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Mehr Bäume, neue Bestattungsformen

Die Stadt Butzbach beteiligte sich zum ersten Mal am bundesweiten Tag des Friedhofs. Foto: win

„Tag des Friedhofs“ in der Butzbacher Kernstadt / Führungen zu Bombenopfer- und Soldatengräbern

BUTZBACH (win). Friedhöfe sind ganz besondere Orte der Stille und Erinnerung. Man kann dort nicht nur trauern und Trost finden. Friedhöfe bieten trauernden Menschen in einem geschützten Rahmen einerseits Ruhe und Raum zum Entspannen, andererseits finden auf ihnen auch Begegnungen und Gespräche statt. Der „Tag des Friedhofs“ soll genau auf diese Vielfältigkeit hinweisen. 

Die Stadt Butzbach beteiligte sich am vergangenen Sonntag zum ersten Mal am bundesweiten Tag des Friedhofs. In seiner Begrüßungsrede führte Bürgermeister Michael Merle aus, dass im Rahmen des Förderprogramms „Lebendige Zentren“ vorgesehen sei, den Friedhof neu zu gestalten, beispielsweise durch mehr Baumbestand und veränderte Bestattungsmodelle. Bei der Stadt seien viele Menschen an der Erhaltung und Verwaltung der Friedhöfe beteiligt. Seinen Dank richtete er an die anwesende Sigrun Stowasser aus der Abteilung Friedhofswesen sowie die ebenfalls anwesende neue Mitarbeiterin im Bereich Grün- und Landschaftsplanung, Dörte Knortz, und allen voran die Mitarbeiter des Bauhofs, die für die Grünanlagen zuständig sind. 

Im Anschluss gestaltete Stadthistoriker Bodo Heil vom Geschichtsverein Butzbach und Umgebung eine Führung zu den Soldatengräbern und zu den Gräbern der Bombenopfer der Stadt, bei der er mit vielen Erinnerungen und Details aufwartete. Stadtführer Günter Bidmon übernahm die Führung zum jüdischen Friedhof. Neben einem Spaziergang zu den historischen Grabmalen gab es auch eine offene Informationsrunde. 

Für den würdevollen musikalischen Rahmen sorgte Cordula Poos. Die klassisch ausgebildete Harfenistin sang und spielte Arrangements aus ihrem Projekt „Daisy and her Farm“. 

Eine Fachausstellung zu den der Thematik nahestehenden Berufsfeldern rundeten die Veranstaltung ab. An Ständen informierten das Blumenhaus Balser, die Bestattungsunternehmen Bang, Sehrt-Mötz und Lebensfluss sowie der Steinmetzbetrieb Natursteine Buß. Auch gab es Gelegenheit, mit Trauerredner Achim Weimer zu sprechen, wie eine einfühlsame Trauerrede beim Abschiednehmen ein Stück weit helfen kann.

Der Butzbacher Stadtfriedhof wurde 1611 auf Befehl des Butzbacher Stadtherrn, Landgraf Philipp, vor den Butzbacher Stadtmauern angelegt, wo er sich noch heute befindet, wie Heil berichtet. Anlass war die im August bis Dezember des Jahres 1611 grassierende Pestepidemie, der 342 Butzbacher zum Opfer fielen. 

Ein Bombenopfergräberfeld wurde nach der Bombardierung Butzbachs vom 26. November 1944 angelegt. Von 45 Bombenopfern wurden allerdings nur 26 dort beigesetzt. Die Übrigen kamen in vorhandene Familiengräber oder waren Auswärtige. Von den 63 Bombenopfern des schwersten Angriffs auf Butzbach vom 9. März 1945 wurden nur 45 dort beigesetzt. 

Das Soldatengräberfeld wurde für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten errichtet. In Butzbach gab es mehrere „Reservelazarette“, in denen aber meist nur Leichtverwundete von Laienschwestern versorgt wurden. Daneben wurden aber auch in Frankreich gefallene Soldaten nach Butzbach „umgebettet“. Südlich dieses Gräberfeldes wurden auch einige Soldaten des Zweiten Weltkrieges beigesetzt. Sie waren meist in Deutschland in Lazaretten verstorben. Daneben gibt es auf dem Butzbacher Stadtfriedhof noch fünf Soldaten-Streugräber. 

Fünf Ehrengrabsteine befinden sich an der Westseite der Erste-Weltkriegs-Mauer. Darunter ist der Grabstein der am 23. November 1949 in Butzbach verstorbenen Sophie Hindemith, der Mutter des Komponisten Paul Hindemith. Es folgt der Grabstein des Nudelfabrikanten Alexander Wilhelm Heil (verstorben 19. Juli 1952). Daneben befindet sich der Grabstein der am 13. Februar 1992 verstorbenen Helle Sack geb. Weber, Witwe des Generalstabsrichters Dr. Karl Sack, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg gehängt wurde wegen Mitwisserschaft am „Hitlerattentat“ vom 20. Juli 1944. 

Daneben steht der Grabstein des Butzbacher Polizei-Sekretärs August Lauriolle, gestorben am 21. November 1972, Reichsemigrant im Saarland und als „Volksverräter“ gebrandmarkt. Es folgt der Grabstein des am 5. Dezember 1996 verstorbenen Oberstudienrates Werner Meyrahn, eine sozial aktive Persönlichkeit. Ohne diesen engagierten Weidigforscher hätte 1987 das Buch über Weidigs „Gesammelte Schriften“ der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde nicht erscheinen können. 

Eine Fachausstellung zu den der Thematik nahestehenden Berufsfeldern rundeten die Veranstaltung ab. Foto: win

Für den würdevollen musikalischen Rahmen sorgte Cordula Poos. Foto: win

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