Leserbriefe: Ausgebildeter Tierpfleger fehlt

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Leserbriefe: Ausgebildeter Tierpfleger fehlt

Betr.: Situation im Butzbacher Tierheim

Seit über einem Jahr besuche ich nun schon das Tierheim Butzbach und gehe regelmäßig mit Hunden Gassi. In meiner Vorstellung dachte ich immer, das Tierheim sei staatlich finanziert bzw. dachte, dass zumindest zwei bis drei Personen mit spezieller Fachausbildung, z.B. ein/e Tierpfleger/in, dort fest angestellt sind. 

Erst jetzt habe ich verstanden, dass sich das Tierheim rein aus Spenden finanziert und gar kein Geld für ausgebildetes Fachpersonal hat! Denn – und das verstehe ich nicht – im Unterschied zu einem Tierheim, das von öffentlichen Geldern finanziert wird, ist der Tierschutzverein komplett von Spenden abhängig. Der Tierschutzverein Butzbach und Umgebung e.V. finanziert den Unterhalt des Tierheims überwiegend durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Die Stadt Butzbach unterstützt das Tierheim finanziell nur für die Betreuung der Fundtiere. 

Die Meinung, dass ein Tierheim staatlich finanziert sei, herrscht übrigens allgemein vor – verständlich, da man eigentlich davon ausgeht bei einer solchen Organisation in unserer Stadt. Leider ist dem nicht so. Wie ich mittlerweile erfahren konnte, leistet das Tierheim so vieles – auch für den Menschen: Der Verein arbeitet sehr eng mit der zuständigen Arbeitsagentur zusammen und gibt Menschen, deren Lebenslauf nicht immer gerade verlaufen ist, wieder eine Perspektive für die Zukunft: ob so genannte Stundenleister oder Beschäftigte, die gerade an einer Maßnahme der Arbeitsagentur teilnehmen. Außerdem können Schüler Praktika machen (vor- und nach Corona natürlich wieder). 

Um all diese Menschen muss sich jemand kümmern! Und das machen auch Ehrenamtliche in ihrer Freizeit. Besonders beeindruckend ist es aber auch, mit welchem Engagement die Verantwortlichen des Tierheimes Butzbach alles in Bewegung setzen, um die Kosten decken zu können. Trotzdem muss man immer Sorge haben, es könnte nicht reichen für Futter, Tierarztkosten, Personalkosten und vieles mehr. Ich sehe auch, wie sich ehrenamtliche Helfer/innen 7 Tage die Woche (365 Tage im Jahr) um das Tierheim kümmern und kaum ein Privatleben haben. Selbst das Notfallhandy des Tierheims ist 24/7 erreichbar. Es werden immer ehrenamtliche Helfer gebraucht, die ihre Tätigkeit mit großem Einsatz einbringen, aber es ist ziemlich frustrierend, wenn diese so gar keine weitere Unterstützung bekommen. 

Wir Mitglieder unterstützen das Tierheim mit unserem Beitrag und sonstigen Spenden und Aktionen. Es gibt also ein enormes Engagement von Seiten des Tierheimes, der Ehrenamtlichen und der Mitglieder. Da macht es mich einfach sprachlos, dass eine so wichtige Einrichtung unserer Gemeinde für hilflose LEBEWESEN nicht wenigsten Fachpersonal zur Verfügung gestellt bekommt. Die Tatsache, dass hilfsbedürftige Wesen nicht wirklich „fachlich“ betreut werden können, da es an Personal fehlt, ist eigentlich untragbar. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht reicht, Tiere zu lieben und nur das Beste zu wollen. Ich selbst bin hundeerfahren, sehr tierlieb und möchte auch nur das Beste für die Tiere, aber das allein genügt eben nicht. 

Ich würde mir nie zutrauen, verängstigte oder gar traumatisierte Hunde zu betreuen und zwar so, dass es ihnen gut geht dabei und sie auch anschließend vermittelt werden können. Dazu fehlen mir die fachlichen Kenntnisse. Deshalb meine Frage an die Stadt: Warum kann nicht wenigstens ein ausgebildeter Tierpfleger über die Gemeinde eingestellt werden? 

Alice Köhler, Butzbach

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