„Lebensretter sind dringend gesucht“

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„Lebensretter sind dringend gesucht“

AUFKLÄRUNG – Transplantationsbeauftragte Sabine Moos informiert in Langgöns über Organspende

LANGGÖNS (ikr). „So einfach wie es jetzt ist zu atmen, das kannte ich vorher gar nicht. Ich führe jetzt ein freies Leben, mache viel Sport und fühle mich einfach toll!“ Vera Fischbach strahlt Lebenslust und Energie aus. Der 32-Jährigen, die seit ihrer Kindheit an Mukoviszidose litt, wurde vor sieben Jahren an der Gießener Uniklinik eine Lunge transplantiert. Seitdem kann sie ein ganz normales Leben führen. Zuvor hatte sie im Rollstuhl gesessen, konnte kaum atmen und wurde sogar künstlich ernährt.

Die junge Frau stellte ihre Geschichte am Gesundheitstag des Fördervereins Soziale Dienste Langgöns vor und gab damit dem Thema „Organspende“ ganz unmittelbar ein eindrucksvolles Gesicht. Marianne Wander, die Vorsitzende des Fördervereins, begrüßte neben Vera Fischbach auch Sabine Moos, Fachärztin für Innere Medizin und Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Gießen und Marburg am Standort Gießen, als Referentin zum Thema „Organspende: Die Entscheidung zählt!“ 

Beim Thema Organspende gibt es nach wie vor in der Bevölkerung viele Unsicherheiten, Vorurteile und Ängste. Moos möchte nicht nur Aufklärungsarbeit leisten, sondern vielmehr den Zuhörern mit Informationen helfen, möglicherweise eine Entscheidung für oder gegen Organspende zu treffen. „Denn eine eigene bereits getroffene Entscheidung hilft den Angehörigen in einer sehr schwierigen Situation“, weiß die Medizinerin aus Erfahrung. Aktuell sei es so, dass rund 60 Prozent der Menschen, die als Organspender infrage kommen, keine Entscheidung getroffen haben, so dass die Angehörigen anhand des vermuteten Willens entscheiden müssten. Sie seien oft hilflos und nicht vorbereitet. „Entscheide dich, damit es nicht andere für dich tun müssen“, appellierte Moos und informierte detailliert über das Thema. 

Aktuell gilt in Deutschland die so genannte Entscheidungslösung. Organe und Gewebe dürfen nur dann nach dem Tod entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten zugestimmt hat. Liegt keine Entscheidung vor, werden die Angehörigen nach einer Entscheidung gefragt. In Spanien, Österreich und einigen anderen europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchslösung, die in Deutschland momentan debattiert wird. Derzeit ist aber keine Gesetzesänderung beschlossen.

Organspenden sind bundesweit von 1200 im Jahr 2010 auf knapp 800 im Jahr 2017 zurückgegangen. „In Spanien zum Beispiel sind die Menschen sehr stolz darauf, Organspender zu sein, auch die katholische Kirche und der Papst sprechen sich inzwischen dafür aus“, berichtete Moos. „Auch wir brauchen eine Kultur der Organspende, Lebensretter sind dringend gesucht“, forderte sie. Als Spender infrage kommen in der Regel Menschen, die zum Beispiel eine Hirnblutung hatten oder nach einem Herz-Kreislaufstillstand zu spät wiederbelebt wurden und einen „irreversiblen Hirnfunktionsausfall” haben.

Pro Spender können bis zu sieben Organe transplantiert werden, es sind Herz, Nieren, Lunge, Augenhornhaut, Leber, Bauchspeicheldrüse sowie Dünn- und Dickdarm. Das Alter sei kein Ausschlusskriterium. Vor der Entnahme würden die Organe medizinisch untersucht, ob sie für eine Spende geeignet sind. Die Frage nach der moralischen Verpflichtung beantwortete Moos mit einem Zitat des legendären chinesischen Philosophen Laotse: „Wir sind für das verantwortlich, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.“

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