Manfred Wetz nimmt Abschied aus schönstem und anspruchsvollstem Amt

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Manfred Wetz nimmt Abschied aus schönstem und anspruchsvollstem Amt

ROCKENBERG. Bürgermeister Manfred Wetz (l.) erhielt vom Ersten Beigeordneten Berthold Antony die Entlassungsurkunde. Text + Fotos: thg 

Urkundenübergabe in der Wettertalhalle / Amtszeit des Rockenberger Bürgermeisters endet am Montag

ROCKENBERG (thg). Manfred Wetz erhielt am Montag in der Wettertalhalle die Entlassungsurkunde als Bürgermeister der Gemeinde Rockenberg zum 28. Februar. Seine Amtsnachfolgerin Olga Schneider erhielt ihre Ernennungsurkunde. Außerdem erhielt Wetz den Titel „Ehrenbürgermeister“. Einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen hatte die Gemeindevertretung vor Beginn der Verabschiedung und Vereidigung einstimmig beschlossen. „Das hätte nicht sein müssen, aber ich freue mich sehr“, sagte Wetz, der nach drei Amtszeiten von jeweils sechs Jahren nicht erneut zur Wahl antrat und in den Ruhestand geht.

ROCKENBERG. Die Ernennungsurkunde zur Bürgermeisterin von Rockenberg erhielt Olga Schneider von ihrem Vorgänger Manfred Wetz. Text + Foto: thg

 Erster Beigeordneter Berthold Antony hatte Wetz die Entlassungsurkunde überreicht. Schneider erhielt die Ernennungsurkunde von ihrem Vorgänger. Der stellvertretende Vorsitzende der Gemeindevertretung, Wolfgang Langsdorf, übergab die Urkunde für die Ehrenbezeichnung. 

Antony blickte zurück auf den Werdegang des Bürgermeisters und nannte Projekte, die in dessen Amtszeit umgesetzt wurden, darunter die Dorferneuerung Rockenberg und die Entwicklung der Neubaugebiete in beiden Ortsteilen mit einer Steigerung der Einwohnerzahl von knapp über 4000 auf 4427. In der Gemeindeverwaltung hätten stets gute Stimmung und ein bürgernahes Klima geherrscht. Er sei erreichbar gewesen und habe alle gleich behandelt. Er sei immer ein guter Chef gewesen, den die Mitarbeiter mochten und respektierten. 

Für die Gemeindevertretung bedankte sich SPD-Parlamentarier Wolfgang Witzenberger bei Wetz für die Zusammenarbeit. Er betrachtete den „wichtigsten Sachbearbeiter“ der Gemeinde als Freund, Chef und Bürgermeister. „Dieser Mann braucht eine berufliche Veränderung und Rockenberg einen neuen Bürgermeister“, habe er kurz vor dem 50. Geburtstag von Wetz gedacht, so Witzenberger. Wetz war technischer Leiter der Stadtentwässerung in Frankfurt-Sindlingen. Mit 18 Stimmen Vorsprung wurde er, unterstützt von einem Viererbündnis, zum Bürgermeister gewählt. Mit Formalismus und dem Prinzip „Umarme Deine Gegner“ habe er politisches Geschick bewiesen. Alle Entscheidungen seien zwar ohne Beschlüsse der Gemeindevertretung nicht möglich gewesen, aber Wetz habe die Inhalte auch transportieren können. Und die Demokratie in Rockenberg funktioniere. Langsdorf sprach Wetz seinen persönlichen Dank für seine „tolle Leistung“ aus.

Beigeordnete Katharina Jung, die 18 Jahre im Gemeindevorstand mit Wetz zusammenarbeitete, sprach für ihr Gremium. Beide hätten anfangs miteinander Probleme gehabt, aber irgendwann habe es „wie am Schnürchen“ funktioniert. Als kompetent und sachverständig und auf der Suche nach Kompromissen kennzeichnete sie Wetz. „Jeder konnte sich auf Dich verlassen.“ Sie betonte: „Ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft der Gemeinde zeigt uns, dass Du das Amt hervorragend ausgeübt hast.“ 

Hauptamtsleiter Alexander Gnau sprach für die Beschäftigten der Gemeinde. Wetz habe nicht nur Lösungen gesucht, sondern sie gefunden.

Landrat Jan Weckler bedankte sich bei Wetz für seine Arbeit zum Wohl der Gemeinde. Aus dem „Handbuch für den Umgang mit Bürgermeistern“ folgerte er, dass es sich bei dem jeweiligen Amtsträger um eine „eierlegende Wollmilchsau“ handeln müsse bei allen Ansprüchen und Erwartungen, die an ihn gestellt werden. „Außerordentlich und ungewöhnlich lang“ sei Wetz im Amt gewesen, habe die Gemeinde sehr stark geprägt und weiterentwickelt. „Die Gemeinde steht nun anders da, das ist sichtbar und spürbar.“ 

Cäcilia Reichert-Dietzel lobte als Sprecherin der Bürgermeister-Kreisvereinigung an Wetz das Vertrauen, Kollegialität, Verbindlichkeit, Freundlichkeit, sein „Maß an Ruhe“ und seine Bescheidenheit. Dabei habe er die Interessen seiner Gemeinde stets sehr bestimmt vertreten, „das kann ich Ihnen versichern“, sagte sie. 

Gemeindebrandinspektor Thomas Ulowetz sagte, Wetz habe viel für die Feuerwehr umgesetzt. Der Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus finde „hoffentlich“ dieses Jahr statt. An der Einsetzung eines hauptamtlichen Gerätewarts sei Wetz beteiligt gewesen. Er habe Lösungen gefunden, dabei die Finanzen im Blick gehabt. 

„Es war mir eine Ehre und Freude, Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Rockenberg zu sein“, sagte der scheidende Rathauschef. Zuvor hatte er sich in seinen Abschiedsworten umfangreich bei den unterschiedlichsten Gruppen bedankt. „Es braucht die Unterstützung vieler“, betonte der 68-Jährige. Er nannte zuerst die Familie, die politischen Gremien, in denen man sich habe zusammenraufen müssen, und die Verwaltung, auf die er sich immer habe verlassen können, deren Ideen und das Engagement, ebenso Bauhof- und Kita-Mitarbeiter. 

Er dankte den Bürgern für die sehr guten Ergebnisse seiner Wiederwahlen. Das sei Verpflichtung, aber auch Bestätigung der Arbeit. „Der Kontakt mit den Bürgern hat mich geerdet.“ Vereine, Kirchengruppen und Feuerwehr nannte Wetz ebenfalls. Er habe Respekt vor dem ehrenamtlichen Engagement. 

Der Kreis der Bürgermeisterkollegen gleiche oft einer Selbsthilfegruppe. Er sei überzeugt, dass die interkommunale Zusammenarbeit in Zukunft noch wichtiger wird. 

Er habe „das schönste und anspruchsvollste Amt“ ausgeübt. Aber auch Ärger und Sorgen gehörten dazu. „Ich bin immer gern zur Arbeit ins Rathaus gegangen“, sagte Wetz und verband seine Worte mit dem Wunsch, seine Nachfolgerin zu unterstützen. „Nur gemeinsam sind wir stark.“ (Weiterer Bericht folgt)

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