„Meilenstein“ und „Geniestreich“

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„Meilenstein“ und „Geniestreich“

BEBAUUNGSPLAN – Rockenberger Ausschuss für erste Beteiligungsrunde zu Burgweg und „Süd“

ROCKENBERG (thg). Von einem „Meilenstein“ und einem „Geniestreich“ sprach Planer Paul Lösse von P4 Architekten über die Bauprojekte, die in der Gemeinde Rockenberg diskutiert werden. Für die Bebauungspläne Burgweg und Rockenberg-Süd soll die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Das empfahl der Haupt- und Finanzausschuss  am Montagabend der Gemeindevertretung, am kommenden Montag zu beschließen.

Planer Lösse legte in der Sitzung das Ergebnis einer Vielzahl von Gesprächen vor, die er seit der letzten Vorstellung des Projekts vor den Kommunalpolitikern vor anderthalb Jahren mit verschiedenen Akteuren geführt hat. Beim Thema Burgweg stimmten SPD und Grüne allerdings mit Nein.

Laut Kostenschätzungen kommen auf die Gemeinde für den Burgweg 2,5 und für Rockenberg Süd knapp 1,26 Millionen Euro an Ausgaben zu. Welcher Ertrag möglich ist, war noch nicht zu beziffern. Dies hängt unter anderem von den Beschlüssen zur Bodenordnung ab, die erst am kommenden Montag gefasst werden sollen.

Oberhalb und unterhalb der Bad Nauheimer Straße befinden sich die beiden Plangebiete: Drei Hektar sind es in Rockenberg-Süd, in den unter anderem auch ein Teil der Siemensstraße einbezogen ist, 6,8 Hektar sind es für den gegenüber liegenden Burgweg. Während im Süden vorrangig Gewerbe das Thema sein soll, geht es beim Burgweg um die Feuerwehr, Seniorenwohnen, eine gemeinsame neue Grundschule für beide Ortsteile, ein Ärztehaus und nicht zuletzt einen neuen Supermarkt.

Die Zufahrt zum Burgweg und in das Gebiet Rockenberg Süd soll von der Bad Nauheimer Straße aus per Ampel geregelt werden, wie aus der Diskussion deutlich wurde. Auch Bushaltestellen sollen entstehen. Die Einrichtung eines Kreisverkehrs wäre nicht nur teurer, sondern würde auch wegen der Hanglage Schwierigkeiten mit sich bringen. Im Zuge der Kreuzungsgestaltung hofft Lösse auf eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit.

Wer die Stichstraße Burgweg nimmt, könnte laut Planungen links ein Ärztehaus und rechts den Feuerwehrneubau sehen. Links schlössen sich der Supermarkt und der Schulneubau mit darüber liegenden Außenflächen an. Rechts fügte sich das Seniorenwohnen an, oberhalb blieben Reservegrundstücke für Gemeinbedarf zunächst frei.

Die Verkehrserschließung mit der Stichstraße sei „sehr wirtschaftlich“. Die Erschließung auf den zunächst sechs großen Grundstücken übernähmen die Nutzer selbst.

Lösse zeigte unter anderem eine Skizze mit der möglichen Bebauung, diese sei aber alles andere als festgelegt, sondern Sache der jeweiligen Architekten. Unter anderem sei der Schulbau nur aus dem Schema vergleichbarer Projekte abgeleitet.

Auch die Thematik Lebensmittelmarkt sei noch nicht abschließend geklärt. Mit den Genehmigungsbehörden sei bereits besprochen, dass bei Errichtung eines Supermarkts auf der neuen Fläche am bisherigen Standort keine solche Nutzung mehr möglich sei. Laut Betreiber entspreche das derzeitig genutzte Gebäude nicht mehr den Anforderungen. Einen Markt am Burgweg zu ermöglichen trage mit dazu bei, das Gesamtprojekt überhaupt erst finanzieren zu können. Bis 2020 gelte der Mietvertrag für den bisherigen Supermarkt, wie Bürgermeister Manfred Wetz informierte. Um eine Regelung zu finden, dass der Eigentümer keinen Verlust erleidet, müssten noch Gespräche geführt werden. Die Vertragsgestaltungen spielen auch eine Rolle, wenn es für Lösses Planung darum geht, dass die Supermarkt-Parkplätze auch für Besucher des Ärztehauses zur Verfügung stehen sollen.

Auch hinsichtlich der Schule gebe es wohl noch eine lange Debatte. Durch die Ansiedlung „weg vom Trubel“ am Feld habe die vorgesehene Fläche eine „hohe Lagequalität“.

Für das Seniorendorf gibt es bereits einen Interessenten, wie Lösse berichtete und damit für Überraschung in der SPD-Fraktion sorgte, wie deren Vertreter bekundeten. Dort lasse man sich von „jemand mit Erfahrung“ beraten.

Das Gefälle des Areals von 15 Metern sorgt dafür, dass auch Böschungen und Stützmauern eingeplant werden müssen. Es soll vermieden werden, dass man zu stark in den Hang bauen muss. „Grüne Kulissen“ seien vorgesehen, so Lösse. Die Oberflächenentwässerung ist noch genauer zu klären, aber an der Bad Nauheimer Straße soll eine nicht bebaute 20-Meter-Zone auch als Rückhaltung dienen.

Für das Ärztehaus besteht laut Wetz Interesse der Nachfolgerin des örtlichen Hausarztes. Ein zweiter Arzt könnte als Vertretung hinzukommen. Der Zahnarzt aus Oppershofen suche eine neue Praxis. „Die Gespräche laufen.“ Aber auch Physiotherapie sei dort beispielsweise denkbar.

Planer Lösse unterstrich, dass die beiden Bebauungspläne getrennt voneinander, aber parallel ins Verfahren gehen sollten. Falls es zu Verzögerungen in Details eines Plans komme, könne das andere Verfahren weitergehen. In der nun angestrebten frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung werden auch die Behörden  als Träger öffentlicher Belange einbezogen. Deren Eingaben werden dann abgewogen und entweder einbezogen oder zur Kenntnis genommen. Erst wenn dies alles eingearbeitet ist, wäre eine Bürgerversammlung sinnvoll. Es gebe dann noch keinen Satzungsbeschluss und eine zweite Beteiligungsrunde folge.

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