Mehr Raum für „Agenten des Wandels“

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Mehr Raum für „Agenten des Wandels“

Foto: thg

INNENENTWICKLUNG – Neujahrsempfang der Stadt Butzbach öffnet Blick auf das Zusammenleben 

BUTZBACH (thg). „Vitales Butzbach – Schönheit kommt von innen“ lautete das Motto des Neujahrsempfangs der Stadt am Dienstag im Bürgerhaus. Es wurde ein Panorama von Aspekten des Zusammenlebens verbunden mit Gedanken zur Wertschätzung der Kulturlandschaft von Dekan Volkhard Guth vom evangelischen Dekanat Wetterau. Ferner kamen, befragt von Martin Guth, Akteure aus Vereinen, Kultur und Wirtschaft  zu Wort. 

Der Gesangverein Liederkranz Pohl-Göns 1879, der in diesem Jahr 140-jähriges Bestehen feiert, eröffnete unter Leitung von Martin Winkler den Abend, bevor Stadtverordnetenvorsteher Dr. Matthias Görlach die Gäste aus Institutionen, Vereinen, Verbänden, Politik und Wirtschaft begrüßte. Ein Film stimmte auf das Thema „Innenentwicklung“ ein, in dem der Stärkung der Ortskerne positive Attribute zugeordnet wurden unter anderem von Bürgermeister Michael Merle. Vitale Dorfgemeinschaften, ökologische Aspekte, Umnutzungen und schließich auch die Umsetzung im Dialog wurden unter anderem genannt.

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Dekan Guth blickte zurück auf das Jahr 1552, als ein anderer Geistlicher, Erasmus Alberus, ein Lob der Wetterau anstimmte. Der „Erhalt der Kulturlandschaft durch qualitatives Wachstum“ der Kommunen war Guth als Thema vorgegeben. Er unterstrich dabei das „Dreieck Natur, Mensch, Landschaft“. Ein Geschenk der Schöpfung sei der fruchtbare Boden, dessen Schutz indes weniger beachtet werde. Wenn er verdichtet und bebaut werde, gehe er verloren und damit seine vielfältigen Funktionen. Täglich gingen in Hessen Flächen in der Größe von vier Fußballfeldern auf diese Weise verloren. 

Zwar solle große Logistik angesiedelt werden, deutete der Dekan das Thema Bau in Berstadt an. Doch der Trend zum Kauf regionaler Produkte benötige auch entsprechende landwirtschaftliche Flächen. Boden bedeute zudem auch Heimat.

An den ersten Neubaugebieten der Nachkriegszeit außerhalb der Ortschaften lasse sich heute ablesen, dass dieses Konzept nur für bestimmte Lebenszeiten stimmig ist. Ältere Menschen stellten fest, dass sie irgendwann Haus und Grundstück nicht mehr bewältigten, dass es an Aktivität und auch materiellen Mitteln fehle. Oft höre er den Satz, es sei „eigentlich zu groß“. 

Guth plädierte daher für die innerörtliche Entwicklung. Der Siedlungsdruck aus dem Rhein-Main-Gebiet könne dafür genutzt werden. Lösungen für Problemgebäude sollten gefunden, neue Formen des Zusammenlebens geschaffen werden. Die alten Höfe seien ja auch einst gebaut worden, um Menschen unterschiedlichen Alters unterzubringen. Daher brauche es mutige Akteure und die Beteiligung der Bürger als „Agenten des Wandels“. Sein Wunsch sei es auch, „die Kirche im Dorf“ zu lassen, denn sie wolle gern bei diesem Wandel dabei sein. 

Die Interviewserie mit „Geschichten aus Butzbach“ eröffnete die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Butzbach Kornelia Kraus-Ruppel. Etwa 100 Aktive gäben und nähmen gegenseitig Hilfe. Als neues Konzept plant der Verein ein monatliches Reparaturcafé. Dafür suche er noch einen Raum, richtete Kraus-Ruppel die Anfrage an dem Bürgermeister. 

Der Fauerbacher Ortsvorsteher Ewald Reitz hob neben dem auf Fauerbacher Initiative schnellen Internet die Dorferneuerung hervor. Der Umdenkprozess bezogen auf den Leerstand im Ort habe bereits eingesetzt. Der Stadtteil war in das Forschungsprojekt „Dorf und Du“ integriert. Ferner soll das neue Dorfgemeinschaftshaus im September fertiggestellt sein. 

Die Gemeinschaft im Ort hob auch Hubert Meyer, Vorsitzender des Vereins Unser Dorf Ostheim hervor. Verschiedene Projekte nicht nur der zunächst von städtischer Seite nach 2001 nur schleppend angelaufenen Dorferneuerung seien verwirklicht worden. Das Prinzip von „Dorf und Du“ sei der übergeordnete Rahmen für „Unser Dorf“. 

Kino-Inhaber Ralf Bartel als Kulturvermittler berichtete von den Anfängen des Open-Air-Kinos. Mit der Kleinkunst-Reihe „Live“ bietet das Kino einen weiteren kulturellen Aspekt in der Stadt. Es gebe viele Akteure und viele Angebote im Bereich Kultur in Butzbach. Allein sie müssten besser koordiniert werden. „Es bräuchte eine Plattform.“ 

Das Late-Night-Shopping oder das Hexentreiben gehen auf die Initiative von Butzbach Aktiv zurück. Der Vorsitzende dieses „Gewerbevereins“, Patrick Kempf, machte deutlich, dass die Aktionen bedeutend für ganz Butzbach seien. „Wenn die Kernstadt nicht mehr funktioniert, dann hat das auch Folgen für andere Betriebe.“

Heidemarie Blecher, aktiv im Seniorenbeirat, meldete sich mit einem Gedicht auf das neue Jahr zu Wort. Dafür überließ ihr Bürgermeister Merle nach seinem Schlusswort spontan das Mikrofon. 

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