„Massive Belastung der Niederkleener“

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„Massive Belastung der Niederkleener“

Gruppe „Zukunft jetzt“ kritisiert Planungen für Steinbruch / Hinweis auf Lärm, Staub und Verkehrsaufkommen

NIEDERKLEEN (ikr). Die Gruppe „Zukunft jetzt – Neue Wege Langgöns“, ein Zusammenschluss kritischer Bürger aus dem Langgönser Ortsteil, möchte die Öffentlichkeit für die Planungen zur Nutzung im Steinbruch Niederkleen sensibilisieren. Sie informiert in einem Schreiben über ihre Sicht der Dinge und übt Kritik:

„Schon lange wird hier Kalkstein abgebaut“, heißt es eingangs. Nach diversen Gutachten sei unter anderem ein Rekultivierungsplan erstellt und unter Auflagen Genehmigungen zur Nutzung erteilt worden. Die Festschreibung der Rekultivierungsziele in Plänen mit festen Zeitrahmen und spezifischen Genehmigungen sollten juristische Sicherheit für eine Integration in das umgebende FFH- Natur- und Auenschutzgebiet geben.  

Aktuell stehe dies alles in Frage, der Rekultivierungsplan solle „angepasst“, neue Genehmigungen beantragt werden, heißt es weiter.  Nach der Neuverpachtung mit „erheblich verändertem Nutzungsvorhaben“ soll ein 3,1 Hektar großes Gebiet inmitten des zu renaturierenden Steinbruchs zu einem „Industriegebiet“ mit Bodenaufbereitungsanlagen umgenutzt werden. „Die Rekultivierungsziele würden sich damit erheblich auf die Zeit nach 2070 verschieben“, befürchtet die Gruppe Zukunft.

Eine Arbeitsgruppe Steinbruch beschäftigt sich seit Anfang 2018 intensiv mit den Risiken und Nebenwirkungen dieses Vorhabens. „Leider wurden ihre Bemühungen, sich umfassend zu informieren, durch verwehrte oder verzögerte Einsicht in Gutachten und ähnliche Unterlagen sehr erschwert“, kritisiert die Gruppe Zukunft. Es hätten sich eine Vielzahl von offenen Fragen und Bedenken ergeben, die nicht oder widersprüchlich beantwortet wurden. 

Die vielgepriesenen, strengen Kontrollen seien bisher nicht offengelegt worden. So zum Beispiel die Protokolle der Laborergebnisse an den Grundwassermessstellen. Auch werde nur etwa jeder 500. Lkw vom Betreiber beprobt, zuvor das Aushubmaterial von der jeweiligen Baustelle durch den Auftraggeber. Die Aufsichtsbehörde kontrolliere lediglich die Protokolle der Eigenkontrolle. 

Um weiter Kalksteine abbauen zu können, werde schon seit Jahren der natürliche Grundwasserspiegel auf 55 Meter unterhalb des Auenniveaus abgesenkt, es dürften bis zu
22 Liter pro Sekunde (1,9 Millionen Liter je Tag) abgepumpt werden. „Auch dies halten wir für die heutige Zeit mit schon seit Jahren rückläufiger Grundwassernachbildung für nicht mehr verantwortbar: Niederkleen hat in den letzten zwölf Jahren jährlich circa ein Drittel weniger Niederschlag erhalten als es durchschnittlich erhalten müsste“, so die Gruppe. 

Die „Summe der Unwägbarkeiten, die  massive Belastung der Niederkleener Bürger durch Lärm, Staub und erhöhtem Verkehrsaufkommen sowie der Gefahr einer großen Umweltbelastung von Grundwasser und den umgebenden Schutzgebieten“ lässt die Gruppe Zukunft einen dringlichen Appell an die Bürger, insbesondere auch an die Parlamentarier, richten: „Informieren Sie sich nicht nur bei den Befürwortern, sondern auch bei Experten, stimmen Sie nicht voreilig für die Änderungen im Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan.“ 

Wer mit der Gruppe Zukunft Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter Tel. 0151/20923418 tun.

Klaus Textor von der AG Steinbruch hat am 19. November beim Langgönser Gemeindevorstand beantragt, „die Offenlegung des Bebauungsplanes für das Sonderbaugebiet Niederkleen wegen pandemiebedingter Verzögerungen, der Sachlage gerecht werdend, (über den 27. November hinaus, Anm. d. Red.) zu verlängern, oder eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand vorzunehmen“, teilte ihm der Bürgermeister namens des Gemeindevorstands am Freitag schriftlich mit: „Eine Fristverlängerung ist nach Gesetzeslage nicht vorgesehen. Der Gemeindevorstand lehnt daher Ihren Antrag ab. Die von Ihnen als Begründung Ihres Antrages gemachten Hinweise können wir gerne zum Gegenstand der folgenden Beratung und Abwägung in den Gremien machen.“

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