Leserbriefe: Hygiene-Regeln beachten

Im Wohnzimmer in Abendgarderobe
26. Mai 2020
Leserbrief: Schwimmbad dient der Gesundheit
26. Mai 2020

Leserbriefe: Hygiene-Regeln beachten

Betr.: Leserbriefe zur Öffnung des Butzbacher Schrenzerbades und des Mundschutzes auf dem Wochenmarkt (vgl. BZ v. 25.5.2020)

Liebe Butzbacher Mitbürger,

dass das Corona-Virus noch aktiv ist, wird uns gerade buchstäblich vor aller Augen geführt. Dabei wird auch der Übertragungsweg des Virus überaus deutlich: nämlich Tröpfcheninfektion über Aerosolbildung.

In dieser Situation unreflektiert die Öffnung eines öffentlichen Schwimmbades zu verlangen, ist derzeit sicher noch zu früh, denn dort entstehen ja laufend Aerosole, also Nebelwolken, die wie normale Luft einfach eingeatmet werden können. Diese Nebelwolken können durch die Atemluft bereits infizierter Besucher (innerhalb der Inkubationszeit) kontaminiert werden. Ein großes Risiko für alle Besucher, denn das Virus ist im Kleinst-Wassertröpfchen von wenigen Nanometer Größe gebunden und bleibt solange infektionstüchtig, wie es sich im Wassertröpfchen in der Luft befindet und eingeatmet werden kann.

Demgegenüber ist die Übertragung – über Aerosol – im Freien, z.B. auf dem Marktplatz – auch ohne Atemschutz, aber bei gebotenem Abstand – eher unwahrscheinlich, weil sich wegen des Windes kaum oder keine Nebelwolken bilden. Es muss aber das direkte An-Nießen und An-Husten unterbunden sein. Hier gleich nach dem Ordnungsamt zu rufen, ist wohl übertrieben. 

Anders in geschlossenen Räumen; dort können sich die Nebelwolken (Aerosole) lange in der Schwebe halten und umherwabern. Erst wenn der Raum verschlossen wird und keine Luftbewegung mehr stattfindet,  senken sich durch die Schwerkraft bedingt alle Schwebeteilchen (Nebel) und sinken auf Horizontalflächen ab, wo sie abtrocknen. Dieser Prozess dauert bei normaler Raumhöhe ( 3 mtr), -Raumtemperatur und Windstille,  ca. 2-3 Stunden. Die Abtrocknung der Schwebeteilchen auf Horizontalflächen ist ebenso abhängig von Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur. Auf der trockenen Oberfläche ist das Virus nicht mehr infektionstüchtig (tot).

Die Übertragung über die Hände kann zwar nicht ausgeschlossen werden, ist aber sehr unwahrscheinlich.

Die Hände-Desinfektion im nicht-medizinischen Bereich ist nicht zwingend erforderlich (aber auch nicht falsch). Das ist bereits daraus ersichtlich, dass vielerorts Produkte hierfür angewendet werden, welche nicht ausreichend auf ihre Desinfektionswirkung untersucht und entsprechend gelistet sind. Sie wirken auf das behüllte Virus Corona, weil dessen Fett-Hülle entfernt wird. Es ist aber sehr sinnvoll, alle Flächen zu desinfizieren, besser: zu dekontaminieren, die häufig und von jedermann angefasst werden, so z.B. alle Tür- und andere Griffe, insbesondere die aus Kunststoff, z.B. auch der Warenseparator an der Kasse des Supermarktes.

Die Desinfektion von allgemeinen Oberflächen: wie Fußböden, Tische, Stühle, auch Toiletten usw. spielt eine untergeordnete Rolle. Dies zeigt sich allein schon darin, dass von Fachleuten und Gesundheitsämtern normale Haushaltreiniger / Spülmittel als ausreichend angesehen werden und keine auf ihre mikrobiozide Wirksamkeit geprüfte und gelistete Mittel verlangt werden.  

Bleiben Sie gesund

Neithard Dahlen, Butzbach

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