für das Krankenhaus in Borispol zu beladen. 

Zwölf Tonnen humanitäre Hilfsgüter wurden so verladen und in die Ukraine gebracht. Unterstützt von vier örtlichen Betrieben konnte auch bei der Beladung sich gemeinsam gestärkt werden, während Gerhard Keller und Sigrid Blochwitz die Zollformalitäten erfüllten. Wie Keller vom Arbeitskreis bei der Verladung mitteilte, wird es am 17. April den nächsten Kleidersammeltermin geben, der vielleicht sogar schon der letzte sein könnte. Denn „wir beenden in diesem Jahr auch unser 30-jähriges Engagement!….dennoch die gute Nachricht: Wir feiern 30-jähriges Jubiläum“. 

Im Jahr der Gründung, fast ein Jahr nach dem Fall der Mauer und gerade mal 16 Tage nach dem ersten Nationalfeiertag, am 19. Oktober 1990 mit direkt betroffenen Menschen der Tschernobyl-Katastrophe in Kiew und Borispol gegründet, hätte sich keiner vorstellen können, was der Arbeitskreis alles mit großer Hilfe aus der Bevölkerung erreichen konnte. Fast 500 Tonnen Hilfsgüter wurden in diesen drei Jahrzehnten mit 40 Hilfstransporten in die Ukraine gebracht und dabei 75 000 Kilometer zurückgelegt. Dies alles unter dem Leitmotiv „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ 

Von Beginn an galt die Hilfe den Opfern der Katastrophe von Tschernobyl, die seinerzeit nach Borispol bei Kiew umgesiedelt wurden. Diese Hilfe wurde im Laufe der Jahre ausgeweitet auf Arme, Kranke, alte Menschen, kinderreiche Familien. Vor Ort arbeitet der Arbeitskreis mit einer Partner-Gruppe und auch eng mit der Stadtverwaltung in Borispol zusammen. Das Krankenhaus in Borispol wurde mit Betten und Kliniksmaterial, OP-Tischen, Ultraschall- und EKG–Geräten ausstatten. Eine Kleiderkammer und auch eine Suppenküche ins Leben gerufen sowie das Altenheim “Veteran” in Rewne, welches etwa 15 Kilometer von Borispol entfernt liegt und ist die einzige Einrichtung dieser Art im kompletten Bezirk ist sowie auch der Kindergarten „Die Kraniche” unterstützt. 

Auch wurden Ferienaufenthalte für Kinder ermöglicht. Im Borispoler Waisenhaus hat der Arbeitskreis eine Nähstube eingerichtet. Neben der humanitären Hilfe stand die politische Arbeit. Zahlreiche prominente Wissenschaftler und Aktivisten waren in Langgöns zu Vortragsveranstaltungen zu Gast und warnten vor den Gefahren der Atomkraft und warben für erneuerbare Energien. 

„Dies alles bedeutet aber auch: Wir alle, die seit Beginn dabei waren und die, die dann im Laufe der Jahre dazukamen und die Arbeit mittrugen, sind älter geworden. Unsere Kräfte reichen für eine Arbeit, wie wir sie weiterhin eigentlich leisten möchten, nicht mehr aus. Der Arbeitskreis Leben nach Tschernobyl stellt seine Tätigkeit – genau einen Tag vor dem Gründungstag – am 18. Oktober 2020 ein“, so Keller. 

Bis dahin wird aber, so wie nun bei der Verladung am Samstag, noch einmal kräftig in die Hände gespuckt, soll doch noch ein 42. und dann letzter Hilfstransport im Juni auf den Weg gebracht werden. In guter Tradition wird es in diesem Jahr am 26. April, dem Tag der Tschernobylkatastrophe vor 34 Jahren, einen Gedenkgottesdienst geben. Und auch die Kleidersammlung wird fortgeführt. 

In den Sommermonaten ist im Nachgang zum 42.Hilfstransport eine Reise in die Ukraine geplant um sich persönlich von den liebgewonnenen Freunden in Borispol zu verabschieden. Im September/Oktober gibt es im Langgönser Rathaus eine Fotoausstellung. Dazu ist die Veröffentlichung eines Foto-Textbuches geplant, das diese lange Zeit der Arbeit dokumentiert. Und weil in diesen drei Jahrzehnten stets auch die politische Arbeit wie die humanitäre Hilfe gepflegt wurde, soll es im September/Oktober einen letzten Vortrag zur Energie – und Klimapolitik geben. Der eigentliche Abschied wird dann am Sonntag (18. Oktober) mit zwei Veranstaltungen, einem Festgottesdienst um 10.00 Uhr in der Evangelischen Jakobus-Kirche und mit einem Fest im Bürgerhaus Lang-Ggöns – mit Erinnerungen, Impressionen, Live–Musik und kulinarischen Leckereien – mit Gästen aus nah und fern gefeiert. 

 

 

 

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