Leserbriefe: Wer hat’s entschieden?

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Leserbriefe: Wer hat’s entschieden?

Betr.: Entwicklung des Burgwegs in Rockenberg 

Zunächst einmal meinen natürlichen Respekt allen Frauen und Männern gegenüber, die sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl in der Kommunalpolitik einsetzen. Ich weiß Ihr Engagement zu schätzen.

An der aktuellen Diskussion um den Burgweg stört mich allerdings, dass nachdem die Offenlage des Bebauungsplanes erfolgt ist und sich die ersten Bürgerinnen und Bürger hierzu melden, einige politische Parteien den Ball aufgreifen und uns zu vermitteln versuchen, sie hätten die aktuelle Entwicklung auch schon immer kritisch gesehen. Ich selbst habe im Frühjahr einer öffentlichen Gemeindevertretersitzung beigewohnt und die politische Diskussion verfolgt. Dabei hatte ich den Eindruck gewonnen, dass zwar unterschiedliche Auffassungen zu einigen Details (Vorratsfläche hinter dem Schulgebäude, Ausmaß des Ärztehauses, optimale Ausgestaltung des Verkehrsknotenpunktes etc.) diskutiert wurden, jedoch über die Grundausrichtung des Projektes breite Einigkeit herrscht. 

Nachdem durch die Offenlage die Bürger nun zwangsläufig von den Plänen erfahren und sich kritische Stimmen melden, äußern Grüne und SPD ebenfalls grundsätzliche Bedenken. In vielen dieser Punkte teile ich diese Bedenken sogar. Allerdings halte ich es für irreführend, wenn der Bevölkerung nun suggeriert würde, diese politischen Parteien hätten in der gemeindeinternen Diskussion sich entweder nicht ausreichend einbringen oder durchsetzen können. Zeit genug, um die Grundelemente dieses bedeutungsvollen Projektes im Hinblick auf die allgemeine Ortsentwicklung intensiv zu analysieren und zu bewerten war doch wohl gegeben. 

Und wenn die Diskussion ihrer Ansicht nach nicht ausgewogen genug verlaufen ist, hätten dieselben Gemeindevertreter doch auch bisher schon ihre politische Klientel hierüber informieren und mobilisieren können. Jetzt aber entsteht zumindest bei mir der Eindruck, man will so schnell wie möglich sagen: „Wir sind es aber nicht gewesen!“ Nein, liebe Volksvertreter, Sie müssen auch zu dem stehen, was Sie mitgestalten. Oder sich fragen, ob Sie Ihrer Verantwortung ausreichend gerecht geworden sind. Und dieses Projekt eignet sich nicht für politische Ränkespiele, es wird die Ortsentwicklung der nächsten Generation beeinflussen!

Zum Projekt an sich: Ich betrachte es auch enorm kritisch im Hinblick auf eine Kannibalisierung der Ortsmitte Rockenbergs und Oppershofens insgesamt. Alle wirtschaftlichen Profiteure wird es anziehen, seien es die Apotheke, Ärzte, Handel, Bankenfiliale, Gewerbetreibende. Und was wird aus den verlassenen Gebäuden im Ortskern: der Feuerwehr, der Schule und weiteren, die es an den Burgweg zieht? Ich habe Verständnis für jeden Einzelnen, der in der Entwicklung des Burgwegs auch das Heil für seine eigene Entwicklung sieht. Und auf der grünen Wiese zu entwickeln ist halt so viel einfacher als sich Gedanken zu machen, wie mittels Zusammenführung von Baulücken und Gebäudenachnutzungen ein intakter Ortskern erhalten bleiben kann. 

Aber genau das ist die große Herausforderung dieser Zeit, in der alle kleineren Orte um eine nachhaltige Entwicklung in Konkurrenz zueinander stehen. Und deshalb ist so wichtig, diese Diskussion auf breiter Basis zu führen und möglicher Weise auch schwierigere Wege zu gehen, die erst im zweiten Schritt die nachhaltigere Lösung bringen.

Peter Hähnke, Rockenberg

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